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AK: Markenartikel in Salzburg eklatant teuerer als in Bayern

Zum zweiten Mal hat die AK-Konsumentenberatung einen speziellen Warenkorb mit Markenartikeln zwischen Freilassing und Salzburg verglichen.

Das Ergebnis ist so gut wie deckungsgleich mit jenem im Vorjahr: Idente Artikel sind in Salzburg bis zu 132 Prozent teurer als in Freilassing. „Diese Preisunterschiede sind skandalös“, so AK-Präsident Siegfried Pichler. „Wir fordern nach wie vor die Offenlegung der Kalkulation der großen Handelsketten.“ Warum ein und derselbe Eyeliner in Salzburg um 132 Prozent, eine Wimperntusche um 127 Prozent teurer ist als in Freilassing, ist nicht zu erklären. Ebenso wenig, warum eine Ferrero Kinderüberraschung um 67 Prozent teurer ist. Die AK-Konsumentenberater haben insgesamt die Preise von 128 Markenprodukten, die identisch in Freilassing und Salzburg auf dem Markt sind, wie bereits im Vorjahr erhoben. „Wir haben nicht gezielt auf Preisunterschiede geachtet, sondern darauf, dass die Marken hüben und drüben sicher verfügbar, bekannt und gängig sind“, erläutert der Marktexperte Stefan Göweil. Auch wurden die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze herausgerechnet.

Teure Körperpflege in Salzburg

Am eklatantesten sind die Preisunterschiede bei Produkten der Körperpflege: Die 51 erhobenen Waren sind in Salzburg im Schnitt um 62,55 Prozent teurer. Beispiel kleiner Frauen-Einkauf. Nivea Nachtcreme, L’Oreal Shampoo, Maybelline Jade Mascara und Make-up von L’Oreal: macht in Freilassing 22,40 Euro, in Salzburg 39,64 Euro (inkl. Mehrwertsteuer.) Kleiner Männer-Einkauf: Axe After Shave, Nivea Shampoo, Sensodyne Zahnpasta, Gillette Rasierer: macht in Freilassing 11,25 und in Salzburg 18,18 Euro.

Blaues Wunder Nivea

Alle zwölf Nivea-Artikel des Hamburger Konzerns Beiersdorf sind in Salzburg eklatant teurer: Die Cremedusche um 63 Prozent, das Deo Roll on um 99 Prozent – die übrigen liegen dazwischen. Wer diese zwölf Produkte in Freilassing erwirbt, zahlt im Mittelwert 25,22 Euro, in Salzburg satte 45,99 Euro. „Das ist eine Preispolitik, die keinem Konsumenten zu erklären ist“, sagt Pichler. „Bemerkenswert ist auch der Preisunterschied von Eigenmarken, wie Balea und Denk mit von dm“, sagt Göweil. „Die Differenz zwischen Freilassing und Salzburg beträgt immer noch 36 Prozent, im Vorjahr waren es 46 Prozent.“ Auch die Produkte im Müller Markt, den es nun auch in Salzburg gibt, sind hier um knapp 50 Prozent teurer.

Auch Lebens- und Reinigungsmittel teurer

Die 62 Lebensmittel-Markenartikel des Warenkorbs sind in Salzburg um 21,5 Prozent teurer. Spitzenreiter im erhobenen Sortiment sind Suchard express (129 Prozent teurer), McCain 123 Tiefkühl-Pommes frites (102 Prozent teurer), Haribo Primavera Erdbeeren (76 Prozent teurer), Ferrero Kinderüberraschung (67 Prozent teurer). Coca Cola ist um rund 30 Prozent teurer. Zott Sahne Joghurt und Müller Joghurt mit der Ecke sind um 50 bis 60 Prozent teurer, Wasa Knäckebrot Roggen kostet um 71 Prozent mehr. Die 15 Reinigungsmittel – von Ariel bis zur WC-Ente – sind in Salzburg um 41,3 Prozent teurer. Bei den Waschpulvern ist der Unterschied minimal; zwei Persilprodukte sind sogar etwas billiger. Dafür sind Swiffer-Staubtücher um 64 Prozent teurer und Wet-Tücher um 55 Prozent; Rei in der Tube um 59 Prozent, Vanish Oxi um 47 Prozent und Cillit Bang um 40 Prozent, um einige Beispiele zu nennen.

Vergleich 2011 – 2012

Seit dem Vorjahr sind die Lebensmittel im Warenkorb in Freilassing um 5,66 Prozent teurer geworden, in Salzburg um 7 Prozent. „Das ist die täglich erlebte Inflation, die die Konsumentinnen und Konsumenten spüren, und die etwa doppelt so hoch ist wie die statistische“, sagt Pichler. Die Preise für Kosmetik und Körperpflegeprodukte sind in Freilassing um 3,78 Prozent, in Salzburg um 2,28 Prozent gestiegen. Billiger geworden sind die Reinigungsmittel diesseits und jenseits der Grenze, nämlich um 16,29 Prozent in Freilassing und um 16,95 Prozent in Salzburg. „Erfreulich, aber ein schwacher Trost“ meint Pichler.

Reaktion auf Konsumentenbeschwerden

„Uns wird immer wieder vorgeworfen, die Konsumentinnen und Konsumenten zum Einkaufen in Bayern zu animieren“, sagt Pichler. „Das ist sicher nicht unsere Absicht. Aber bei diesen Preisunterschieden ist es kein Wunder, dass die Leute gern über die Grenze fahren. Und unsere Aufgabe als Interessenvertretung ist es, für faire Preise zu kämpfen.“ Auffallend ist auch, dass zwischen den beiden großen Handelsketten Rewe und Spar kaum nennenswerte Preisunterschiede sind. Von den 62 Lebensmitteln hatten 69 Prozent den gleichen Preis. „Das lässt vermuten, dass die angeblichen Preiskämpfe über wenige einzelne Produkte und Aktionen ausgetragen werden“, so Pichler, „Diese demonstrativen Preiskämpfe werden von vielen anderen, teureren Produkten quasi subventioniert.“ Die (teure) Markenware macht rund 70 Prozent des Gesamtsortiments aus. „Wir halten eine Branchenuntersuchung durch die Bundeswettbewerbsbehörde für längst überfällig“, so Pichler weiter.

Zur Erhebung

In Freilassing wurde erhoben in: Globus, Kaufland, dm und Müller Drogeriemarkt; in Salzburg: Interspar (Europark), Eurospar, Merkur Markt, Müller Drogeriemarkt, dm, BIPA. In den Warenkorb kamen 62 Lebensmittel, 51 Kosmetik- und Körperpflegeprodukte und 15 Reinigungsprodukte. Aktionspreise wurden nicht berücksichtigt. Der Vergleich wurde mehrwertsteuerbereinigt durchgeführt (Lebensmittel und bestimmte Getränke in Deutschland 7 Prozent, in Österreich 10 Prozent; Reinigung, Körperpflege und Alkohol in Deutschland 19 Prozent, in Österreich 20 Prozent). Auswahlkriterium war vor allem, dass die Produkte identisch, bekannt und sicher verfügbar waren.
(Quelle: S24)

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