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Über Salzburg in den Libanon

Kälbertransporte: Tierschützer sind fassungslos

Politiker mit ersten Reaktionen

Berichte über qualvolle Milchkälber-Exporte über Spanien in den Libanon sorgen derzeit für Aufregung unter Tierschützern und mahnende Worte bei Politikern. Demnach sollen unter anderem auch aus dem benachbarten Bezirk Braunau in Oberösterreich Kälber unversorgt transportiert worden sein. Am Reiseziel wurde den Tieren bei vollem Bewusstsein die Kehle aufgeschlitzt.

Bei der Tierschutzorganisation Pfotenhilfe in Lochen in Oberösterreich ist man fassungslos. "Es ist absolut unfassbar, was man da sieht! Wie können unsere Politiker da seelenruhig zusehen und nichts dagegen tun? Diese Tierqualtransporte fahren ja fast vor unserer Haustür vorbei nach Bergheim bei Salzburg, wo im konkreten Fall das gerade einmal zwei Wochen alte Kalb umgeladen und unversorgt tagelang bis nach Spanien transportiert wurde“, reagiert Stadler am Donnerstag auf die von ZDF veröffentlichten Bilder.

Die Kritik der Tierschützerin: Den Konsumenten würden die Schattenseiten der Milchproduktion vorenthalten. Denn durch die unnatürliche Züchtung auf extrem hohe Milchleistung fallen männliche Kälber durch den Rost. Sie für Fleisch zu mästen rechnet sich in Österreich kaum. „Großhändler kaufen diese oft nur wenige Wochen alten Babys daher billigst auf und karren sie über tausende Kilometer lebend dorthin, wo sie am meisten Geld dafür bekommen. Und lebend ist unter anderem deshalb wichtig, weil sie in Nahost unbetäubt geschlachtet werden und man sich die viel teureren Kühltransporte spart.“

Politiker reagieren auf qualvolle Tiertransporte

Nicht nur Tierschützer sind fassungslos, auch die österreichische Politik reagiert: So sollen am 17. März Vertreter von Sozial- und Landwirtschaftsministerium sowie betroffener Behörden und Tierschützer zu einem Gipfeltreffen gegen Tierleid zusammenkommen. Das kündigte der auch für Tierschutz zuständige Gesundheits- und Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne) am Donnerstag an.

Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) wünscht sich ein EU-weites Exportverbot von Schlachtvieh in Drittstaaten. Angesichts der Diskussion um Tiertransporte sagte die Ressortchefin: "Unsere Bauern haben nichts falsch gemacht." Sie hätten sich vielmehr "an unsere strengen Regeln gehalten, Österreich hat deutlich strengere Vorschriften für Schlachttiertransporte als viele EU-Staaten".

"Wir brauchen diese strengen Regeln für alle EU-Staaten, angelehnt an den strengen Bestimmungen, die es in Österreich gibt. Eine Vereinheitlichung ist notwendig", forderte Köstinger. Im konkreten, von Tierschützern aufgedeckten Fall wurden Tiere von Österreich nach Spanien verkauft, dort gemästet und anschließend in einem qualvollen wochenlangen Transport in den Libanon verbracht.

Über eine Million Tiere aus Österreich in zehn Jahren

Die ZDF-Doku "Tiertransport grenzenlos" des deutschen Autors und Filmemachers Manfred Karremann berichtete laut "Vier Pfoten" unter anderem über schwere Missstände bei Rindertransporten, wobei auch österreichische Tiere betroffen sind. Denn auch Österreich exportiert Zuchtrinder in Drittländer. Von 2008 bis 2018 waren es demnach insgesamt 1.014.721 heimische Tiere, die ins Ausland transportiert wurden. 221.464 davon gingen in Drittstaaten. Die häufigsten Exportländer sind die Türkei (117.151 Tiere), Algerien (38.133), Russland (15.356), Usbekistan (12.675) und Aserbaidschan (9.301).

(Quelle: SALZBURG24)

Jährlich 15.000 Tiertransporte aus Österreich

Tiertransport, Kälber, Kalb Neumayr/Archiv
Das Thema Tiertransporte sorgt immer wieder für Aufregung. 

Tausende Tiere werden jedes Jahr von Österreich aus ins Ausland transportiert. Ein Zwischenstopp ist dabei regelmäßig Bergheim bei Salzburg (Flachgau). "Um die Qual auf Tiertransporten zu beenden, gibt es nur ein wirksames Mittel: Der Transport lebendiger Tiere über längere Strecken muss verboten werden", fordert die Klubobfrau der Salzburger Grünen, Kimbie Humer-Vogl, am Mittwoch dazu in einer Presseaussendung.

14.923 Tiertransporte hat es im Jahr 2017 mit dem Ursprungsland Österreich gegeben. Davon waren knapp 27 Millionen Tiere betroffen, wie die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" am Mittwoch basierend auf einer parlamentarischen Anfrage der "Liste JETZT" mitteilte. Die NGO kritisierte vor allem, dass nicht immer auszuschließen ist, dass Tiere letztlich in Drittstaaten landen.

TV-Tipp ???? Heute um 22:15 Uhr läuft auf ZDF die Reportage "Tiertransporte grenzenlos" die das schreckliche Leid hinter...

Gepostet von VIER PFOTEN am Montag, 17. Februar 2020

Humer-Vogl kritisiert "Absurdität des Systems"

Für Humer-Vogl sind dies die Auswirkungen eines in weiten Teilen pervertierten Fleischproduktionssystem: "Viele Konsumentinnen und Konsumenten verlangen nach billigem Fleisch. Und das Mästen von Kälbern in Spanien ist günstiger als hierzulande. Beide Fakten zusammengenommen führen zu den qualvollen Tiertransporten." Dass Österreich so nebenbei noch jede Menge Kalbfleisch aus den Niederlanden importiert, rundet für die Tierschutzsprecherin der Grünen die Absurdität des Systems ab. Das Ziel müsse deshalb heißen: "Schluss mit Lebendtiertransporten über weite Entfernungen!", so Humer-Vogl. Gut möglich, dass Kalbfleisch dann etwas teurer würde. "Aber das sollte uns das Ende des Tierleids wert sein."

"Vier Pfoten"-Direktorin Eva Rosenberg bezeichnete die Zahl der grenzüberschreitenden Tiertransporte als "mehr als erschreckend" und kritisierte: "Das System kann nur als pervers bezeichnet werden. Wie kann es eine Normalität und vor allem lukrativ sein, Tiere lebendig über zigtausende Kilometer, oft wochenlang, durch mehrere Länder zu transportieren?"

Hautnah: Tiertransporte von Österreich in den Libanon

NEUE AUFDECKUNG ‼️ ⚠️ ACHTUNG: Video zeigt Gewalt gegen Tiere! Erstmals ist es uns gelungen, den Leidensweg dreier Kälber von der Geburt in Österreich (Vorarberg, Tirol, Oberösterreich) über die Mast in Spanien, bis zu deren Schlachtung im Libanon nachzuverfolgen! Schluss mit den brutalen Kälbertransporten! Bitte unterschreibt unsere Petition: www.transportestoppen.at ✍️???? Vielen Dank!

Gepostet von VGT Vorarlberg am Dienstag, 18. Februar 2020

Über eine Million Tiere aus Österreich in zehn Jahren

Die ZDF-Doku "Tiertransport grenzenlos" des deutschen Autors und Filmemachers Manfred Karremann berichtete laut "Vier Pfoten" unter anderem über schwere Missstände bei Rindertransporten, wobei auch österreichische Tiere betroffen sind. Denn auch Österreich exportiert Zuchtrinder in Drittländer. Von 2008 bis 2018 waren es demnach insgesamt 1.014.721 heimische Tiere, die ins Ausland transportiert wurden. 221.464 davon gingen in Drittstaaten. Die häufigsten Exportländer sind die Türkei (117.151 Tiere), Algerien (38.133), Russland (15.356), Usbekistan (12.675) und Aserbaidschan (9.301).

In den Jahren 2008 bis 2018 sind den Tierschützern zufolge insgesamt 199.891 Kälber aus Österreich exportiert worden, 1.202 davon in Drittstaaten und 198.689 innerhalb der EU. Gerade bei Kälbern ist bekannt, dass immer wieder Transporte von Österreich nach Spanien gehen. Auffällig ist jedoch, dass Spanien gerade in den letzten Jahren seine Rolle als Exporteur von Lebendvieh in Drittstaaten stark ausgebaut hat. Von 2016 auf 2017 alleine stiegen die Lebendtiertransporte in Drittländer um knapp 78 Prozent auf fast 120.000 Tiere. Die Hauptdestination ist Libyen, gefolgt vom Libanon, der Türkei und Algerien.

EU-Verordnung: Rinder-Transport über 29 Stunden erlaubt

Eva Rosenberg kritisierte: "Wie die ZDF-Doku erneut deutlich gemacht hat, gibt es in dieser Branche viele Schlupflöcher. Dadurch können die Tiere möglichst unauffällig in Länder verbracht werden, in denen sowohl die Haltungs- als auch die Schlachtungsbedingungen weit unter den österreichischen Standards sind. Wir verlangen, dass die EU endlich ihrem Tierschutzauftrag nachkommt und angemessen reagiert." So verlangte "Vier Pfoten" unter anderem Verbesserungen bei der Gesetzgebung.

Laut EU-Verordnung dürfen Rinder insgesamt 29 Stunden transportiert werden, wobei eine Stunde Pause eingehalten werden muss. Bei Schweinen beträgt die zulässige Transportdauer 24 Stunden. Nach einer Pause von 24 Stunden darf die Maximaldauer aber beliebig oft wiederholt werden. Auch nicht-entwöhnte, also noch säugende Jungtiere dürfen transportiert werden, kritisierte "Vier Pfoten". "Diese Bestimmungen sind einfach eine Schande", sagte Rosenberg. Neben einem Stopp von Lebendtiertransporten in Drittstaaten und einer Begrenzung der Transportzeit auf acht Stunden forderte die Tierschutzorganisation auch ein Verbot des Transports von nicht-entwöhnten Jungtieren.

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