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Mehrheits-Entscheid

NS-Straßennamen in Salzburg werden nicht umbenannt

13 Straßen bekommen Erläuterungstafeln

symb_ NS-Straßennamen APA/PRIVAT
Der Kulturausschuss des Salzburger Gemeinderats hat sich am Donnerstag mehrheitlich gegen die Umbenennung von Straßen mit NS-belasteten Namenspaten ausgesprochen. 

Mehrheitlich gegen die Umbenennung von Straßen mit NS-belasteten Namenspaten hat sich heute der Kulturausschuss des Salzburger Gemeinderats ausgesprochen. Es wird aber Erläuterungstafeln geben.

Anders als von Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) ursprünglich angedacht, bekommen nun aber jene 13 Straßen Erläuterungstafeln, die nach besonders gravierend mit dem NS-Regime verstrickten Persönlichkeiten benannt worden sind. Ursprünglich hatte das der Stadtchef nur in vier Fällen gewollt.

Straßenschild PRIVAT
Die Diskussion um die Straßen-Umbenennung ist für Bgm. Preuner vom Tisch.

Preuner schließt Straßen-Umbenennung aus

Eine Umbenennung von Straßennamen mit NS-Belastung schließt Salzburgs Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) aus.

Finale Abstimmung in Gemeinderatssitzung

Die finale Abstimmung erfolgt zwar erst in der Sitzung des Gemeinderats am 15. Dezember, alles andere als eine Mehrheit für den nun beschlossenen Weg wäre nach der Entscheidung heute eine Überraschung. Am Donnerstag blieben im Kulturausschuss sowohl die SPÖ, die bei fünf Straßen eine Umbenennung wollte, wie die grüne Bürgerliste, die bei allen 13 Straßen eine Umbenennung gefordert hatte, in der Minderheit. Sie wurden von ÖVP und FPÖ überstimmt. Alle anderen Fraktionen im Salzburger Gemeinderat haben im Ausschuss weder Sitz noch Stimmrecht.

Erläuterungstafeln für NS-Straßennamen einstimmig

Einstimmig angenommen wurde hingegen der Antrag auf Anbringung von Erläuterungstafeln in den 13 Fällen. Freilich hatte der Gemeinderat der Stadt Salzburg bereits im Jahr 2018 einem Amtsbericht zugestimmt, der auf Straßennamensschildern generell Zusatztafeln mit Hinweisen auf NS-belastete Namensgeber vorsah. Beschlossen wurde am Donnerstag auch, dass die Texte für die jeweilige Erläuterungstafel dem Kulturausschuss noch einmal vorgelegt werden.

Abschlussbericht im Juni präsentiert

Nach drei Jahren Arbeit war in der Stadt Salzburg Anfang Juni der 1.100 Seiten umfassende Abschlussbericht eines Historiker-Fachbeirats präsentiert worden. Die Kommission hat die Rollen von 66 "braunen" Straßennamenspaten penibel aufgearbeitet und in drei Klassen eingeteilt - je nachdem, wie stark diese mit dem NS-Regime verstrickt waren. Bei 13 Personen ("Kategorie 3") waren die Verbindungen zu den Nationalsozialisten so gravierend, dass die politischen Entscheidungsträger auch ein Umbenennung in Erwägung ziehen sollten, befand der Beirat.

Bei Personen in den beiden anderen Kategorien wurde hingegen ein Eintrag in den digitalen Stadtplan oder auf der NS-Homepage der Stadt Salzburg ("Kategorie 1") bzw. das zusätzliche Anbringen von Erläuterungstafeln ("Kategorie 2") vorgeschlagen. Weil die im digitalen Stadtplan abrufbaren Informationen über Straßennamen allerdings wenig bekannt und auch nicht benutzerfreundlich zugänglich sind, hat der Kulturausschuss heute auch beschlossen, den digitalen Stadtplan zu überarbeiten. Zudem soll die Verwendung von QR-Codes auf Straßennamensschildern geprüft werden, die dann zu einem entsprechenden Eintrag führen.

Prominente Namen: Von Herbert von Karajan bis Ferdinand Porsche

Unter den 13 stark belasteten Namenspaten finden sich auch sehr prominente Namen: etwa der des Dirigenten Herbert von Karajan, des Automobilkonstrukteurs Ferdinand Porsche, des Bildhauers Josef Thorak oder des Gründers des Salzburger Adventsingens, Tobias Reiser.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 29.05.2022 um 10:01 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/ns-strassennamen-in-salzburg-keine-umbenennungen-aber-zusatztafeln-113762476

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