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Zum Abschuss frei

Wolf im Großarltal darf getötet werden

WWF kritisiert Entnahme-Bescheid für "Problem-Tier"

Jener Wolf, der im Vorjahr im Pongau 24 Schafe gerissen haben soll, darf abgeschossen werden. Das geht aus einem Bescheid der Bezirkshauptmannschaft St. Johann hervor. Bei der Naturschutzorganisation WWF zeigt man sich darüber empört.

Großarl

Vor fast genau einem Jahr hat die Agrargemeinschaft Tofernalm in Großarl (Pongau) den Antrag auf Entnahme eines Wolfes gestellt (wir haben berichtet). Im Zeitraum zwischen 24. Juni und 15. Juli 2019 wurden insgesamt 24 Schafe getötet, zudem wurden vier verletzte und elf vermisste Schafe auf der Alm festgestellt. Nun hat die Bezirkshauptmannschaft St. Johann die jagdrechtliche Bewilligung zur Entnahme erteilt. Das Tier wird demnach zum Abschuss freigegeben. Die Jagd beginnt allerdings noch nicht. Der Bescheid kann innerhalb einer Frist von vier Wochen beeinsprucht werden.

 

Herdenschutzmaßnahmen "nicht durchführbar"

"Es war ein sehr komplexes Verfahren und mit dieser Entscheidung betreten wir Neuland in der Europäischen Union. Der Bescheiderlassung ging ein umfangreiches Ermittlungsverfahren voraus, mit Professor Dr. Klaus Hackländer konnte ein ausgewiesener Experte für Wildbiologie gewonnen werden", erläutert Bezirkshauptmann Harald Wimmer am Mittwoch in einer Aussendung des Landes Salzburg.

Geprüft wurden in dem Verfahren auch, ob Herdenschutzmaßnahmen sowie die Vertreibung möglich wären. Diese Ansätze seien allerdings "nicht durchführbar beziehungsweise würden nur mit 'intensivem' Personaleinsatz vielleicht eine Wirkung zeigen", heißt es in der Begründung.

Die Naturschutzorganisation WWF kritisiert den heute ausgestellten Bescheid zum Abschuss eines Wolfs in Salzburg als europarechtswidrigen Anschlag auf den Naturschutz. "Die Entscheidung der Behörde widerspricht in mehreren Punkten dem strengen europaweiten Schutz der Wölfe“, heißt es in dem Statement. „Daher werden wir den Abschussbescheid beim Landesverwaltungsgericht beeinspruchen. Diese Wildwest-Politik darf in Österreich keine Zukunft haben", sagt WWF-Wolfsexperte Christian Pichler.

WWF zum Wolf-Abschuss: "Völlig falscher Weg"

Aufgrund der fast ein Jahr zurückliegenden Anlassfälle für den Abschuss-Bescheid sei es laut WWF wahrscheinlich, dass hier ein durchstreifender Wolf zur Tötung freigegeben werde, der mit hoher Wahrscheinlichkeit längst weitergezogen sei. "Das zeigt die Absurdität und Widersprüchlichkeit des Vorgehens. Anstatt der Almwirtschaft langfristig zu helfen, dominiert Herdenschutz-Verweigerung. Das ist der völlig falsche Weg", kritisiert Pichler. "Der gezielte Einsatz eines fachgerechten und angemessen geförderten Herdenschutzes muss absolute Priorität haben. Davon kann in Salzburg aber nicht die Rede sein, weil das bisher nicht ausreichend versucht wurde", sagt der WWF-Wolfsexperte.

Es brauche zudem eine ausgewogene Beratung sowie unbürokratische und ausreichend dotierte Entschädigungslösungen für die Landwirtschaft.

Was ist ein Problemwolf?

Als Problemwolf wird laut der Definition des Managementplans vom Februar 2019 ein Wolf bezeichnet, der 25 Nutztiere innerhalb eines Monats trotz zumutbarer Schutzmaßnahmen oder in nicht schützbaren Bereichen tötet oder verletzt.

(Quelle: SALZBURG24)

"Die Wölfe werden auch heuer kommen"

Wolf, SB APA/AFP/Aris MESSINIS
(SYMBOLBILD)

Der Wolf hat im vergangenen Jahr zahlreiche Schafe und auch Rinder auf Salzburgs Almen gerissen. Jetzt werden wieder nach und nach die Tiere auf die Almen aufgetrieben, damit beginnt auch die ‚Saison‘ für die Beutegreifer.

„Das Land Salzburg ist gut vorbereitet und mit dem Managementplan haben die Behörden einen Leitfaden, wie bei Rissen vorzugehen ist. Damit sind wir österreichweit Vorreiter“, betont Landesrat Josef Schwaiger und ergänzt: „Wir unterstützen die Landwirte bestmöglich, um ihre Tiere zu schützen.“

Wolf, schwaiger, Wolfsbeauftragter Land Salzburg/Martin Wautischer
 „Wir unterstützten die Landwirte bestmöglich, um ihre Tiere zu schützen“, betont LR Josef Schwaiger. Hier im Bild mit dem Wolfsbeauftragten des Landes, Hubert Stock (links).

Zäune und GPS-Halsbänder für Schafe

Die österreichweit wegweisende Strategie umfasst das 5-Punkte-Aktionsprogramm sowie den Managementplan Wolf, um die traditionelle alpenländische Landwirtschaft zu schützen. „Die Bäuerinnen und Bauern werden bei Herdenschutzmaßnahmen mit Hilfe von Zäunen und GPS-Halsbändern für Schafe unterstützt. Dazu kommt noch die Entschädigung bei Rissen und ein Warnsystem, das in Kooperation mit dem Salzburger Landesverbandes für Schafe und Ziegen auf die Beine gestellt wurde“, fasst Landesrat Josef Schwaiger die Vorbereitungen zusammen.

Große Nachfrage nach Förderungen

Umfassende Information und die Beratung vor Ort sind ebenso Teil des 5-Punkte-Aktionsprogramms des Landes wie die Bestellung des Wolfsbeauftragten, die Intensivierung der Herdenschutzmaßnahmen, die effiziente Abwicklung von Entschädigungen, die Definition, was ein „Problemwolf“ ist, oder Verhandlungen über den Schutzstatus auf EU-Ebene. „Die Förderung für Herdenschutzmaßnahmen wurden auf 80 Prozent erhöht, dementsprechend ist die Nachfrage groß, ebenso bei den GPS-Halsbandsendern für Schafe, um eine rasche Warnung und Reaktion bei Wolfsangriffen zu ermöglichen“, sagt Landesrat Schwaiger und Wolfsbeauftragter Hubert Stock ergänzt: „Die Nachfrage nach Schutzzäunen ist heuer deutlich gestiegen, bereits 30.000 Euro hat das Land als Unterstützung zugesagt.“

Wolfsangriffe auf heimischen Almen

Hubert Stock rechnet auf die kommende Weidesaison mit Wolfsangriffen auf den heimischen Almen: „Vor allem in Tirol und Osttirol sind heuer bereits einige Wolfrisse passiert. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Tiere auch heuer wieder nach Salzburg kommen. Jetzt ist die Zeit, in der sie zu wandern beginnen und Herdenschutzmaßnahmen, die vor allem im Hofbereich Sinn machen, sollten jetzt umgesetzt werden“, so der Wolfsbeauftragte, der den Bäuerinnen und Bauern weiterhin für Beratung zum Thema Wolf zur Verfügung steht.

Aufgerufen am 13.07.2020 um 10:47 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/pongau/wolf-im-grossarltal-darf-getoetet-werden-kritik-vom-wwf-88999354

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