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Snow-Farming: Öko-Methode soll Schneebestände sichern

Mit Snow-Farming könnte die Abhängigkeit von Schneekanonen reduziert werden. APA/AFP
Mit Snow-Farming könnte die Abhängigkeit von Schneekanonen reduziert werden.

Snow-Farming ist eine nachhaltige Methode, um Schneebestände zu sichern. Saalbach-Hinterglemm ist in Salzburg ein Vorreiter. Aber wie geht das eigentlich? Wir haben uns das für euch angesehen.

In den vergangenen Jahren hat sich durch die immer wärmeren und zum Teil schneearmen Winter der Trend zum sogenannten Snow-Farming verstärkt. Dabei geht es um eine kostengünstige und chemiefreie Alternative zur Sicherung des Wintersaison-Beginns in Ski-Orten. Die Abdeckung eines am Ende eines Winters angelegten Schneedepots, das den Sommer überdauert, geschieht mithilfe von Holzspänen.

Snow-Farming in Saalbach-Hinterglemm

Formen des Snow-Farmings gibt es unter anderem in so manchem Gletscherskigebiet Tirols, in Kitzbühel, im Salzburger Saalbach-Hinterglemm sowie in der steirischen Ramsau. Dort wird seit 2013 "snowgefarmt". Über den vergangenen Sommer habe man rund 10.000 Kubikmeter alten Schnee in die Ramsau gebracht, sagte eine Sprecherin der Skiregion Ramsau-Dachstein der APA.

Der Schmelzverlust habe sich auf zwischen 20 und 30 Prozent belaufen. Neben 1,5 Kilometer Loipe wurde heuer erstmals mit dem Depotschnee auch die örtliche 98 Meter-Skisprungschanze erfolgreich präpariert. Allerdings verzögerte sich der dortige Betrieb wegen der extrem warmen Temperaturen im November, sodass die Schanze erst Ende (statt Anfang) November in Betrieb gehen konnte. Die Gesamtkosten für das Anlegen des Schneedepots über den vergangenen Sommer bezifferte die Sprecherin mit rund 10.000 Euro. Da die Methode sich "auf jeden Fall als wirtschaftlich" erwiesen habe, sei nun geplant, das Snow-Farming in der Ramsau zu erweitern - vorausgesetzt es schneie in diesem Winter genug.

Schnee wird über den Sommer gelagert

Längerfristige Erfahrungswerte gibt es bereits aus Finnland und aus der Schweiz. Dort wird Snow-Farming bereits seit längerem in größerem Ausmaß angewendet. Dabei geht es um die Saisonsicherung sowohl auf ausgewählten Skipisten, Langlaufloipen und Sprungschanzen. Die Kosten für derartige Depots belaufen sich derzeit auf 50 bis 60 Euro pro angelegtem Kubikmeter Schnee.

Die Depots liefern bereits fertigen, verdichteten Schnee, der am Ende der vorigen Saison mit Schneekanonen oder allenfalls aus zu dieser Zeit gefallenem gesetzten Neuschnee hergestellt wurde, und am Beginn des nächsten Winters mithilfe von Pistengeräten und Baggern aufgetragen wird. Garantie für einen absolut termingerechten Eröffnung der Skisaison bringt aber auch das Snow-Farming nicht: Sind die Temperaturen im November oder Anfang Dezember zu hoch, hilft alles nichts.

Das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos hat vor sieben Jahren eine richtungsweisende Studie vorgelegt, derzufolge die Anlage von mit einer 30 bis 40 Zentimeter dicken Schicht aus Sägemehl oder Spänen abgedeckten Schneedepots sich im Vergleich zur Abdeckung mit Planen, die bisher hauptsächlich verwendete Methode, überlegen ist. Den vergleichsweise geringeren Schneeverlust bei der Sägespäne-Abdeckung - 20 bis 25 Prozent - führten die Forscher auf den effektiveren Strahlenschutz zurück. Das SLF berät sowohl Schweizer als auch internationale Wintersportgebiete, wie zum Beispiel das Südtiroler Martelltal.

Finnland als Vorreiter im Snow-Farming

Während in Österreich Snow-Farming noch eher punktuell und mit kleineren bis mittleren Depots im Ausmaß von 5.000 bis 10.000 Kubikmetern betrieben wird, gibt es in Finnland bereits Gebiete, wo bis zu zehn Mal größere Depots angelegt werden. Als Beispiel seien hier das lappländische Langlauf-Paradies Saariselkä oder das Skizentrum von Ruka genannt. In Finnland gibt es bereits eine Anzahl von auf Schnee-Management und Snow-Farming spezialisierte Firmen. Eine davon wird vom Pionier des modernen Snow-Farmings, Mikko Martikkainen, geführt.

Martikkainen begann bereits im Jahr 1983 mit der Sägespäne-Abdeckungsmethode zu experimentieren, Ende der 1990er-Jahre gelang ihm in Finnland der Durchbruch. Bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi waren sein und zwei weitere finnische Unternehmen federführend an der Sicherung der Wettbewerbe beteiligt. Dort standen bei der Eröffnung der Spiele insgesamt 450.000 Kubikmeter Depotschnee zur Verfügung - annähernd die Hälfte der für die Durchführung aller Bewerbe notwendigen Menge (1 Mio. Kubikmeter). Derzeit verhandeln die Finnen in Südkorea über die Anlage von Depots für die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang.

Methode wurde in Antike zur Kühlung verwendet

Die Wurzeln von Snow-Farming reichen, der gängigen neudeutschen Bezeichnung zum Trotz, bis weit in die Vergangenheit zurück. In Europa legte man spätestens in der Antike, in Griechenland und auch im alten Rom Eis- und Schneedepots an, die im Sommer zur Kühlung von Lebensmitteln, zur Klimatisierung von Räumlichkeiten und sogar zur Herstellung von Speise-Eis verwendet wurde. Als Abdeckung verwendete man damals allerdings Materialien wie Torf oder Erde.

Auch in Fernost wurden ähnliche Methoden angewandt. In Afghanistan ging es vorwiegend um die Bereitstellung von Trinkwasser-Reserven in Dürreperioden und in besonders heißen Sommern.

(APA)

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 22.11.2019 um 11:50 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/pinzgau/snow-farming-oeko-methode-soll-schneebestaende-sichern-50197603

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