Jetzt Live
Startseite Österreich
Equal Pay Day

Frauen arbeiten 46 Tage im Jahr gratis

Arbeitnehmerinnen meist schlechter bezahlt

symb_gleichberechtigung Pixabay
Für 46 Tage im Jahr arbeiten Frauen gratis - darauf macht der Frauenring vor dem Equal Pay Day aufmerksam. (SYMBOLBILD)

Für 46 Tage im Jahr arbeiten Frauen gratis - darauf macht der Frauenring vor dem Equal Pay Day, der heuer auf den 15. Februar fällt, aufmerksam. Der Einkommensunterschied ist damit gesunken, allerdings nur "statistisch gesehen", wie Frauenring-Vorsitzende Klaudia Frieben bei einer Pressekonferenz am Montag betonte.

Vonseiten der Politik forderte sie unter anderem einen Ausbau der Kinderbetreuung und ein Lohntransparenzgesetz. "Die strukturelle Ungleichheit ist geblieben", stellte Frieben trotz der Vorlegung des Equal Pay Days - 2021 fiel er auf den 21. Februar - fest. Wegen der Pandemie habe es bei den ganzjährig Vollzeitbeschäftigten einen Rückgang von über zwei Prozent bei den Frauen und von 0,9 Prozent bei den Männern gegeben, sagte Ökonomin Katharina Mader von der Arbeiterkammer Wien. Vor allem schlecht bezahlte und gering qualifizierte Frauen seien weggefallen, besser qualifizierte und bezahlte Frauen blieben in der Statistik. Männer seien währenddessen stärker von der Kurzarbeit betroffen gewesen, ihre Durchschnittslöhne geringer ausgefallen.

 

Equal Pay Day wird mit Lohnsteuerdaten berechnet

Für die Berechnung des Equal Pay Days werden die Lohnsteuerdaten aus dem Jahr 2020 herangezogen - neuere Daten stehen nicht zur Verfügung, sagte Mader. Diese Daten machen die Auswirkungen der Pandemie sichtbar: Kinderbildungseinrichtungen waren teilweise geschlossen, die häusliche Care-Arbeit sei an den Frauen hängengeblieben und viele mussten Einkommensverluste hinnehmen, erklärte Frieben.

Frauen verdienen meist weniger 

Arbeiterinnen würden demnach 26,9 Prozent, weibliche Angestellte 29,9 Prozent, weibliche Vertragsbedienstete 4,8 Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Pendants. Einzig Beamtinnen verdienen 5,7 Prozent mehr als Beamten. Am höchsten seien die Gehaltsunterschiede in Vorarlberg, am geringsten in Wien, wo es mehr Kinderbetreuungsmöglichkeiten gibt. Die geringeren Einkommen haben - so Frieben - negative Auswirkungen auf die soziale Absicherung wie Arbeitslosengeld und Frauenpensionen und können Altersarmut bei Frauen hervorrufen.

symb_altersarmut APA/DPA/WILLNOW
(SYMBOLBILD)

Warum Frauen im Alter ärmer dran sind

Ein Leben lang arbeiten, um dann im Alter trotzdem jeden Cent zweimal umdrehen zu müssen. Für viele Menschen in Österreich ist das Alltag. Warum besonders Frauen von Altersarmut betroffen sind, hat …

Schlechtere Bezahlung bei gleicher Arbeit

Der Equal Pay Day werde durch ungleiche Bezahlung für die gleiche oder gleichwertige Tätigkeit, unterschiedliche Arbeitsbewertungen - Frieben sprach von klassischen Frauen- und Männerberufen wie Friseurinnen und Automechanikern - sowie die gläserne Decke, die es Frauen erschwert, in Führungspositionen zu kommen und die ungleiche Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern bedingt. Bekommen Frauen ein Kind, sei das immer noch ein Karriere- und Einkommensrisiko. Um das zu ändern, forderte die Frauenring-Vorsitzende ein Lohntransparenzgesetz, Maßnahmen zur Schließung der gläsernen Decke, Sanktionen für Betriebe bei echter Einkommensdiskriminierung, die Neubewertung von Arbeit, den Ausbau der Ganztagsschulen und einen rechtlichen Anspruch auf Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr.

Statistik berücksichtigt nur Vollzeitarbeit

In der Statistik finden sich nur Vollzeitbeschäftigte. Werden auch Teilzeitbeschäftigte einbezogen, sei das Einkommen von Frauen um 35 Prozent geringer als jenes der Männer, hieß es vonseiten der Arbeiterkammer. In einer Aussendung forderte Präsidentin Renate Anderl Einkommenstransparenz, den Ausbau der Kinderbetreuung und -bildung mit einer Milliarde Euro mehr pro Jahr, die Einführung der Familienarbeitszeit und eine Qualifizierungsoffensive für Frauen. Auf transparente Einkommen, mehr kostenlose Kinderbetreuung und -bildung sowie Familienarbeitszeit pochte auch Sandra Steiner, Frauenvorsitzende der Gewerkschaft GPA. Mehr Geld will sie außerdem für Frauenbranchen, die direkt vom Staat abhängig sind, sowie für die Pflege und Betreuung.

Pension APA/BARBARA GINDL

Frauen bekommen um 42 Prozent weniger Pension

Am Donnerstag ist Equal Pension Day - das ist jener Tag, an dem der durchschnittliche Pensionist seit Beginn des Jahres jenen Betrag erhalten hat, den die durchschnittliche Pensionistin erst mit …

SPÖ kritisiert fehlendes Arbeitsmarktkonzept

Auch die Politik meldete sich zu Wort: "Ich vermisse eine Arbeitsmarktkonzept der Regierung, das die Vollzeitbeschäftigung von Frauen in Zukunft fördert", kritisierte SPÖ-Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner. Viele Frauen würden in Teilzeit arbeiten, weil sie keine andere Wahl hätten. Sie forderte "einen Rechtsanspruch auf Vollzeit nach Teilzeitphasen, einen massiven Ausbau von Kinderbildungsplätzen, den Rechtsanspruch auf kostenlose ganztägige Kinderbetreuung, Lohntransparenz und eine generelle Arbeitszeitverkürzung, die es Frauen und Männern erleichtert, bezahlte und unbezahlte Arbeit gerecht aufzuteilen."

NEOS fordert mehr Kinderbetreuung

NEOS-Frauensprecherin Henrike Brandstötter will neben einer flächendeckenden und ganztägigen Kinderbetreuung mehr Väterbeteiligung durch individuelle Ansprüche auf Karenz- und Kinderbetreuungsgelder sowie das automatische Pensionssplitting, um Frauenarmut im Alter gegenzusteuern. "Damit sich die Stellung von Frauen am Arbeitsmarkt bessert, müssen sich die Rahmenbedingungen in vielerlei Hinsicht ändern - das führt schließlich zu einem gesamtgesellschaftlichen Umdenken und davon profitieren Frauen, Männer, Familien und die Gesellschaft insgesamt", ist sie überzeugt.

FPÖ sieht Teilzeit als Faktor

Die Einkommenssituation werde dadurch verschärft, dass Frauen etwa wegen Kinderbetreuung oder Pflegearbeit in der Familie oft nur in Teilzeit arbeiten können, sagte FPÖ-Frauensprecherin Rosa Ecker. "Nach wie vor wird diese wichtige Tätigkeit der Pflegezeiten und Kinderbetreuung nicht für die Pension später angerechnet", kritisierte sie und forderte: "Frauen soll endlich generell eine Mindestpension zustehen, wenn sie erwerbstätig sind - und nicht nur eine Mindestpension gemeinsam mit dem Ehemann." Die pandemiebedingte Arbeitslosigkeit habe sich angesichts des Arbeitslosengeldes von 55 Prozent Nettorate sich "gravierend ausgewirkt".

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 27.05.2022 um 02:17 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/frauen-arbeiten-46-tage-im-jahr-gratis-117049039

Kommentare

Mehr zum Thema