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Der "Anschluss" in Salzburg

Viel Jubel in der Stadt Salzburg beim Anschluss an das Nazi-Deutschland. Stadtgemeinde Salzburg
Viel Jubel in der Stadt Salzburg beim Anschluss an das Nazi-Deutschland.

Österreich hat am Dienstag, dem 75. Jahrestag des sogenannten "Anschlusses" an Nazi-Deutschland, der Ereignisse des 12. März 1938 gedacht. In der Stadt Salzburg trafen Hitlers Truppen bereits am frühen Vormittag ein. Beeindruckende Bilder von damals zeigen die Ereignisse rund um den Anschluss.

In der Früh des 12. März 1938 überschritten Soldaten der deutschen Wehrmacht die Staatsgrenze und setzten damit den ersten Schritt zur Beseitigung der Selbstständigkeit Österreichs.

Hitlers Grußbotschaft über Salzburg

Am frühen Vormittag des 12. März trafen die ersten Panzerspitzen in der Stadt Salzburg ein. Um 10 Uhr 30 und 11 Uhr warfen Flugzeuge der deutschen Luftwaffe Flugzettel mit Grußbotschaft Hitlers über der Stadt ab. Die deutschen Truppen rückten unter dem brausenden Jubel der Bevölkerung in Salzburg ein. Große Mengen von NS-Fahnen und Armbinden waren mit Lastautos angeliefert worden und wurden an die Bevölkerung ausgegeben. Die Pressebilder Franz Kriegers, die am Nachmittag des 12. März aufgenommen wurden, zeigen die deutschen Truppen auf der Staatsbrücke und am Platzl, neuralgischen Punkten, an denen besonders viele Menschen zusammengeströmt waren.

Nicht nur Jubel in der Bevölkerung

Es gab aber in der Bevölkerung nicht nur Jubel! Außer der großen Zahl an Begeisterten und jener, die sich darüber freuten, dass es kein Blutvergießen gegeben hatte, gab es Neugierige, die sich vom Jubel anstecken ließen. Andere wollten einfach sehen, wer – auch ihrer Verwandten und Nachbarn – nun als Nationalsozialisten mitmarschierten und wieder andere, wie Sozialisten und Kommunisten, verhielten sich zunächst ruhig. Die Anhänger und insbesondere Funktionäre des Ständestaates saßen betroffen zu Hause oder wanderten ins Gefängnis. Und den Mitgliedern der kleinen jüdischen Gemeinde drohten sofortige „Schutzhaft“, Beschlagnahme des Vermögens, Entlassung und Entzug der Erwerbsmöglichkeiten.

Gedenkfeiern in Österreich

Bundespräsident Heinz Fischer erklärte am Dienstag bei der Gedenkveranstaltung in der Hofburg, es habe in Österreich nicht nur Opfer, sondern auch Täter gegeben. Auch Österreicher seien "massiv" an NS-Verbrechen beteiligt gewesen, so der Bundespräsident.

Vorgeschichte bis zum Anschluss

Fischer verwies in seiner Rede auf die „Vorgeschichte“ bis zum "Anschluss". Zu Adolf Hitler erklärte der Bundespräsident: „Er konnte die Massen in hysterische Begeisterung versetzen, indem er ihren Nationalstolz missbrauchte. Er reduzierte die Arbeitslosigkeit durch Aufrüstung für einen Krieg. Er bediente tiefsitzende Vorurteile wie Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus.“ "Ein Volk, ein Reich, ein Führer", da hätten auch viele Österreicher dabei sein wollen „und schwenkten die Hakenkreuzfahne im Taumel falscher Hoffnungen“.

„Unzählige Täter im Dritten Reich“

 „Nur durch die Mitwirkung sehr vieler Fanatiker, Anhänger und Mitläufer des NS-Regimes und auch durch gezieltes Wegschauen konnte das totalitäre System aufgebaut werden“, erklärte der Bundespräsident. Die vielen Verbrechen des „Dritten Reiches“ hätten nicht begangen werden können ohne unzählige Täter - „größere, mittlere und kleinere Räder in der Maschinerie des NS-Staates“.

Es habe aber auch jene Menschen gegeben, die über die Ereignisse im März 1938 entsetzt waren und flüchteten, Suizid begingen oder in den Widerstand gingen. Der 12. März 1938 war ein „Tag der Katastrophe“ und auch ein „Tag der Schande“, so Fischer, der etwa den Organisationen von Opfern des NS-Regimes seinen Respekt bekundete.

Spitzen der Politik nahmen teil

Teilgenommen haben an der Gedenkveranstaltung die Spitzen der Republik, darunter Nationalratspräsidentin Barbara Prammer (S), der Zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer (V), die Bundesregierung mit Bundeskanzler Werner Faymann (S) und Vizekanzler Michael Spindelegger (V), die Klubobleute Josef Cap (S), Karlheinz Kopf (V) oder Eva Glawischnig (G). Ebenfalls im Großen Redoutensaal der Hofburg waren Alt-Kanzler Franz Vranitzky oder Seniorenbund-Obmann Andreas Khol.

Schon Dienstagfrüh legte Fischer gemeinsam mit Nationalratspräsidentin Prammer am Mahnmal gegen Krieg und Faschismus einen Kranz nieder. Als einen seiner ersten öffentlichen Auftritte legte auch der neue Verteidigungsminister Gerald Klug (S) mit der Führungsspitze des Bundesheeres einen Kranz im Weiheraum im äußeren Burgtor nieder.

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