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"Es ist sehr, sehr ruhig"

Salzburgs Skigebiete schränken Angebot ein

Branchensprecher Egger über Situation auf den Bergen

Salzburgs Skigebiete haben im Corona-Winter bislang kein berauschendes Geschäft gemacht. Die Folge: Das Angebot wurde mittlerweile reduziert. Wir haben uns mit Seilbahn-Branchensprecher Erich Egger über die aktuelle Situation unterhalten.

Egger ist Geschäftsführer und Vorstand der Schmittenhöhebahn AG und Branchensprecher für die Seilbahnen in der Salzburger Wirtschaftskammer.

SALZBURG24: Wie ist die aktuelle Situation in Salzburgs Skigebieten?

ERICH EGGER: Vom 24. Dezember bis 10. Jänner war durch Schulferien, Tagesausflügler und Zweitwohnsitze einiges los in den Wintersportgebieten. Dennoch bedeutet das nur ein Fünftel der Auslastung des Vorjahres. Seit Montag bemerken wir aber einen deutlichen Rückgang, wir sind gerade in einem ordentlichen Jänner-Loch. Es ist sehr, sehr ruhig geworden.

Insbesondere in sozialen Netzwerken sorgen Bilder von überfüllten Liftstationen für Diskussionen. Zwei Minister drohten zuletzt sogar mit Liftsperren. Ist das eine verzerrte Wahrnehmung?

Man muss hier unbedingt zwischen den unterschiedlichen Skigebieten in Österreich differenzieren. Die Bilder von vollen Liftstationen sind oft in kleinen Skigebieten ohne größere touristische Kapazität entstanden – wie etwa am Semmering bei Wien oder in Gebieten nahe Innsbruck und Linz. Man darf sich nicht wundern, dass die Menschen aus den nahe gelegenen Ballungsräumen zum Ski- und Snowboardfahren kommen. Und die Skigebiete haben ja mit einer begrenzten Auslastung für Wintersportler reagiert. Außerdem ist die Kapazität von Gondeln halbiert, weshalb durchaus der Eindruck von Menschenmassen in diesen Skigebieten entstehen kann.

SB: Skifahren, Sessellift, Lift, Skilift, pixabay
(SYMBOLBILD)

Minister drohen mit Liftsperren

"Wenn notwendig, kann auch der Liftbetrieb eingestellt werden", erklärte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) in einer Mitteilung am Sonntag. Damit reagiert die Regierung auf die "katastrophalen Bilder …

Ein ganz anderes Bild zeigt sich im alpinen Zentralraum. Hier sind moderne Anlagen in großen touristischen Gebieten, wobei die Hotellerie bekanntlich nicht öffnen darf. Die Leere auf den Pisten und an den Liften ist sehr deprimierend. Immerhin gibt es an den Gondeln keine Wartezeiten. Ich lade jeden Minister herzlich ein, sich selbst ein Bild davon zu machen. Wir als Skigebiet bieten den Sportbegeisterten ein Angebot, verdienen aber aktuell nichts daran.

 

Ich halte es grundsätzlich für sehr gefährlich, dass etwa die diskutierte Schulöffnung oder der Kultur-Stillstand gegen die Skigebiete ausgespielt werden. Das führt zur Spaltung der Gesellschaft. Und das dürfen wir nicht zulassen.

Gibt es in Salzburg ein Skigebiet, das sein Angebot noch nicht reduziert hat?

Nein, das wäre in meinen Augen auch unsinnig. Fast alle Skigebiete haben auf ein deutliche kleineres Angebot umgestellt. Lofer und Rauris (beides Pinzgau, Anm.) bieten etwa nur noch einen Betrieb am Wochenende an, weil es sich unter der Woche nicht auszahlt. (Die Übersicht aller Skigebiete in Salzburg samt Betriebszeiten findet ihr HIER)

Können das alle überleben?

Diesen einen Winter wahrscheinlich schon. Die Eigentümer und natürlich auch Banken, bei denen Kredite für Investitionen der letzten Jahre aufgenommen wurden, entscheiden über die Schließung eines Skigebiets. Ich hoffe darauf, dass die Finanzinstitute Kreditstundungen anbieten und weiterhin einen kühlen Kopf bewahren.

Ist eine weitere Entwicklung abzuschätzen?

Das ist sehr schwierig. Ich denke schon, dass die Wintersportgebiete offen bleiben und hoffe auf ein Einsehen der Politik und Differenzierung zwischen den Skigebieten.

#sheskis Pink Ribbon, Obertauern SALZBURG24/Wurzer

"Sind weit weg von einer Vollauslastung"

Weitgehend leere Pisten, kaum Wartezeiten bei Gondeln und Sesseliften. Fünf Tage nach der Öffnung ziehen zwei Salzburger Skigebiete eine kurze Zwischenbilanz. Für Diskussionen sorgen derweil …

Wir haben auf den positiven Effekt der Corona-Impfung gesetzt, doch sind sehr enttäuscht von der nur beschwerlich anrollenden Impfkampagne. Die anhaltend hohen Infektionszahlen lassen derzeit auch kein Aufsperren der Hotels erwarten. Der Tourismus in Österreich wird die nächsten Monate stark leiden und vermutlich noch viele Opfer fordern. 

Vielen Dank für das Gespräch.

(Quelle: SALZBURG24)

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