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Hunderte Arbeitsplätze nach bauMax-Verkauf noch in der Luft

Das bauMax-Logo macht dem OBI-Schriftzug Platz APA/Pfarrhofer
APA16480730-2 - 16012014 - KLOSTERNEUBURG - ?STERREICH: ZU APA 0211 WI - THEMENBILD - Das Logo der Heimwerkerkette Baumax aufgenommen am Donnerstag, 16. J?nner 2014 in Klosterneuburg. Der Heimwerkerkette Baumax steht eine Sanierung bevor. APA-FOTO: HERBERT PFARRHOFER

Wie viele der 3.800 österreichweiten Arbeitsplätze durch den Verkauf der meisten bauMax-Filialen an den Konkurrenten Obi und Supernova verlorengehen, ist auch drei Tage nach Vertragsabschluss ungewiss. In der bisherigen Unternehmenszentrale in Klosterneuburg soll der Mitarbeiterstand von derzeit 280 bis zum Frühjahr 2016 auf 35 reduziert werden, sagte Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager (ÖVP).

Dieser starke Wegfall an Arbeitsplätzen bedeute - neben den Einzelschicksalen jener, die den Job verlieren - für die Stadt, dass rund eine halbe Million Euro an Kommunalsteuern entfallen werden. Das müsse nun budgetmäßig geplant werden, so Schmuckenschlager unter Hinweis auf Informationen von CEO Michael Hürter zur APA.

bauMax vor dem Aus - Obi ?bernimmt Salzburg24
bauMax vor dem Aus - Obi ?bernimmt

 

Stellenabbau nach Übernahme noch unklar

Der Bürgermeister erinnerte an die Leistungen der Familie Essl, die über Jahrzehnte hinweg ein attraktiver Arbeitgeber in der Stadt gewesen sei und auch durch ihre Sozialstiftung und ihr kulturelles Engagement beeindruckte. Sollte das Büro des bauMax-Headquarters in weiterer Zukunft ganz aufgelöst werden, so hoffe er, dass sich ein neues Unternehmen für den verkehrsmäßig hervorragend angebundenen Standort finde.

Die Firmenzentrale in der Aufeldgasse - Kunstinteressierten als Schömer-Haus seit langem ein Begriff - wurde 1987 nach Plänen von Heinz Tesar errichtet. Das "kleine Guggenheim" vor den Toren Wiens diente bis zur, aber auch nach der Eröffnung des nahen Essl Museums, für das der selbe Architekt verantwortlich zeichnete, nicht nur als Büro-, sondern auch Ausstellungshaus.

Der Konzernbetriebsrat von Obi-Deutschland geht davon aus, dass es in den rund 70 Märkten, die übernommen werden, keinen Stellenabbau geben wird. Allerdings habe Obi schon in der Vergangenheit die Länderzentralen außerhalb Deutschlands restrukturiert. Es sei daher naheliegend, dass die Märkte künftig von Deutschland aus betreut werden, so der deutsche Obi-Betriebsratschef Bernhard Groening am Montag zur APA. Obi hat im Vorjahr seine Österreich-Zentrale deutlich abgespeckt. 73 der 118 in der Zentrale in Wien beschäftigten Mitarbeiter wurden damals beim AMS Wien zur Kündigung angemeldet.

Laut Insidern soll das Closing, also der endgültige Abschluss des Deals, im Oktober erfolgen. Erst danach, wenn die Übernahme abgeschlossen ist, sollen Medien und Öffentlichkeit informiert werden, die Mitarbeiter hingegen wissen in groben Zügen schon Bescheid. Hintergrund der Geheimniskrämerei seien unter anderem die enorme Komplexität der Transaktion und verschachtelte Konstruktionen, teilweise seien die Baumärkte nur Superädifikat, stünden also auf fremden Grundstücken, heiß es von informierter Seite zur APA.

Bauhaus und Hornbach auch interessiert

Für jene rund 30 Märkte und deren Mitarbeiter, die Obi nicht fortführen will, soll es noch "berechtigte Hoffnung" geben. Laut Medienberichten haben die Mitbewerber Bauhaus und Hornbach Interesse. Hornbach-Sprecher Florian Preuß dämpfte aber die Erwartungen. Auch in Deutschland habe Hornbach nach der Pleite von Praktiker und Max Bahr nur sechs Filialen übernommen. Man wolle zwar wachsen, aber nicht um jeden Preis. "Die Unternehmensphilosophie lautet: Nur erstklassige Standorte", so Preuß am Montag zur APA. Hornbach eröffnet im Herbst in Klagenfurt seinen 13. Markt in Österreich.

Am klassischen Do-it-yourself-Markt gibt es mit bauMax, Obi, Hornbach und Bauhaus derzeit vier Konkurrenten. bauMax ist mit über 30 Prozent Marktanteil Marktführer, erklärte Unternehmensberater Andreas Kreutzer von Kreutzer, Fischer und Partner Consulting auf APA-Anfrage. Dahinter folge Obi. Um den dritten Platz nach Umsätzen liefern sich Hornbach und Bauhaus ein Duell. Zu den Heimwerkermärkten kommen aber noch Baustoffhändler wie Hagebau, Sochor oder auch Lagerhaus.

Die bauMax-Übernahme durch Obi hängt noch von der Zustimmung der Kartellbehörden ab. Wegen der Wettbewerbssituation rechnen Kartellexperten mit Auflagen. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) kündigte bereits eine rasche Entscheidung an. Bis Montagmittag war der Zusammenschluss bei der BWB aber noch nicht formal angemeldet, bei der EU-Kommission in Brüssel hingegen liegt laut "Manager Magazin" bereits seit längerem ein Genehmigungsantrag vor.

Obi kaufte rund 70 bauMax-Filialen

In der "Presse" sagte BWB-Chef Theodor Thanner kürzlich, bei der Prüfung auch die Arbeitsplätze im Auge zu haben. Durch Obi sind laut "Kurier" zumindest 2.800 der 3.800 österreichischen bauMax-Stellen gesichert. Obi gehört mehrheitlich zum deutschen Handelskonzern Tengelmann und ist am Heimatmarkt Deutschland nach eigenen Angaben mit 353 Standorten Marktführer. Die europaweit mehr als 500 Märkte erzielten 2014 einen Umsatz von rund 6,7 Mrd. Euro.

Seit Freitag ist der Kaufvertrag für rund 70 von 106 bauMax-Standorten in Österreich, Slowakei, Slowenien und Tschechien unterschrieben. In Österreich kauft der Grazer Fachmarktbetreiber Supernova einen Großteil der Baumärkte und vermietet sie an Obi weiter. Laut "Kurier" soll der am Freitagabend unter Dach und Fach gebrachte Deal fünf bauMax-Filialen in Tschechien, 14 Märkte in der Slowakei, zwei in Slowenien und 49 Standorte in Österreich umfassen.

Supernova-Chef Frank Albert hatte am Sonntag als Erster die Übernahme bestätigt. "Wir sind die zukünftigen Vermieter", sagte er zur APA. Die Medienberichte würden grundsätzlich stimmen. Details nannte er aber unter Verweis auf umfassende Stillschweigevereinbarungen nicht.

Die Heimwerkerkette bauMax, fast 40 Jahre lang im Besitz der Gründerfamilie Essl, hatte sich ab 1992 bei der Expansion in Osteuropa überhoben. Die Wirtschaftskrise hatte die Verluste dann in die Höhe schießen lassen. Im Jahr 2013 hat bauMax einen Verlust von 189 Mio. Euro erlitten. 2012 lag das Minus bei 126 Mio. Euro und im Jahr 2011 bei 47 Mio. Euro. Für 2014 liegen noch keine Zahlen vor.

(APA)

(Quelle: S24)

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