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Nach erschreckendem Vorfall

Salzburgs Maßnahmen für Tiertransporte

Letzte Woche berichtete der Verein gegen Tierfabriken (VGT) von einem Tiertransport, bei dem die Richtlinien nicht eingehalten wurden und Kälber 22 Stunden ohne Pause von Salzburg nach Spanien gekarrt wurden. Mit einem neuen Paket an Maßnahmen will Salzburg Vorreiter beim Tierschutz sein und Tiertransporte sicherer machen.

Der VGT dokumentierte einen Kälbertransport von Bergheim (Flachgau) nach Vic in der Nähe von Barcelona in Spanien. Dabei sollen die Ruhezeiten nicht eingehalten und die Kälber nicht entsprechend versorgt worden sein (SALZBURG24 berichtete).

Diesen Vorfall nahmen Land und Landwirtschaftskammer zum Anlass, um am Mittwoch ein Maßnahmenpaket zu präsentieren. Damit soll so gut als möglich sichergestellt werden, dass Langstrecken-Tiertransporte nicht unnötig zur Qual für die Tiere werden.

Nur mehr "Bauer zu Bauer"-Transporte

Agrar-Landesrat Josef Schwaiger betont, dass man sich mit dem Thema nicht erst seit letzter Woche beschäftige, sondern schon seit mehr als einem Jahr. Das Maßnahmen-Paket beinhaltet nun einerseits Schritte, die man im Bundesland selbst umsetzen wird. Andererseits stellt das Land auch Forderungen an die EU und den Bund.

Seit Montag gilt in Salzburg die Regelung, dass Tiertransporte in Bergheim (Flachgau) nur mehr dann abgefertigt werden, wenn die Adresse des Zielbauernhofs bekannt ist. Ein Transport von Bauer zu Bauer soll damit sichergestellt werden. "Es geht um unser Kapital, als Bauern sind das unsere Tiere", betont Schwaiger. Seit 2005 gibt es keine Schlachttransporte mehr aus Salzburg, sondern nur noch Lebendtransporte. Die Kälber werden in Mastbetriebe gebracht und dort großgezogen. Deshalb sei es im Interesse aller, dass die Tiere wohlbehalten an ihrer Destination ankommen, erläutert Tiertransportinspektor Manfred Pledl.

PK, Tiertransporte Land Salzburg/Melanie Hutter
Von Links: Tiertransporte Kontrolleur Manfred Pledl, Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP) und Präsident der Salzburger Landwirtschaftskammer Rupert Quehenberger.

Salzburg stellt Forderungen an Bund und EU

Jene zwei Inspektoren, die in Salzburg bereits Tag und Nacht Kontrollen durchführen, werden das auch weiterhin machen. Sie sind hauptsächlich an der Autobahn unterwegs. An die EU und den Bund stellt das Land folgende Forderungen:

  • LIVE-GPS-Daten der Transporte für die Behörden zugänglich machen
  • Transportrouten vor Abfahrt fixieren
  • Eine Datenbank für die tatsächlichen Fahrtstrecken
  • Das Mindestalter für Kälber erhöhen
Grafik, Tiertransporte Land Salzburg/APA

Mastbetrieb in Salzburg und Österreich etablieren

Übergeordnetes Ziel ist es, Langstrecken-Tiertransporte in Zukunft so weit es geht zu reduzieren. Landwirtschaftskammer-Präsident Rupert Quehenberger weist darauf hin, dass man dazu aber erst die Strukturen in Österreich schaffen müsse. Das heißt, der Mastbetrieb muss für die österreichischen Bauern wieder lukrativer und attraktiver werden. Derzeit werden Rind- und Kalbsfleisch in Österreich hauptsächlich von Weihnachten bis Ostern gegessen, dann bricht der Absatz massiv ein.

88.000 Kälber in Salzburg geboren

Bis zur Öffnung der Märkte rund um den EU-Beitritt hatte Österreich eine Mastbetrieb-Tradition, weiß Quehenberger: "Die wollen wir wiederbeleben. Den Bauern wäre es auch am liebsten, wenn die Kälber in Österreich und nicht in Spanien gemästet werden." Für die Bauern soll es deshalb eine Beratung durch die Landwirtschaftskammer geben. In Salzburg werden pro Jahr 88.000 Kälber geboren. Davon bleiben 37.000 im Bundesland und 30.000 in Österreich. 20.000 werden ins EU-Ausland transportiert, die Mehrheit nach Spanien, Italien und Polen. Quehenberger relativiert aber: "Man wird nicht alle Kälber, die in Salzburg geboren werden, hier halten können. Wir brauchen auch die anderen Absatzmärkte."

Mit einer eigenen Kennzeichnung "Österreichisches Kalb- und Rindfleisch" und der Einführung eines neuen Herkunftsnachweises "Salzburger Kalb- und Rindfleisch" will man die Konsumentinnen und Konsumenten, aber auch die Wirtinnen und Wirte motivieren, statt zum Fünf-Euro-Fleisch aus den Niederlanden zum Sieben-Euro-Fleisch aus Österreich zu greifen.

Weniger Tiertransporte in Salzburg

Insgesamt ist die Zahl der Tiertransporte von und durch Salzburg zurückgegangen. Inspektor Manfred Pledl schildert, dass bis 2005 20 bis 30 Transporte in der Woche abgefertigt wurden. Jetzt seien es nur mehr zwischen zwei und vier. Insgesamt wurden im letzten Jahr 104 Lkws kontrolliert, davon war bei keinem einzigen etwas zu beanstanden. Es liege im Interesse aller Beteiligten, dass die Tiere gut ankommen: "Nur 0,016 Prozent der Tiere kommen in einem schlechteren Zustand an, als bei der Abfahrt."

VGT kritisiert regionale Kälbermast

Der VGT begrüßt die Maßnahmen grundsätzlich, teilt man in einer Aussendung am Nachmittag mit. Allerdings würde die Bauer-zu-Bauer-Regelung schon länger existieren und damit nur bestehendes Recht endlich umgesetzt werden. Außerdem kritisiert die Tierschutz-Organisation, dass bei Transporten nach VIC die Sammelstelle als Bestimmungsort ausreichen würde. Kritisch sieht man den Vorschlag der regionalen Kälbermast: "Hier ist genau darauf zu achten, wie die Tiere gehalten und vor allem gefüttert werden. Tierleid im Ausland soll nicht durch Tierleid im Inland ersetzt werden."

LIVETICKER der Pressekonferenz zum Nachlesen

(Quelle: SALZBURG24)

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