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Sonntags-Talk

Salzburger "Star-Wirt" auf dem Glockner

"Jeder der oben war, kommt nochmal"

Kaum einer kennt den Großglockner (Pinzgau) so gut wie Herbert Haslinger. Pünktlich zum Jahrestag der Erstbesteigung des höchsten Bergs Österreichs spricht der Salzburger mit uns im Sonntags-Talk über die Magie des Glockners, beschwerliche Zeiten und seinen größten Wünsche.

Zell am See, Niedernsill

Am 28. Juli also genau heute vor 219 Jahren, gelang im zweiten Anlauf die Erstbesteigung des Großglockners (3798 Meter hoch). Der in Zell am See (Pinzgau) geborene Herbert Haslinger (62 Jahre), besser bekannt als "Mankeiwirt" (Mankei steht für Murmeltier), fand 1536 Höhenmetern unter dem Gipfel im Gasthof Fuscherlacke seine zweite Heimat.

SALZBURG24: Herbert, dich hat es vom kleinen Zell am See auf den mächtigen Großglockner verschlagen. Wie kam es dazu?

HERBERT HASLINGER: Als Kind einer elfköpfigen Familie fing ich bereits sehr früh an mein eigenes Geld zu verdienen. Mit 12 Jahren jobbte ich nach der Erlaubnis meiner Eltern in den Sommerferien am Fuschertörl der Hochalpenstraße. Mir machte die Gastronomie immer sehr viel Spaß und die Aussicht vom Dach Österreichs verschönerte das Erlebnis um ein Vielfaches. Mit einer Sonderbewilligung durfte ich sogar die damals noch nicht vorhandene Doppel-Lehre als Koch-Kellner absolvieren. Ich war – mit Ausnahme meines Grundwehrdienstes – bislang jeden Sommer auf dem Großglockner.

Und die Leidenschaft hat dich danach nie losgelassen?

Das kann man wohl so sagen. Vor 29 Jahren habe ich dann die durch einen Brand zerstörte Fuscherlake gekauft und mithilfe meines Bruder wieder aufgebaut. Anfangs war es brutal schwer, wir sind ins kalte Wasser geworfen worden. Mit meiner schwedischen Frau Helen, die damals Zimmermädchen beim Nachbarsbetrieb war, bauten wir das Gasthof neu auf. Es häuften sich die Schulden und wir arbeiteten im Winter nach sieben Monaten am Berg trotzdem durch. Nichts war uns zu schade, wir stellten am Wochenende sogar die Zeitungsständer auf.

Gasthof Fuscherlake, Mankeiwirt Gasthof Fuscherlake
Herbert Haslinger und seine Frau Helen mit ihren geliebten Murmeltieren.

Also ist das Gastgewerbe dort oben ein hartes Pflaster?

Auf jeden Fall. Ich bin von 6 bis 22 Uhr fast durchgehend im Einsatz. Bis auf einen kleinen Spaziergang mit meinem Hund rund um den See bleibt nicht viel Freizeit. Zeit, nach der ich mich in meinem Alter immer mehr sehne. Hinzu kommt, dass uns das österreichische Steuersystem das Leben nicht leicht macht. Im Gegenteil: Es laugt uns aus. Ich habe heuer verzweifelt nach Mitarbeitern gesucht, ehe sich quasi im letzten Moment zwei Kellner für diesen Sommer bereit erklärt haben.

Wie bist du zu deinem Spitznamen Mankeiwirt gekommen?

Schon als Jugendlicher habe ich versucht, Kontakt zu den kleinen Mankei-Babys aufzubauen. Irgendwie gelang es mir das Vertrauen der verwaisten und verletzten Murmeltiere zu gewinnen und diese wieder aufzupäppeln. Ich trug die Jungen unter meinem Hemd und baute so eine Bindung zu den Tieren auf. Das bekamen die Leute mit und nannten mich von da an Mankeiwirt. Das zieht sich bis heute wie ein roter Faden. Heutzutage kennt man mich nur noch unter diesem Spitznamen. Es besuchen uns Gäste teilweise nur wegen der Mankeis.

Die innige Freundschaft zu den Murmeltieren zieht also.

Und wie. Es fahren täglich acht bis elf Busse zu uns hoch. Ich wage zu behaupten, dass unser Gasthof eine Bereicherung der Großglockner Hochalpenstraße ist. Generell zieht der höchste Berg Österreichs immer mehr. Das bekommen wir deutlich zu spüren, auch wenn es nicht leicht war mit sieben Monaten harter Arbeit zu überleben.

Warst du selber schon mal am Gipfel?

Ja, zwei Mal. Es ist ein traumhaftes Erlebnis. Wer eine Auszeit braucht, sollte unbedingt einmal rauf. Der Berg hat so eine Kraft und man kann dort oben wunderbar Energie tanken. Jedoch darf man ihn nicht unterschätzen. Wir haben schon ein paar Bergsportler und Radfahrer gerettet, die in einen Schneesturm geraten sind und nicht mehr weiter wussten.

 

Wie kommst du abseits des Trubels zur Ruhe?

Generell genieße ich die Arbeit zwischen der traumhaften Kulisse. Vor allem wenn ich die Zufriedenheit der Gäste sehe, geht mir das Herz auf. Der Glockner hat eine ganz eigene Energie. Jeder der oben war, kommt nochmal. Wir haben Stammgäste, die seit 29 Jahren immer wieder zu uns fahren oder gehen. Einige sind nach einem Besuch enttäuscht, wenn sie die Mankeis nicht zu Gesicht bekommen. Das kann ich leider nicht immer garantieren.

Es gibt aber auch eine Kehrseite: Von Mai bis Oktober im Dauereinsatz zu sein nagt schon an unseren Kräften. Auch wenn ich mit meinem Geburtstag am 1. Jänner im Alter von 63 Jahren in Pension gehen kann, will ich kommende Saison zwei anstehende Jubiläen feiern. Da steht nämlich der 30-er im Gasthof Fuscherlacke und mein 50. Arbeitsjahr in der Gastronomie an.

Was folgt danach?

Ich will endlich einmal den Sommer mit all seinen Facetten erleben und genießen. Bislang sind wir mit unserem Wohnmobil nur im Winter Richtung Schweden und nach Italien an den Gardasee gereist. Ich sehne mich nun nach Sommerurlauben, auch wenn mir anfangs die Hitze sicher zu schaffen machen wird. Nun gilt es aber einen Nachfolger für den Gasthof zu finden. Das gestaltet sich allerdings schwieriger als erhofft. Das Arbeiten da oben ist eine ganz andere Welt.

Danke für das Gespräch und weiterhin viel Vergnügen mit den Mankeis. Ich wünsche dir alles Gute.

Auch ich bedanke mich. Servus!

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge via Mail.

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 27.06.2022 um 01:41 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/pinzgau/mankeiwirt-ein-salzburger-praegt-grossglockner-wie-kein-anderer-73944382

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