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Cannabis-Legalisierung

"Politisch ist der Rückwärtsgang eingelegt"

Hanf-Aktivist Anton Straka im Interview

20150402_PD7662.HR.jpg APA/Helmut Fohringer/Archiv
Eine Legalisierung von Cannabis ist in Österreich derzeit offenbar kein Thema. (SYMBOLBILD)

Das Thema Cannabis polarisiert, das weiß auch Aktivist Anton Straka vom Österreichischen Hanfinstitut, der am Mittwoch zu einer Buchpräsentation in Salzburg ist. Im Interview erklärt er uns, wie es derzeit um eine Legalisierung in Österreich steht, was es mit dem aktuellen CBD-Boom auf sich hat und warum die Pflanze verteufelt wird.

Das Thema Cannabis-Legalisierung sorgt immer wieder für Diskussion. In Salzburg sorgte zuletzt der Aktivist Willi Wallner für Aufregung, der mit seinem Cannabis Social Club Hanf als Arzneipflanzen anbaut. Am Mittwoch stellt er im SN-Saal sein Buch "Mit Hanf gegen den Schmerz" vor. Mit dabei ist auch Anton Straka, den wir vorab zum Interview gebeten und gefragt haben, wie es in Österreich derzeit um die Legalisierung steht.

SALZBURG24: Ist Cannabis in Österreich bald legal?

ANTON STRAKA: Nun, politisch ist der Rückwärtsgang eingelegt. Es ist derzeit kein Thema. Schauen wir mal, welche Regierung wir bekommen. Sollte Türkis-Grün kommen, ist das Cannabis bei beiden Parteien kein Thema. Dadurch dass das Wissen 60 Jahre lang unterdrückt wurde, gehen alle sehr zögerlich heran. Bei der Bevölkerung ist das Thema zu 100 Prozent durch, weil sie es ausprobiert haben oder gesehen haben, dass sich andere damit behandeln. Vor 100 oder 120 Jahren waren immerhin ein Drittel aller Produkte in einer Apotheke Cannabis-Produkte.

Was ist der Grund für diese Diskrepanz zwischen politischer und gesellschaftlicher Diskussion?

Die Pharmaindustrie. Wir haben in Österreich jährlich Ausgaben von 4,5 Mrd. Euro für Medikamente. Da könnte man einen großen Teil davon einsparen, würden die Leute Cannabis nehmen. Das Wissen um Cannabis wird aber bewusst unterdrückt. In England gibt es seit 1939 den "Cancer Act". Damit gibt es ein Gesetz, das verbietet, dass man behauptet, mit Cannabis Krebs heilen zu können.

Als Beispiel fällt mir hier in Österreich Martin Winkler ein. Ein Krebspatient, der zuerst die konventionelle Chemotherapie und Bestrahlung gemacht hat, daraufhin allerdings 25 Kilo abgenommen hat und ist verfallen. Daraufhin hat er das von einem Tag auf den anderen abgestellt und hat angefangen, sich mit Cannabis-Öl zu behandeln, worauf er angeklagt wurde. Dieser Prozess ist nun aber glücklicherweise auf unbestimmte Zeit vertagt.

 

Würde man mit einer Legalisierung nicht auch Steuereinnahmen generieren?

Durchaus, die Berechnungen dazu sind in Österreich allerdings schwer, weil es sich eben nach wie vor um einen Schwarzmarkt handelt. Wir beim Hanfinstitut schätzen, dass 100 bis 200 Tonnen jährlich konsumiert werden. Wenn man hier die Mehrwertsteuer miteinberechnet, kommt man auch Einnahmen von rund 500 Millionen Euro.

Und man könnte noch weitere hunderte Millionen Euro für das Budget durch den Wegfall der Strafverfolgung einsparen. Eine durchschnittliche Cannabisanzeige verursacht Kosten von 15.000 Euro. Man braucht Sachverständige, Gutachter, Richter, Polizei und Ärzte. Ich kenne zudem keinen Polizisten, der nicht der Ansicht ist, dass das ein Unsinn ist und sie ihre Zeit lieber für dringendere Verbrechen aufwenden würden.

Steht der aktuelle CBD-Boom der Cannabis-Legalisierung im Weg?

Nun, in der Cannabis-Pflanze sind 115 Cannabinoide, die man bislang entdeckt hat. CBD und THC sind dabei die wichtigsten. Nun hat sich herausgestellt, dass CBD das vielleicht sogar noch breiter anwendbare Cannabinoid ist. Es hilft bei Schmerzen, Ängsten und vielen Alltagskrankheiten. Im Grund aber, müssen alle Cannabinoide zusammenspielen. Man sollte die Pflanze aber in ihrer Gesamtheit verwenden, da mancher Wirkstoff allein nicht wirken kann, weil der Entourage-Effekt fehlt.

Ich dachte früher, dass das sogenannte Medical Cannabis der Schuhlöffel für die allgemeine Legalisierung sein wird. Jetzt befürchte ich, dass man draufkommt, dass es nicht mehr wegzudiskutieren ist, dass bei der Bevölkerung die Katze aus dem Sack ist. Also will man diese Thematik in die Pharma-Ecke drängen. Denn immerhin kostet ein Gramm Reinsubstanz THC in der Apotheke 850 Euro, am Schwarzmarkt bekommt man dasselbe um 100 Euro. Da ist also ein riesen Geschäft dahinter.

Haben Sie beim Thema Cannabis Wünsche an die nächste Regierung?

Ja, dass man Cannabis als das behandelt, was es ist: Eine wertvolle, unschädliche Heilpflanze, die man nicht zu Tode regulieren muss. All die Mythen über Psychosen und sonst was – das ist nur gezielte Desinformation, mit der man Leute verunsichern will. Die Psychose scheint so die letzte Verteidigungslinie zu sein. Im Duden wird Psychose übrigens als „verzerrte Wahrnehmung“ definiert. Somit ist wohl jeder Alkoholrausch eine Psychose, und ganz Österreich hat jedes Wochenende eine.

Wie Paracelsus schon gesagt hat: "Ob etwas Droge, Medizin oder Gift ist, macht einzig und allein die Dosis aus." 

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 09.12.2019 um 04:18 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/hanf-aktivist-ueber-cannabis-legalisierung-80192152

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