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Mitgliedervotum

Rendi-Wagner bleibt SPÖ-Chefin

48-Jährige gestärkt nach Vertrauensfrage

Rendi-Wagner stellt sich ihren Parteimitgliedern
Pamela Rendi-Wagner bleibt SPÖ-Vorsitzende.

Die Flucht nach vorne hat sich ausgezahlt. Die Zustimmung von 71 Prozent bei der von ihr gegen das Partei-Establishment durchgezogenen Vertrauensfrage und vor allem die erstaunlich hohe Beteiligung von über 40 Prozent lassen SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner im Amt bleiben. Ob die Debatte um die bisher glücklose Parteivorsitzende damit dauerhaft beendet ist, bleibt abzuwarten.

Bis zu ihrer Kür zur ersten Frau an der Spitze der österreichischen Sozialdemokraten glich das Leben der ab Donnerstag 49-Jährigen einem stetigen Erfolgslauf, wie er gerne der Kreisky-Ära zugeschrieben wird. In der Gemeindebau-Anlage "Per Albin Hansson-Siedling" in Wien-Favoriten wuchs sie mit ihrem Mädchennamen Joy an der Seite ihrer alleinerziehenden Mutter in eher bescheidenen finanziellen Verhältnissen auf, durchlief erfolgreich die Schullaufbahn inklusive Matura an der selben AHS wie einige Jahre später Kanzler Sebastian Kurz, bewältigte im Eiltempo ein Medizinstudium, wurde beachtete Impfmedizinerin, später Spitzenbeamtin und bewies, verheiratet mit dem Diplomaten Michael Rendi, als Mutter zweier Töchter die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Keine Scheu im Kontakt mit dem Volk 

Als Christian Kern die damalige Generaldirektorin für die Öffentliche Gesundheit nach dem Tod von Sabine Oberhauser im Jahr 2017 an die Spitze des Gesundheitsministeriums holte, hielten das fast alle für einen Glücksgriff. Auch die rote Basis war angenehm überrascht, dass die bis dahin als freundlich-distanziert wahrgenommene Ärztin ganz und gar keine Scheu im Kontakt mit dem Volk hatte. Die SPÖ-Frauen, die anfangs wenig begeistert waren, dass nicht eine der ihren die Frauenagenden in der Regierung übernahm, waren schnell bekehrt. Heute sind sie die einzige nennenswerte Teilorganisation, auf die sich Rendi-Wagner zum allergrößten Teil tatsächlich verlassen kann.

Quereinsteigerin in Politik

Dass es die Quereinsteigerin nur 1,5 Jahren nach ihrem Parteieintritt im November 2018 gleich zur Vorsitzenden brachte, war für sie günstigen Umständen geschuldet. Als Christian Kern keine Lust mehr hatte, wollte sonst auch keiner so recht, nur die als ehrgeizig bekannte Rendi-Wagner zeigte auf und die Partei nahm es ohne viel Euphorie so hin, auch wenn die neue Chefin weder in ihrer kurzen Zeit als Ministerin noch als Abgeordnete allzu großen Eindruck hinterlassen hatte.

Was danach geschah, ist eine Art Lehrstück, wie schwierig es ist, ohne klassische Funktionärslaufbahn an der Spitze einer Partei zu reüssieren. Von Anfang an mangelte es Rendi-Wagner an loyalen Unterstützern bzw. an solchen, die in der SPÖ auch etwas zu sagen hatten. Die Vorsitzende behalf sich mit externen Beratern, in diversen Teilorganisationen machte sie sich rasch und teils nachhaltig Feinde. Zumindest machtstrategisch Geschick bewies sie, als sie Unterstützung bei der Zweiten Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) fand und den Gewerkschaftern deren Wünsche stets zum größten Teil erfüllte.

Historisches Wahldebakel

Den wieder gestiegenen Einfluss der anfangs besonders Rendi-Wagner-skeptischen Wiener Genossen konnte man am besten daran erkennen, dass der Bures-Vertraute Christian Deutsch zum allgemeinen Erstaunen zu Rendi-Wagners Wahlkampfleiter und später sogar Bundesgeschäftsführer wurde. Das schlimmste verhindern konnte er auch nicht. Die SPÖ konnte ihre Freude darüber, Sebastian Kurz (ÖVP) aus dem Amt gejagt zu haben, nicht lange genießen. Bei der Nationalratswahl im vergangenen Jahr gab es nach einem hektischen Wahlkampf mit einer gekünstelt wirkenden Spitzenkandidatin ein historisches Debakel. Dass sie am Wahlabend dem Parteivolk dann auch noch zurief, dass "die Richtung stimmt", hängt Rendi-Wagner bis heute nach.

Seit damals ist die Debatte um die Vorsitzende mal mehr, mal weniger öffentlich im Gang. Vergangenen Dezember begann sich sogar eine Revolte gegen Rendi-Wagner zusammenzubrauen, die sie mit Hilfe Wiens, des Burgenlands und der roten Gewerkschafter gerade noch einmal zu Fall brachte.

Rendi-Wagner bleibt SPÖ-Chefin

Spätestens da hatte wohl jeder in der Partei gemerkt, dass Rendi-Wagner gewaltiges Stehvermögen hat und trotz aller widriger Umstände nicht so rasch vorhat, in ihren angestammten Beruf zurückzukehren. Die Parteioberen im Februar mit der Vertrauensfrage zu düpieren und so die Basis zur Hilfe zu rufen, zeigt, dass sie mittlerweile auch das politische Ränkespiel verinnerlicht hat. Was noch immer fehlt, ist dagegen eine klare Themensetzung.

Bei der Mitgliederbefragung geholfen hat ihr möglicherweise auch die Coronakrise, die einerseits nicht unbedingt einen Wunsch nach politischen Querelen hervorbringt, andererseits Rendi-Wagner auch eine Rückkehr zu ihrem früheren Ich ermöglicht hat. Seit Wochen sind ihre Auftritte wieder deutlich souveräner, unschwer ist ihr anzumerken, dass sie sich auf trittsicherem Terrain fühlt. Diesen Schwung sollte Rendi-Wagner für die kommenden Monate mitnehmen, denn ausgestanden ist die Führungsdiskussion in der SPÖ auch nach dem Mitgliedervotum wohl noch lange nicht - zumindest solange die roten Umfragenpfeile weiter nur den Weg nach unten kennen.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 27.05.2020 um 01:01 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/pamela-rendi-wagner-bleibt-spoe-chefin-87189046

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