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Persönlich am Lieblingsplatz

Auf ein Soda Zitron mit LH Wilfried Haslauer

Salzburgs Spitzenkandidat:innen halten im Podcast-Gespräch inne

LH Haslauer im Podcast-Interview SALZBURG24/Gruber
Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) im Podcast-Interview mit S24-Chefredakteurin Nicole Schuchter. 

Ein persönliches Gespräch an einem ihrer Lieblingsorte, das war unsere Anfrage an die Spitzenkandidat:innen der im Landtag vertretenen Parteien anlässlich der bevorstehenden Wahl. Alle haben zugesagt, die Lieblingsplätze waren unterschiedlich. Landeshauptmann Wilfried Haslauer schließt unseren Podcast-Reigen ab.

Salzburg

"Ein kurzer Spaziergang, eine Fahrt mit dem Obus, ein Lieblingsrestaurant, oder doch Ihr Büro – gerne würden wir uns mit Ihnen dort treffen, wo Sie sich wohlfühlen. Ein Platz oder Ort, mit dem Sie etwas verbindet, über den Sie uns etwas erzählen können. In dem Podcast-Interview wollen wir weder Name, Partei noch politische Funktion in den Vordergrund rücken, sondern das gesprochene Wort, unser Gespräch. Natürlich persönlich, aber nicht privat", so lautete unsere Anfrage an die Spitzenkandidat:innen. Und Andrea Klambauer, Martina Berthold, Marlene Svazek, David Egger und LH Wilfried Haslauer waren schnell bereit für ein Gespräch (fast) ohne Politik.

Wilfried Haslauer (ÖVP) haben wir am 27. Februar im Café Bazar getroffen.

Auszug des Gesprächs mit Wilfried Haslauer

SALZBURG24: Wir sind heute hier im Café Bazar – Sie haben sich diesen Platz für unser Interview ausgesucht. Warum?

WILFRIED HASLAUER: Mit dem Bazar verbinden mich seit Jahrzehnten Erinnerungen. Es ist einfach ein Teil von Salzburg, ein Teil der Salzburger DNA und ein Wiener Kaffee in Salzburg.

Sie haben heute ein Soda Zitron mit Eis bestellt. Trinken Sie denn auch Kaffee?

Ja, natürlich. In der Früh und nach dem Mittagessen trinke ich einen Espresso. Ich schaue schon, dass ich den Kaffeekonsum möglichst einschränke. Aber zwei, drei Espresso am Tag, das muss schon sein. Ohne Zucker und ohne Milch.

Und muss es etwas Süßes dazu sein?

Eigentlich nicht. Ich bin kein so Süßer. Vielleicht am Sonntag mal einen Kuchen.

Fasten Sie eigentlich?

Ja, derzeit ja. Kein Alkohol, kein Abendessen. Ich werde das nicht die ganze Fastenzeit über machen, aber so zehn Tage lang. Es tut mir gut und man braucht das auch manchmal zum Runterkommen. Fasten als Kontrast finde ich sehr gut, denn wir leben alle doch in einem Überfluss, gerade was Lebensmittel angeht. Da muss man schon aufpassen, dass man sich wieder einordnet. Ich bin aber nicht der Typ, der sich extrem kasteit.

Sie sind seit zehn Jahren Landeshauptmann von Salzburg. Das bedeutet sehr viele Termine, sehr viele Menschen um Sie herum. Was bedeutet Alleinsein für Sie?

Ich bin sehr, sehr gerne allein. Ich liebe die Ruhe, die Stille. Natürlich bin ich am liebsten mit meiner Familie zusammen. Aber auch da ist es mal ganz gut, wenn man sich rausnehmen kann. Wenn einfach niemand spricht, wenn man selbst auch nicht spricht, wenn man etwas lesen kann oder einfach in die Luft schaut und seinen Gedanken nachgeht oder einen Spaziergang macht. Das brauche ich persönlich sehr, auch um die Batterien wieder aufzuladen.

Das heißt, sie wagen auch die Innenschau, wenn Sie alleine sind?

Absolut. Das habe ich für mich auch gelernt in meinem Leben. Für mich müssen Kopf, Hirn und Bauch immer übereinstimmen und auch das Gefühl. Im Grunde genommen weißt du sofort, ob du etwas richtig gemacht hast oder falsch – auch wenn die Logik oder der Intellekt oft etwas anderes meinen. Aber am besten ist es, auf den eigenen Bauch zu hören.

Wie oft haben Sie denn die Möglichkeit dazu, in die Stille zu gehen?

Ich mache das nicht gezielt. Das ist situationsbezogen. Aber ich suche sie auch aktiv. Ich habe zu Hause ein Arbeitszimmer mit sehr vielen Büchern, da kann ich mich zurückziehen. Und es gibt schon immer wieder die Gelegenheit, man kann sagen, wöchentlich passiert das schon.

Die letzten Jahre waren turbulent – man denke nur an die Pandemie, die ja doch eine Zäsur für uns alle brachte. Nun erleben wir eine Zeit der multiplen Krisen – Krieg, Teuerung, Klimakrise. Was macht das mit Ihnen?

Ich bin nachdenklicher geworden. Ich habe jetzt schon viele Krisen miterlebt. In meiner Zeit als Landeshauptmann 2013 mit dem Finanzskandal, 2015 die große Migrationskrise, in dieser Legislaturperiode drei Jahre Pandemie und jetzt ein Jahr Krieg mit allen Nebenwirkungen. Man sieht, dass man in einer Entscheidungssituation – wenn man versucht, die Lage zu analysieren – man immer zu einem gewissen Bereich fremdbestimmt bleibt. Und man sieht auch, dass es sehr wichtig ist, auf die Wissenschaft, Fachleute und Sachverständige zu hören und breite Meinungen einzuholen. Doch in der Entscheidung selbst, bleibt man trotz allem Rat letztlich immer alleine. Und das sind oft sehr schwere Entscheidungen, die auch belastend sein können.

Der Ukraine-Krieg dauert schon über ein Jahr. Können Sie sich noch daran erinnern, wie Sie vom Einmarsch der Russen am 24. Februar 2022 erfahren haben?

Das weiß ich noch ganz genau. Das war sehr zeitig in der Früh. Um 4 oder 5 Uhr hat mich der Bundeskanzler angerufen und hat mir mitgeteilt, dass die Russen einmarschieren. Ich habe das nicht für möglich gehalten. Meine Sicht der Dinge war immer, dass es sich um Drohgebärden der Russen handelt. Es war ein Schock, das muss ich ehrlich sagen. Wir haben uns dann schnell darauf vorbereitet, dass Flüchtlinge aus der Ukraine kommen und in Salzburg mit rund 6.000 gerechnet. Gekommen sind dann 5.000.

Wie glauben Sie, geht es nun weiter in dieser Zeit der Krisen?

Ich bin zuversichtlich. Wir haben gelernt, mit Krisen zu leben. Trotz aller Probleme, die wir hatten, haben wir auch profitiert davon. Aber wir haben mehr Krisenresistenz bekommen, und das nicht nur in der Verwaltung, sondern auch in der persönlichen Aufnahmebereitschaft. Was mich zuversichtlich macht, ist, dass die Salzburgerinnen und Salzburger sich nicht so leicht unterkriegen lassen und dass die Stimmung trotz Teuerung, trotz der verschiedenen Ängste, eine gute ist.

Wir sitzen hier in Salzburg und sehen in den Fernsehbildern das unsagbare Leid, das der Krieg in der Ukraine auslöst. Warum – glauben Sie – trifft uns das so?

Das hat verschiedene Gründe. Erstens ist es die Nähe. Die Ukraine ist von Wien weniger weit entfernt als von Vorarlberg. Der Krieg in Afghanistan ist dasselbe menschliche Leid. Aber für uns ist es weit weg. Wir sehen die zerstörten Häuser und die Flüchtlinge, die hier sind. Und was uns besonders betrifft – vor allem die Älteren – es sind diese Namen wie Kiew, Charkiw, Mariupol, Odessa, etc., die wir aus den Erzählungen unserer Großeltern, die selbst dort im Krieg waren, noch kennen. Es ist eigentlich unvorstellbar, dass auf ukrainischem Boden wieder deutsche Panzer rollen. Und ich verstehe auch, dass der deutsche Bundeskanzler sich mit dieser Entscheidung sehr schwergetan hat.

Was für eine Welt wünschen Sie sich für Ihre Kinder?

Ich wünsche mir eine Welt, wo man gut miteinander umgeht, wo man Chancen hat, wo man achtsam mit sich und der Natur sich verhält und wo man seine Träume in Freiheit leben kann. Ich habe oft den Eindruck, dass die jungen Leute für sich keine Zukunft sehen, derweil haben sie momentan aber die größten Chancen. Noch nie hat es einen Arbeitsmarkt mit solchen Chancen und Möglichkeiten für Junge gegeben. Sie können ins Ausland, international unterwegs sein und verschiedenste Berufe erlernen. Das war früher alles nicht so. Wir müssen auch diese Seite beachten.

Wenn wir schon bei den jungen Menschen sind – welche Kompetenzen werden in Zukunft die wirklich wichtigen für eine friedvolle Gesellschaft sein?

Wachheit, Aufmerksamkeit, Aufgeschlossenheit. Das aktive Tun, die Freude am Gelingen. Insgesamt – und nicht speziell nur die Jungen – habe ich ab und zu den Eindruck, dass alle darauf warten, dass irgendjemand da sein muss, der die Probleme für einen löst. Nein, es gibt irgendwo eine Verpflichtung, sich um die eigenen Angelegenheiten zu kümmern.

Alles zur Salzburger Landestagswahl

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 24.03.2023 um 01:12 auf https://www.salzburg24.at/themen/salzburger-landtagswahl-2023/auf-ein-soda-zitron-mit-lh-wilfried-haslauer-135504895

Kommentare

why

"denn wir leben alle doch in einem Überfluss...." aha deswegen die unverschämt hohen Strompreise, Dieselpreise etc...

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