Jetzt Live
Startseite Salzburg
Übertourismus

Auf einen Salzburger kommen 12 Touristen

Wenn Gäste zur Plage werden

Tourismus, Touristen, Gäste, SB, Salzburg APA/BARBARA GINDL/Symbolbild
Für viele Salzburgerinnen und Salzburger sind die Touristen-Massen längst kein Segen mehr. (ARCHIVBILD)

Österreich zählt zu den tourismusintensivsten Ländern weltweit – mit knapp 150 Millionen Urlaubernächtigungen 2018 im Verhältnis zur relativ kleinen Bevölkerung. Der Übertourismus ist schwer in den Griff zu bekommen, wie auch eine Wifo-Analyse zeigt. In Salzburg wird er auch immer mehr als Plage wahrgenommen.

Sobald die Infrastruktur einer Destination – oder auch die Geduld der Einwohner – übermäßig strapaziert wird, spricht man von "Overtourism", von einem Zuviel an Tourismus. "Im Prinzip geht es darum, dass der Nutzen des Tourismus einem anderen Personenkreis zugutekommt als die Lasten des Tourismus, die sich auf die Bevölkerung vor Ort verteilen", sagte Tourismusexperte Oliver Fritz vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) im Gespräch mit der APA.

Den Salzburgern ging es im abgelaufenen Jahr mit 11,9 Touristen pro Einwohner ähnlich wie der Bevölkerung in Florenz (13,9), Lissabon (10,7) oder Amsterdam (10,0). In Wien kamen vier Urlauber auf einen Einwohner. Innerhalb von größeren Städten gibt es vielfach überlaufene Hotspots.

Neun Millionen Tagesgäste in Salzburg

Verschärfend hinzu kommt: Die rasche Zunahme der Zahl der Reisenden, die in einer Destination nächtigen, "dürfte mit einer mindestens ebenso hohen Steigerung der Zahl der Tagesgäste einhergehen", heißt es in einer Erhebung des Tourismusexperten, die er gemeinsam mit Karin Maier von der Universität Wien durchführte.

Statistisch gesicherte Daten zur Zahl der Tagesgäste liegen in der Regel nicht vor – für Salzburg würden rund neun Millionen pro Jahr kolportiert, für die 800-Seelen-Gemeinde Hallstatt gehe man von rund einer Million aus. Tagestouristen lassen wesentlich weniger Wertschöpfung in einer Stadt als Übernachtungsgäste, tragen also hauptsächlich zur Masse bei.

Betroffene definieren Übertourismus

Die Einheimischen haben mit dem Verkehr zu kämpfen, mit dem Müll, den die Besucher hinterlassen, und – in kleineren Gemeinden – mit den Urlaubern, die ihnen beim Fenster reinschauen. Doch auch die Touristen selbst mögen keine überlaufenen Urlaubsorte. "Es ist im Prinzip eine sehr subjektive Definition – sobald Betroffene sagen, es ist zu viel und sobald es als unangenehm empfunden wird, liegt Übertourismus vor", so der Wifo-Experte.

Authentizität droht verlorenzugehen

Unter dem Phänomen Übertourismus leidet aber nicht nur die Lebensqualität der ansässigen Bevölkerung in Form von steigenden Mieten, Beeinträchtigungen im Alltag oder Umweltverschmutzung, sondern auch der Tourist selbst – die lokale Infrastruktur und die Sehenswürdigkeiten sind überlastet. Die Authentizität und das Flair einer Destination drohen verlorenzugehen. Gleichzeitig bringt der Tourismus freilich Einkommens- und Beschäftigungsmöglichkeiten vor Ort.

"Die Frage ist, wo ist der Gleichgewichtspunkt", betonte Fritz. Eine Verteuerung bestimmter Leistungen zur Eindämmung der Besucherzahlen hält er für "problematisch". Bei einer Anhebung der Eintrittspreise von Sehenswürdigkeiten würden beispielsweise weniger wohlhabende Menschen ausgeschlossen. "Die Möglichkeiten einer Destination, die Besucherzahl zu regulieren, sind begrenzt", so die Wirtschaftsforscher. Dazu beitragen könnten eine Beschränkung der Betten- und Transportkapazitäten, ein Zurückfahren der Bewerbung, Preismaßnahmen wie etwa die Verteuerung von Eintritten oder von Anlagestellen für Kreuzfahrtschiffe.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 17.05.2021 um 05:20 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/overtourism-11-9-touristen-in-salzburg-pro-einwohner-80460244

Kommentare

Mehr zum Thema