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Wetter-Chaos in Österreich

Unwetter fordern fünf Tote in Kärnten und NÖ

Stromausfälle, gesperrte Straßen und Zugstrecken

Zwei Kinder wurden im kärntnerischen St. Andrä von einem Baum erschlagen. Sie wurden Opfer eines schweren Unwetters, das auch in Italien und Niederösterreich Menschenleben kostete. Und in Niederösterreich sind drei Wanderinnen durch einen umgestürzten Baum getötet worden.

Am St. Andräer See im Lavanttal (Bezirk Wolfsberg) sind am Donnerstagnachmittag durch umstürzende Bäume zwei Mädchen getötet worden. Die beiden Kinder im Alter von vier und acht Jahren stammen aus dem Bezirk Wolfsberg. 13 weitere Personen wurden verletzt, zwei davon schwer. Unter den Verletzten sind fünf Minderjährige, teilte Bezirkshauptmann Georg Fejan bei einem Pressegespräch am Abend mit. Das Kriseninterventionsteam war im Einsatz.

Unwetter rasch wieder weg

Das Unwetter, das im Lavanttal gewütet hatte, hatte sich am Abend bereits völlig verzogen, der Pressetermin fand sogar bei unbedecktem Himmel statt. Von dem, was wenige Stunden zuvor gegen 15.30 Uhr passiert war, zeugten aber noch abgerissene Blätter, geknickte Zweige - und umgestürzte Bäume. Vielleicht zehn Minuten hatte das Unwetter gedauert, und nur wenige Sekunden jene Böe, die Bäume umwarf. Im gesamten Ortsgebiet von St. Andrä und auch in der Freizeitanlage an dem kleinen Badesee.

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Zug-Chaos im Süden wirkt sich auf Salzburg aus

Ein Zug-Chaos in Teilen Kärntens und der Steiermark ist die Folge des gestrigen schweren Unwetters. Es sind weiterhin einige Strecken gesperrt. Züge werden mitunter über Salzburg umgeleitet.

Wind weht Rettungsschwimmer um

Wie es von der Wasserrettung hieß, habe man ein solches Elementarereignis in der Gegend noch nie erlebt: Rettungsschwimmer, die Badegäste vor dem urplötzlich aufziehenden Sturm warnen wollten, wurden regelrecht umgeweht, 50 Zentimeter hohe Wellen wurden verzeichnet. Und Bäume stürzten auf die Badbesucher.

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In der Steiermark waren zehntausende Haushalte aufgrund des Unwetters ohne Strom.

Wie es zum Wetter-Wahnsinn kam

Unwetter überraschten am Donnerstag Süd-Österreich und Teile Italiens. Es gab sogar mehrere Todesopfer zu beklagen. Doch wie kam es dazu und warum konnte man den Wetter-Wahnsinn nicht …

Zwei Mädchen sterben in St. Andrä

Die Folgen waren fatal: Für zwei einheimische Mädchen kam jede Hilfe zu spät. Feuerwehr und Rettung standen im Großeinsatz, das Rote Kreuz löste Bezirksalarm aus und bekam auch aus den umliegenden Bezirken sowie aus Klagenfurt Unterstützung. 13 Verletzte wurden in die Krankenhäuser gebracht, unter ihnen waren zwei Schwerverletzte. Das Gelände wurde von der Staatsanwaltschaft gesperrt und soll von einem Sachverständigen untersucht werden.

45 Sanitäterinnen und Sanitäter waren ebenso im Einsatz, wie 71 Mitglieder der Wasserrettung, Polizei und fünf Feuerwehren, die zwei Personen befreiten, die unter Bäumen eingeklemmt waren. Eine prophylaktische Suchaktion im See - am Ufer war Kleidung gefunden worden, die zuerst niemandem zugeordnet werden konnte - wurde ohne Ergebnis beendet.

Wir sind gerade für sie im Einsatz ???? 15:34????

Gepostet von Feuerwehr St.Andrä im Lavanttal - diewehr.at am Donnerstag, 18. August 2022

Drei tote Wanderinnen in Niederösterreich

In Gaming (Bezirk Scheibbs) sind am späten Donnerstagnachmittag während eines Unwetters drei Wanderinnen durch einen umgestürzten Baum getötet worden. Die Opfer waren nach Polizeiangaben 52, 57 und 58 Jahre alt. Sie stammten aus den Bezirken Melk in Niederösterreich und Kirchdorf in Oberösterreich. Zwei weitere Frauen blieben unverletzt.

Laut dem Polizeisprecher war kurz vor 18.00 Uhr ein Notruf aus dem Bereich Holzhüttenboden wegen umgestürzter Bäume eingegangen. Auch von verletzten Personen war die Rede. Polizei, Rettungsteams zu Boden sowie Notarzthubschrauber rückten aus. Gegen 18.45 Uhr stand Baumschlager zufolge fest, dass drei Menschen ums Leben gekommen waren.

Probleme auf Straßen wegen Unwetter

Unwetter hatten am Donnerstagnachmittag bereits zu Problemen auf Straßen in Kärnten und der Steiermark geführt: Sturmböen warfen Bäume um, sie blockierten an mehreren Stellen die Autobahnen A2 und A9. Besonders betroffen war der Osten Kärntens und der obersteirische Bezirk Liezen, hier standen die Feuerwehren am frühen Abend noch im Einsatz.

Bäume fallen auf Südautobahn

Bei Griffen (Bezirk Völkermarkt) stürzten gleich mehrere Bäume auf die Südautobahn (A2) in Richtung Italien. Der Verkehr wurde deshalb bei Wolfsberg Süd von der Autobahn abgeleitet und floss über die Packer Straße (B70). Wegen umgestürzter Bäume gesperrt war auch die Auf- und Abfahrt Bad St. Leonhard nördlich von Wolfsberg, teilten Polizei und Asfinag mit. "Es sind zwischen Wolfsberg und Griffen sicher an die 30 Bäume umgestürzt", erklärte Autobahnmeister Robert Schrammel in einer Aussendung, "wir haben die Stämme im ersten Schritt mit einem Lkw und Schneepflug von der Fahrbahn geschoben." Im Anschluss werden die Bäume von den Feuerwehren so zerkleinert, dass sie von einem Holzunternehmen abtransportiert werden können.

Achtung, es herrscht weiterhin höchste Warnstufe in der Steiermark, in Leoben wurden soeben orkanartige Böen bis 117...

Gepostet von Österreichische Unwetterzentrale am Donnerstag, 18. August 2022

Unwetter wütet in der Steiermark

Laut Asfinag kam es auf der Südautobahn zu einem Stromausfall, weshalb die Tunnelkette Pack auf der A2 in beiden Richtungen gesperrt wurde. Betroffen war auch die Pyhrnautobahn (A9) in der Steiermark - Klauser Tunnel und die Tunnelkette Lainberg mussten gesperrt werden, meldete der ÖAMTC. Ein Baum stürzte bei der Mautstelle Gleinalm auf die Fahrbahn, die A9 war daher in Richtung Graz gesperrt. Der Verkehr wurde ab St. Michael über die Semmering Schnellstraße (S6) und die Brucker Schnellstraße (S35) umgeleitet. Auch zwischen Kalwang und Treglwang sorgen umgestürzte Bäume für eine Sperre in Richtung Norden/Voralpenkreuz.

Vor allem in der Obersteiermark sowie in der nördlichen Oststeiermark wurden zahlreiche Schäden an Stromleitungen gemeldet. Zwischenzeitlich waren um die 75.000 Haushalte ohne Strom. Am Abend waren rund ein Viertel aller steirischen Trafostationen außer Betrieb, hieß es seitens der Energie Steiermark Netze.

Zehntausende steirische Haushalte ohne Strom

Laut Urs Harnik-Lauris, Sprecher der Energie Steiermark, wurden alle Kräfte in den Einsatz gerufen und sogar Monteure aus dem Urlaub in den Dienst geholt. Neben Niedrigspannungsleitungen ist auch eine Hochspannungsleitung betroffen: In Fisching nahe Zeltweg wurde ein Strommasten einer 220-kV-Leitung, welche die Umspannwerke Obersielach und Hessenberg verbinden, beschädigt. Am Abend waren noch etwa 65.000 Haushalte ohne Strom.

"Das Ausmaß der Schäden ist enorm", so Harnik-Lauris im APA-Gespräch. Lediglich die Bezirke Hartberg-Fürstenfeld und Südoststeiermark blieben weitgehend verschont. In den vergangenen zehn Jahren habe es keine solche Schäden gegeben - vor allem nicht in so einem großen Raum. Das Ausmaß sei durchaus mit Sturmtief "Paula" 2008 zu vergleichen. Ein Blackout sei die Situation übrigens nicht, aber es handelt sich um eine "großflächige Störung" im Energienetz, die nun sukzessive behoben werde. Man will vor allem noch vor der Dunkelheit möglichst viele Schäden beseitigen.

Feuerwehren im Dauereinsatz

Im obersteirischen Bezirk Liezen meldeten die Feuerwehren ebenfalls zahlreiche Einsätze wegen Unwetterschäden: Bäume waren auf Straßen gestürzt und hatten die Verkehrswege blockiert, hieß es seitens des Bereichsfeuerwehrkommandos Liezen. Besonders heftig war das Unwetter im Gebiet zwischen Gröbming und Treglwang bzw. Admont, so die Feuerwehren. In Stainach sei ein Dach abgedeckt worden. Am Nachmittag standen vorerst rund 150 Männer und Frauen im Hilfseinsatz. Die Bereichswarnzentrale wurde aufgrund der hohen Anzahl an eingehenden Notrufen vorsorglich mit Disponenten nachbesetzt. Mit Stand 17.00 Uhr waren dann auch 21 Wehren des Bereiches Leoben im Unwettereinsatz.

Eine Orkanböe von 139 km/h wurde soeben in Neumarkt in der Steiermark im Zuge einer heftigen Gewitterlinie verzeichnet!...

Gepostet von Österreichische Unwetterzentrale am Donnerstag, 18. August 2022

In Spielberg im Bezirk Murtal musste die Eröffnungspressekonferenz zum MotoGP-Wochenende wegen eines Stromausfalls in Folge des Unwetters unterbrochen werden. Nach etwa 15 Minuten konnte sie aber fortgesetzt werden. Das Unwetter zog von der westlichen Obersteiermark weiter Richtung Osten und kündigte sich in Graz zunächst nur mit Sturmböen an.

ÖBB meldet Stromausfall

Die heftigen Unwetter haben am Donnerstagnachmittag die Stromversorgung und Bahninfrastruktur im Süden Österreichs schwer beschädigt. Die ÖBB stellten am Nachmittag den gesamten Bahnverkehr in Kärnten, Osttirol und der Steiermark ein. Ursache war ein großflächiger Ausfall der 110 kV-Bahnstromversorgung für den Bereich Kärnten und Steiermark, informierte die Bahn in einer Aussendung. Die Dauer der Unterbrechung war vorerst nicht absehbar.

Schienenverkehr ausgefallen

Laut Bahn kommt es in der betroffenen Region zu einem Ausfall des gesamten Schienenverkehrs. Auf der Strecke befindliche Züge wurden in den nächsten Bahnhof geführt. Ersatzverkehr ist nur eingeschränkt möglich. Ein Notfahrplan ist seitens der ÖBB in Ausarbeitung. Die Dauer der Sperre wird sich erst nach genauer Schadensbegutachtung im Laufe der nächsten Stunden prognostizieren lassen. Alle verfügbaren Mitarbeiter sind im Einsatz, versicherte die Bahn via Aussendung.

Bundespräsident spricht Mitgefühl aus

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat auf seinen Social Media-Seiten sein Mitgefühl mit den Betroffenen der schweren Unwetter in Österreich zum Ausdruck gebracht: "Teile Kärntens und der Steiermark sind von schweren Unwettern getroffen und mehrere Menschen dabei schwer verletzt worden. Eine unermessliche Tragödie ist, dass bei den Unwettern zwei Kinder gestorben sind. Das macht mich zutiefst betroffen. Meine Gedanken sind bei ihren Familien", schrieb der Präsident.

"Allen Rettungskräften, die mit Professionalität und Mut in diesen Tagen zur Stelle sind, danke ich für ihren Einsatz. Allen Menschen, die in Situationen wie diesen füreinander da sind, danke ich für ihre Solidarität", so Van der Bellen.

Camper bei MotoGP in Spielberg betroffen

Das Unwetter hat auch die MotoGP in Spielberg getroffen. Zahlreiche Zelte dürften durch die Sturmböen zerstört oder gar weggeweht worden sein. Der Tourismusverband Murtal hat eine Hotline für Camper, die nun kein Quartier haben, eingerichtet: 03577/26600.

"Gewitter sind ausgeschert"

Die ZAMG berichtete von Windspitzen deutlich über 100 Stundenkilometern in den betroffenen Gebieten. Zur Warnung vor solchen Unwettern grundsätzlich verwies der Experte auf die große Eigendynamik der Wetterereignisse mit "enormen Beschleunigungen". Dadurch und weil die bestehenden Prognosemodelle die Ausgangslage noch nicht exakt einschätzen könnten, könne es im Extremfall zu größeren Abweichungen kommen. Gewitterwarnungen hätten generell zwar für heute bestanden. "Die Gewitter sind aber ausgeschert", meinte der Meteorologe.

Aus St. Andrä im Lavanttal meldete die ZAMG Spitzen von 103 km/h, punktuell dürften aber wohl noch höhere Werte zu verzeichnen gewesen sein, meinte ein Meteorologe auf APA-Anfrage. Die Unwetter zogen von Kärnten weiter Richtung Steiermark, wo etwa bei Neumarkt Sturmspitzen von 139 Stundenkilometern registriert wurden. In St. Pölten wurde das Musikfestival Frequency aus Sicherheitsgründen unterbrochen, nahm aber später den Betrieb wieder auf.

(Quelle: APA)

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