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Vorfall in Salzburger Bar

So gefährlich sind K.O.-Tropfen

SB: K.O.-Tropfen, GABA, Benzo, APA/dpa/Nicolas Armer
Ketamin, Benzos oder GABA verbindet man mit K.O.-Tropfen. (SYMBOLBILD)

Einer jungen Salzburgerin sollen in der Vorwoche beeinträchtigende Substanzen in die Getränke gemischt worden sein. Anschließend wurde sie in einer Bar vergewaltigt. Der Fall wühlt auf. Wir haben uns deshalb bei einem Experten erkundigt, wie K.O.-Tropfen überhaupt wirken, ob man sie im Getränk bemerkt und wie sich der Tag danach anfühlt.

Die umgangssprachlich bezeichneten K.O.-Tropfen sind unterschiedliche Substanzen. Man unterscheidet einerseits zwischen Medikamenten aus der Apotheke, die gegen Vorlage eines Rezepts ausgehändigt werden und im weitesten Sinne Benzodiazepine, also Beruhigungsmitteln. "Bei einer höheren Dosierung haben diese 'Benzos' einen schlafanstoßenden Effekt", erklärt Primar Hannes Bacher, der sich bei der Salzburger Suchthilfe engagiert, im S24-Gespräch. "Manche rufen zudem Erinnerungsverlust und Gedächtnislücken hervor."

Bitterstoffe in Substanzen

Mittel wie Ketamin haben neben der beruhigenden auch eine schmerzlindernde Wirkung, weshalb sie nach wie vor im Notarztdienst eingesetzt werden. In Österreich werden diese Mittel ausschließlich in Tablettenform vertrieben. Bacher erklärt, dass solche Substanzen in flüssiger Form im Darknet angepriesen werden. Diese enthalten in der Regel aber einen Bitterstoff, der bewusst von der Pharma-Industrie beigemischt wurde. "Eine unbeabsichtigte Einnahme ist damit schwer, weil man es im Bier, Wein oder Cocktail rausschmeckt“, sagt der Mediziner.

Keine Gegenwehr bei sexuellen Handlungen

Das viel größere Problem seien sogenannte γ-Aminobuttersäuren (kurz: GABA). Neben der vielfältigen Herstellungsmöglichkeit enthalten sie üblicherweise keinen Bitterstoff. "Das macht sie besonders gefährlich", warnt Bacher. "GABA ist eine stark beruhigende Substanz, die in höherer Dosierung sowohl einen Gedächtnisverlust hervorruft, als auch die Gegenwehr bei sexuellen Handlungen herabsetzt bzw. ausschaltet."

Warum GABA und Co. so gefährlich sind

GABA kommt auch im menschlichen Körper vor, deshalb wird die Substanz sehr schnell abgebaut und kann einen Tag später nicht mehr nachgewiesen werden. Der Gegenspieler ist hierbei übrigens der bekannte Geschmacksverstärker Glutamat, der zu Erregung führt und Angst sowie Panik auslösen kann.

 

Die Wirkstoffe von Ketamin und der Benzos hingegen sind körperfremd und können länger nachgewiesen werden. Alle diese Substanzen können bei Einnahme über einen längeren Zeitraum zur Abhängigkeit führen.

K.O.-Tropfen: Atemstillstand als Folge

Grundsätzlich waren diese Substanzen dazu gedacht, dass sie ein Arzt zu spezifischen Einsatzzwecken anwendet und verabreicht. "Körpergröße und das Gewicht sind entscheidende Faktoren, eine Überdosierung passiert sehr schnell", so Bacher. Kreislaufkollapse bis zum Atemstillstand sind mögliche brandgefährliche Folgen des Konsums von K.O.-Tropfen.

Traumatisierung bei Betroffenen

Betroffene klagen am nächsten Tag über einen Erinnerungsverlust. Sexuelle Handlungen seien oftmals an Spermaspuren oder Blutungen zu erkennen, erklärt Bacher. "Das Schlimme ist die komplette Ungewissheit über das, was geschehen ist." Die anschließende Traumatisierung sei mindestens genauso belastend wie die eigentliche Tat.

Wie die Polizei auf S24-Anfrage berichtet, fallen K.O.-Tropfen in der Statistik unter Körperverletzung. Deswegen gebe es auch keine genauen Zahlen über Fälle in Salzburg.

(Quelle: SALZBURG24)

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