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Salzburger Atemtrainerin im Sonntags-Talk: Wie bewusstes Atmen Körper, Geist und Seele verändert

Ohne dass wir es merken, atmen wir zwölf bis 15 Mal in einer Minute ein und aus – ununterbrochen. Der Atem begleitet uns über das gesamte Leben – von der Geburt bis zum Tod, vom ersten bis hin zum letzten Atemzug. Eine bewusste und tiefe Atmung beeinflusst nicht nur den Körper positiv, sie ist auch der Schlüssel zu einem tieferen Bewusstsein und größerem Wohlbefinden. Renate Eschenlohr (41) ist Atemtrainerin in Salzburg und hilft den Menschen dabei, ihren natürlichen Atemrhythmus – und damit ihr wahres Selbst – wiederzufinden. Im Sonntags-Talk mit SALZBURG24 spricht sie über ihre Arbeit, den Atem hinter dem Atmen und verrät ein paar sehr hilfreiche Übungen für den Alltag.

Atmen ist Leben, heißt es. Und auch, wenn es eigentlich ganz automatisch funktioniert, kann man viel dabei falsch machen. Warum wir meist falsch atmen und das richtige Atmen erst wieder lernen müssen, weiß Renate Eschenlohr. Sie ist seit sechs Jahren Atemtrainerin und beschäftigt sich schon seit dem Jahr 2004 mit dem Atmen an sich.

SALZBURG24: Renate, du bist Atemlehrerin. Warum muss der Atem eigentlich geschult werden? Wir tun es doch alle ganz automatisch.

RENATE ESCHENLOHR: Der Atem, so wie wir ihn kennen, begleitet uns über das gesamte Leben – von unserer Geburt bis zu unserem Tod, vom ersten bis hin zum letzten Atemzug. Wir atmen zirka 26.000 Mal pro Tag ein und aus. Und ich finde, wenn ich etwas in meinem Leben so oft mache, dann zahlt es sich aus, dass ich mich damit auseinandersetze. Die Art und Weise unserer Atmung hat große Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele. Durch eine gesunde, bewusste Atmung können wir unser ganzheitliches Wohlbefinden wesentlich beeinflussen.

Was ist richtige und was ist falsche Atmung?

Jeder von uns hat von Geburt an einen natürlichen Atemfluss, einen natürlichen Atemrhythmus – und das ist die gesunde Atmung, die ganz individuell ist. Doch aufgrund von Haltungsproblemen oder auch Erlebnissen aus der Kindheit wird unsere Atmung beeinflusst und der Rhythmus verändert sich im Laufe der Zeit. Konkret heißt das: Wenn wir beispielsweise Ängste in unserem Leben entwickeln – und Angst ist etwas, das sehr einengend ist – wird auch unsere Atmung enger. Oder eine flache Atmung kann ein Indiz dafür sein, dass ein Mensch innerlich Dauerstress hat. Sie atmen sehr hektisch und schnell und kommen so nie zu ihrem gesamten Atemvolumen, zu ihrer Energie zurück. Alles, was in irgendeiner Form eine Hemmung darstellt, ist eine falsche oder schlechte Atmung.

Wie wirkt sich eine gesunde Atmung konkret auf den Körper aus?

Körperlich passiert bei der Atmung Folgendes: Wenn wir einatmen, wird über die Lunge Sauerstoff zu den Zellen transportiert. Dort kommt es zu einem Stoffwechselvorgang, der Wärme erzeugt, also Energie. Über die Ausatmung atmen wir das CO2 wieder aus. Das heißt: Je tiefer wir atmen und je mehr wir wieder lernen unser gesamtes Atemvolumen auszunutzen, desto mehr Energie steht uns zur Verfügung. Der Körper wird besser durchblutet, die inneren Organe, der Magen-Darm-Bereich und unser Herz-Kreislauf-System funktionieren besser. Wir spüren mehr Kraft und Lebensfreude.

Können durch die bewusste Atmung auch seelische Probleme gelöst werden?

Ja. Weil uns die bewusste Atmung erlaubt in eine Verbindung mit uns selbst zu kommen, die ganz häufig in unserer Gesellschaft verloren gegangen ist. Bewusste Atmung bringt uns in die Präsenz, in die Aufmerksamkeit, in den Moment des Geschehens und wenn ich dort bleibe, dann kann ich wahrnehmen, was gerade in mir geschieht. Und wenn ich das wahrnehmen kann, dann kann ich dem Gefühl in mir auch erlauben da zu sein und muss es nicht mehr verdrängen. Dies ermöglich mir nicht mehr aus meinem Un-Bewusstsein zu reagieren, sondern bewusst zu entscheiden. So komme ich in meine Kraft zurück und bleibe im Fluss.

Wenn ich in den Atemprozess gehe – eine Methode dafür ist das verbundene Atmen, bei dem ich ohne Pause ein- und ausatme – gelingt es mir zu tieferen Gefühlslagen durchzudringen, die wir so in unserem Leben nicht wahrnehmen können. Das löst uns von vielen Prägungen aus der Vergangenheit, die uns auf verschiedenste Art und Weisen beeinflussen. Mit der Zeit lernen wir Meister unseres Lebens zu werden und aus unseren Wünschen heraus zu agieren.

Du hast die Methode des verbundenen Atmens angesprochen. Was genau ist das?

Die verbundene Atmung ist eine Methode neben vielen anderen, die Atemtrainer anwenden und sie funktioniert so: Unser normaler Atemrhythmus ist eine Einatmung, eine Ausatmung und nach der Ausatmung ist im Normalfall eine natürliche Pause. Dann kommt der Impuls wieder einzuatmen. Und diese Pause lässt man hier weg. Durch das verbundene Atmen wird unser Körper mit noch mehr Sauerstoff ausgefüllt und man gelangt in eine Gefühlstiefe und somit zu Erfahrungen, die manchmal viele Jahre zurückliegen und oft schon vergessen sind. Es erlaubt uns viel Energie in unseren Körper zu geben und uns sehr kraftvoll zu fühlen. Wenn man das über einen gewissen Zeitraum macht, gelangt man zu einem weiteren Aspekt: Der Atem hinter dem Atmen.

Was ist das?

Wenn ich eine Atemsitzung beginne, dann beginne ich meistens sehr bewusst, in einer gewissen Anstrengung. Das Atmen passiert dann immer noch mit meinem persönlichen Zutun. Wenn es gelingt, dich dem Atmen hinzugeben, erlebst du nach einiger Zeit eine Art innere Öffnung. Du wirst sozusagen geatmet. Das heißt, dein Körper weiß von allein, was er zu tun hat und du kannst in eine andere Bewusstseinsebene gehen. Viele Menschen nehmen das Überwinden dieser Schwelle körperlich als Kribbeln wahr, sie spüren eine Energie, die durch ihren Körper fließt oder nehmen eine leichte Elektrizität in ihrem Körper wahr.

Woher kommen die Atemtechniken, die du lehrst?

Der Atem wurde schon bei den Ägyptern, bei den Griechen oder im Hinduismus gelehrt. Die Wichtigkeit der Atmung ist schon vor vielen tausenden Jahren von vielen Gelehrten erkannt worden und natürlich haben sich daraus verschiedenste Atemschulen, Atemrichtungen und Atemtechniken entwickelt, die unterschiedliche Ansätze haben. Als Atemlehrerin ist es daher auch ganz wichtig, die verschiedenen Schulen zu kennen, um die richtige Atemtechnik ganz auf den Menschen abgestimmt einsetzen zu können. Jeder Mensch braucht ein bisschen etwas anderes.

Wird diese Form der Therapie oder Stressbewältigung hier gut angenommen oder wird das noch sehr in die esoterische Ecke geschoben?

Es wird super angenommen! Alle Menschen, die mit dem Atmen in Berührung kommen, sei es in Form einer Atemsitzung, einer prozessorientierten Sitzung, in Form von holotropem Atmen mit Musik oder Atemübungen, bei denen es um Körper, Bewegung und Atmen geht, zeigen immer wieder sehr großes Erstaunen. Sie sind überrascht darüber, was in uns passiert, wenn wir uns mit dem Atem beschäftigen. Und, abgesehen von vielen wissenschaftlichen Artikeln über die positive Wirkung des Atmens, weiß man, dass Atmung und Emotionalität zusammenhängen. Unser Körper ist nicht unabhängig von unserem Denken und unserer Atmung. Wir sind ganzheitliche Wesen. Der Atem beeinflusst auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene. Er ist quasi unsere Verbindung zu diesen Ebenen.

Du vertrittst in Salzburg den österreichischen Verein Atman. Was genau macht der Verein?

Der Verein Atman ist die Vereinigung der österreichischen Atemlehrer und wird geleitet von Dr. Wilfried Ehrmann. Wir bieten das Ausbildungsprogramm unter psychotherapeutischer Leitung zum professionellen Atemtrainer. Interessierte finden alle Informationen auf unserer Homepage.

Und wie lange braucht ein Mensch, um das ursprüngliche, gesunde Atmen wieder neu zu erlernen?

Du kannst in jeder Sekunde entscheiden, dass du deine Aufmerksamkeit jetzt auf das Ein- und Ausatmen bringst. Der Atem ist das Einfachste, das wir bei uns tragen. Am Anfang ist es hilfreich, sich nur hinzusetzen und dem Atem zu lauschen. Eine Minute nur zuhören, wie der Atem einfließt und wie er ausströmt. In dem Moment hat sich deine Wahrnehmung schon etwas verändert. Wir brauchen keine komplizierten Geräte oder Übungen. Er bringt uns ins Hier und Jetzt und lässt und eröffnet uns einen bewussteren Blickwinkel auf das Leben.

Hier zeigt uns Renate noch ein paar Atemübungen zur Entspannung oder zum Pushen. Viel Spaß!

Wir veröffentlichen jeden Sonntag ein Interview mit besonderen Menschen aus Salzburg – egal ob prominent oder nicht. Wir freuen uns über eure Vorschläge an: nicole.schuchter@salzburg24.at.

Aufgerufen am 19.03.2019 um 08:26 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/salzburger-atemtrainerin-im-sonntags-talk-wie-bewusstes-atmen-koerper-geist-und-seele-veraendert-57438415

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