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"Kauf nix"-Initiative

Nach "Black Friday"-Rausch droht der Kater

Appell für bewussteren Konsum

Shopping, Einkauf, Kauf Nix Tag, Einkaufsliste, SB Pixabay/CC0
Am "Kauf-nix-Tag" steht nichts am Einkaufszettel. (SYMBOLBILD)

Während sich Shopping-Begeisterte seit Tagen akribisch auf die große Schnäppchenjagd am heutigen Black Friday vorbereitet haben, rufen Kritiker zum "Kauf-nix-Tag" auf. Er wird bereits in über 60 Ländern organisiert und soll zum Nachdenken über das eigene Konsumverhalten und die weltweiten Auswirkungen anregen. Auch in Österreich machen Greenpeace und Global 2000 auf die Folgen des Shoppings-Wahnsinns aufmerksam.

Am "Kauf-nix-Tag" soll, wie der Name schon vermuten lässt, 24 Stunden lang nichts gekauft werden. Initiiert wurde er erstmals im Jahr 1992 vom kanadischen Künstler Ted Dave. "Alles in der Wirtschaft ist darauf angelegt, heute, jetzt, hier, sofort etwas zu kaufen. Ich war davon völlig erschöpft und dachte, vielleicht ist es eine gute Idee, endlich einmal eine Shopping-Pause einzulegen", so der Initiator damals. 

Black Friday: 80 Prozent der Jungen wollen shoppen

Doch macht ein Tag wirklich einen Unterschied? Verschiebt man die Einkäufe nicht bloß? Vielleicht. Die Befürworter sehen den bewussten Verzicht jedenfalls als Anlass generell über das eigene Konsumverhalten nachzudenken. Inzwischen gilt der Tag – meist der letzte Samstag im November – als Gegenbewegung zum immer beliebter werdenden Black Friday.

Laut einer aktuellen Umfrage des österreichischen Handelsverbandes wollen heuer 59 Prozent der Befragten den Black Friday für eine Schnäppchenjagd nutzen. Vor allem bei jungen Konsumenten sind die beiden Rabatttage Black Friday und Cyber Monday beliebt, im Alterssegment der Unter-29-Jährigen planen mehr als 80 Prozent einen Einkauf. Aber auch bei den Über-60-Jährigen sind es mehr als die Hälfte.

 

Österreicher geben im Schnitt 260 Euro aus

"Die heimischen Konsumenten werden beim Black Friday und Cyber Monday 2019 im Schnitt 260 Euro ausgeben. Trotz der eingetrübten Konjunktur dürfen sich unsere Händler also Ende November auf größere Warenkörbe freuen", erklärt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes. Beliebteste Produkte sind unter anderem Smartphones, Fernseher, Notebooks und Spielekonsolen.

Aber nicht alle Händler beteiligen sich am Black Friday, wie ein Protest in Salzburg zeigt.

Der tatsächliche Nutzen für Konsumenten ist umstritten. Die Preisnachlässe am Black Friday sind laut einer Studie des Preisvergleichsportals Idealo trotz aller Ankündigungen eher bescheiden. Die Markenbeobachter hatten im vergangenen Jahr die Preisentwicklung bei mehr als 2.500 Produkten beobachtet. Das Ergebnis: Drei Viertel der Produkte waren am Schnäppchentag zwar günstiger als in den vier Wochen davor. Doch lag die durchschnittliche Preisersparnis in den 50 wichtigsten Produktkategorien lediglich bei sechs Prozent. Nur jedes siebente überprüfte Produkt verdiente mit einer Preisreduzierung um mindestens 20 Prozent wirklich den Namen Schnäppchen.

"Shopping als Glücksspender"

Für viele geht es offenbar gar nicht darum enorm zu sparen. "Wir leben inzwischen in einer Kultur, in der Shopping als glücksspendend angesehen wird. Doch das stimmt nicht! Auf den kurzen Kick folgt meist ein böses Erwachen", warnt Nunu Kaller, Konsumentensprecherin bei Greenpeace Österreich. Der Kaufrausch befeuert durch Rabattaktionen ziehe einen Kater nach sich, der den Auswirkungen von zu viel Alkohol ähnlich sei. Das legt eine Umfrage der NGO nahe. Etwa 60 Prozent der Befragten in Deutschland fühlen sich nach dem Einkaufen ausgelaugt. Ungefähr ein Drittel der Teilnehmer in Asien berichtet über eine innerliche Leere nach dem Einkaufen", heißt es in einer Aussendung.

Mach die Umwelt nicht zum Fashion Victim! ???? 72 Millionen Kleidungsstücke hängen ungetragen in unseren Kleiderschränken....

Gepostet von Greenpeace Österreich am Mittwoch, 27. November 2019

Modeindustrie als großer Klimasünder

Heuer ruft Greenpeace Österreich unter dem Motto "Black Friday. For Nature" zum Verzicht auf Wegwerfmode auf. Denn laut einer Umfrage, die Greenpeace im Frühjahr durchgeführt hat, hängen bereits über 72 Millionen Kleidungsstücke ungetragen in Österreichs Kleiderschränken. Die Modebranche gilt als einer der größten Klimasünder weltweit. Aktionen wie der Black Friday würden die Klimakrise zusätzlich anheizen und zu noch mehr Wegwerfmentalität führen.

Black Friday. For Nature.

Am Black Friday will uns der Handel einreden, dass wir noch mehr Dinge zum Glücklichsein brauchen. Dabei hängen alleine in unseren Kleiderschränken 72 Millionen ungetragende Kleidungsstücke. ???? Zeige am Black Friday, dass du für verantwortungsvollen Konsum einstehst und verzichte darauf einzukaufen. Erzähle deinen Freundinnen und Freunden davon ????https://www.facebook.com/events/799469920495748/

Gepostet von Greenpeace Österreich am Donnerstag, 28. November 2019

Auch die Umweltschutzorganisation Global 2000 macht auf die Auswirkungen überbordenden Konsums aufmerksam. So würden beispielsweise alleine für die Erzeugung eines einzigen T-Shirts durchschnittlich 2.700 Liter Wasser verbraucht. Es gelte grundsätzlich: Lieber wenige, aber gut haltbare und reparierbare Dinge kaufen als kurzlebige Wegwerfprodukte, appelliert die Organisation.

Global 2000 rät Zeit zu verschenken

Gerade im Hinblick auf die Weihnachtsgeschenke könne weniger durchaus mehr sein. "Aber diese Vorstellung ist in unserer Gesellschaft keine Selbstverständlichkeit. Ein mit Bedacht ausgewähltes Geschenk, wie eben gemeinsame Zeit, ist viel mehr wert als zig kurzlebige Wegwerfprodukte", gibt Lisa Kernegger, Ökologin und Nachhaltigkeits-Expertin bei Global 2000 zu bedenken. "Zeit ist in unserem hektischen Alltag sicher das höchste Gut. Warum verschenkt mal also nicht das Wertvollste, das man hat?"

(Quelle: SALZBURG24/APA)

Aufgerufen am 09.12.2019 um 04:05 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/kauf-nix-trotz-black-friday-nach-kaufrausch-droht-der-kater-79892263

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