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Gefährliche Schönheit: So viel Chemie steckt in unseren Kosmetikprodukten

Sie sind ansprechend verpackt, duften gut und sollen uns schön machen: Die Rede ist von Kosmetikprodukten. Doch in vielen Artikeln, die beinahe in jedem Badezimmer stehen, stecken gefährliche Inhaltsstoffe. Die österreichische Umweltorganisation Global 2000 hat nun 400 Kosmetika und 53 Parfums genauer unter die Lupe genommen.

"Den Untersuchungen von Global 2000 zufolge enthält jede zweite Bodylotion, jedes zweite Aftershave sowie jede fünfte Zahnpasta der insgesamt über 400 untersuchten Produkte hormonell wirksame Chemikalien. Bei den problematischen Inhaltsstoffen handelte es sich überwiegend um Konservierungsmittel aus der Gruppe der Parabene und chemische UV-Filter", zeigt sich ÖVP-Gesundheitssprecherin Gerlinde Rogatsch in einer Aussendung besorgt.

Auch Parfums können gefährlich sein

Zudem fanden die Forscher in zehn von 53 getesteten Parfums eine hohe Menge der hormonell wirksamen Chemikalie Diethylphtalat (DEP). Die Substanz gelange über die Haut in den Blutkreislauf und könne zu erheblichen Gesundheitsrisiken führen, so die Umweltorganisation. Eine hohe Konzentration des Stoffes sei in den Düften "Davidoff, Cool Water", "David Backham Homme" sowie "24, Faubourg" gefunden worden, heißt es von Global 2000. Im Niedrigpreissegment wiesen die Produkte "Denim, Black", "Gammon Magic Musk" vom Hersteller Beiersdorf und das vom Diskonter Hofer vertriebene Parfum "Cuore d'Oro" eine hohe Menge des kritisierten Inhaltsstoffs auf.

Hier finden Sie eine Liste der getesteten Produkte!

So krank macht uns unsere Kosmetik

Hormonell wirksame Chemikalien sind Stoffe, die aufgrund ihrer strukturellen Ähnlichkeit mit körpereigenen Hormonen die sensiblen hormonellen Steuerungsprozesse im Körper negativ beeinflussen können und die mit zahlreichen Erkrankungen beim Menschen in Zusammenhang gebracht werden. „Experten sprechen von Beeinträchtigungen des Fortpflanzungssystems, von Hormon-assoziierten Krebsarten wie Brust-, Prostata- und Hodenkrebs, verfrühte Pubertät bei Mädchen, sowie Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern", warnt Gesundheitssprecherin Rogatsch. Besonders heikel seien Störungen der hormonell regulierten Entwicklungsprozesse beim heranreifenden Fötus und beim Säugling.

Land Salzburg setzt erste Schritte

Der Sozial- und Gesundheitsausschuss des Landes Salzburg beschloss daraufhin am 19. Februar, dass sich die Landesregierung beim Bund dafür einsetzen müsse, Bisphenol A und Parabene in Lebensmittelkontaktmaterialien und Kosmetika zu verbieten.

Auch der Handel ist laut Helmut Burtscher, Biochemiker bei Global 2000, gefordert, dieser könne am schnellsten reagieren. Die Drogeriekette BIPA will beispielsweise mit der Eigenmarke "MY" bis Jahresende aus hormonell wirksamen Inhaltsstoffen aussteigen.

Wie kann ich mich schützen?

Wer auf Produkte mit hormonell wirksamen Chemikalien wie DEP verzichten möchte, dem empfiehlt Burtscher beim Kauf von Kosmetika auf die drei Substanzen Parabene, Ethylhexyl Methoxycinnamate und Alcoholdenat zu achten. Wenn ein Produkt keinen dieser Stoffe enthalte, könne mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass hormonell wirksame Chemikalien darin sind.

„Für alle untersuchten kosmetischen Mittel haben wir Produkte gefunden, die ohne diese Substanzen auskommen", informiert die Organisation weiter.

Hier finden Sie eine Liste der belastenden Stoffe!

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Jede fünfte untersuchte Zahnpasta und knapp jede zweite Bodylotion und jedes zweite Aftershave enthalten hormonell wirksame Inhaltsstoffe.
  • Bei Bodylotions und Zahnpasten machen Parabene (Methylparaben, Propylparaben, Ethylparaben und Butylparaben) den überwiegenden Teil der hormonellen Inhaltsstoffe aus. Bei Aftershaves sind es die UV-Filter/Absorber Ethylhexyl Methoxycinnamate und Benzophenone-3.
  • Insgesamt wurden in der Auswahl von Kosmetikartikeln acht verschiedene hormonell wirksame Chemikalien gefunden. Sechs davon wurden von der EU in ihrer Prioritätenliste für hormonell wirksame Stoffe mit der höchsten Priorität belegt. Für diese Stoffe ist die hormonelle Wirksamkeit in Tierversuchen bewiesen.
  • Anteil der Produkte, die mehrere hormonell wirksame Stoffe enthalten: 22 Prozent.
  • 18 Prozent der untersuchten Produkte enthielten Alkohol, der aus steuerlichen Gründen mit Chemikalien vergällt wurde. Diese Chemikalien müssen auf der Liste der Inhaltsstoffe nicht angeführt werden. Als häufiges Vergällungsmittel ist aber der hormonell wirksame Phthalat-Weichmacher Diethylphthalat (DEP) bekannt.
  • Naturkosmetik-Artikel, die ebenfalls stichprobenartig untersucht wurden, waren frei von hormonellen Schadstoffen. Und auch bei konventionellen Zahnpasten und Bodylotions ließen sich mehrere Hersteller finden, deren Artikel überwiegend bis ausschließlich frei von hormonell wirksamen Inhaltsstoffen sind.
(Quelle: S24)

Aufgerufen am 09.04.2020 um 03:05 auf https://www.salzburg24.at/leben/lifestyle/gefaehrliche-schoenheit-so-viel-chemie-steckt-in-unseren-kosmetikprodukten-44949499

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