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Höhepunkt im Faschingstreiben

"Das Wüdara ist ein Dampfkessel, der explodiert"

Sonntags-Talk mit Gschnas-Veranstalter Marc Holzmann

Mit dem Wüdara Gschnas und dem Salzburger Advent veranstaltet Marc Holzmann zwei sehr gegensätzliche Events in der Stadt Salzburg. Im Sonntags-Talk erzählt er uns, wieso die beliebte Faschingsveranstaltung einem "explodierenden Dampfkessel" gleicht, was die Herausforderung beim Salzburger Advent sind und erklärt, warum Fasching immer auch ein bisserl anrüchig ist.

Salzburg

Marc Holzmann übernahm die Agenden für beide Veranstaltungen vor einigen Jahren von seinem Vater und Mastermind Erich, der die Events im Jahr 1991 ins Leben rief. Gerade beim Salzburger Advent ist er dabei nicht nur als Veranstalter tätig, er schreibt auch selbst Theaterstücke und hat das Event-Geschäft von der Pike auf gelernt.

SALZBURG24: Herr Holzmann, der Advent ist vorbei, nun laufen wohl die Vorbereitungen für das diesjährige Wüdara Gschnas?

MARC HOLZMANN: Naja, wir sind eigentlich permanent im Advent. Heuer steht das 30-jährige Jubiläum an, die Vorbereitungen gehen also direkt über in den Salzburger Advent 2020.

Was ist geplant für 30 Jahre Salzburger Advent?

Wir bringen ein Jubiläumsprogramm mit den schönsten Musikstücken und Geschichten, die vorgelesen werden. Es gibt aber natürlich auch wieder ein neues Theaterstück, das ich schreibe. Gerade was das betrifft, habe ich aber erstmal den Kopf abgeschaltet, das brauche ich nun mal.

Der Salzburger Advent und das Wüdara Gschnas sind sehr gegensätzliche Veranstaltungen. Was macht den Reiz aus?

Es ist eben genau dieser Gegensatz. Das eine ist besinnlich, das andere lustig. Die Gemeinsamkeit der beiden Veranstaltungen ist aber, dass wir unseren Gästen ein schönes Erlebnis bieten wollen. Den Salzburger Advent macht das Besinnliche aus, das Wüdara Gschnas das Wilde, Lustige und Ausgelassene. Im Vordergrund stehen aber immer die Gäste.

Beide Events stellen sehr unterschiedliche Anforderungen an Sie. Wie schwierig ist es, ein Theaterstück zu schreiben?

Es ist eine ganz schwierige Geschichte, muss ich zugeben. Wir haben ja nun über die letzten 29 Jahre schon sehr viele Theaterstücke gehabt. Zudem gibt es sehr enge Grenzen, was überhaupt aufgeführt werden kann. Wir haben keine riesen Bühne, es muss also etwas ganz spezielles sein. Das Theaterstück muss zwei Akte haben, eine Botschaft vermitteln, es muss um Weihnachten gehen und Kinder sollten darin mitspielen – es gibt also viele Parameter, die man beachten muss.

Die Geschichten fliegen also nicht einfach so auf einen zu, teilweise sitze ich Wochen an meinem Schreibtisch und klopfe meinen Kopf gegen Tisch, weil mit nichts einfällt. Irgendwann macht es aber dann Klick, das kann auch mitten im Hochsommer sein. Dann fange ich an, mein Theaterstück zu schreiben. Da muss man dann auf einmal weihnachtlich und besinnlich sein, das ist mitunter ganz verrückt. Da bin ich schon am See draußen gesessen und habe das Theaterstück für Weihnachten geschrieben.

Ihr Vater hat den Salzburger Advent und das Wüdara Gschnas ins Leben gerufen. Wie schwierig war es für Sie, die Organisation zu übernehmen und in seine Fußstapfen zu treten?

Auf der einen Seite war es leicht, auf der anderen Seite sehr schwer. Leicht deswegen, weil ich von Anfang an dabei war. Bei meinem ersten Wüdara Gschnas war ich nicht einmal 20 Jahre alt. Beim Salzburger Advent hatte ich anfangs am Empfang gearbeitet, die Gäste begrüßt und verabschiedet, habe aufgebaut und im Regen Flyer in der Getreidegasse verteilt.

Ich habe auch die schwierigen Jahre gesehen. Nicht in der Verantwortung, habe aber dennoch mitbekommen, wie diese Veranstaltungen entstehen und immer größer werden. Ich habe das also von der Pike auf gelernt. Schwieriger wurde es dann, als ich die Verantwortung alleine über hatte. Man darf sie natürlich nicht in den Sand setzen, muss sie weiterführen und dabei eine eigene Handschrift einbringen. Es ist eine ganz diffizile Geschichte, da wir sehr viele Stammgäste haben, gerade beim Salzburger Advent. Die haben ein sehr feines Gespür und wollen den Advent genauso haben, wie immer. Vielleicht mit einer kleinen Abänderung. Man muss sich also sehr stark mit dem Publikum auseinandersetzen.

1X4A2458.jpg SALZBURG24/Wurzer
Beim "Vorverkaufsfestl" werden die begehrten Wüdara-Karten unter die Leute gebracht.

Ihr Vater hat zudem in einer Band gespielt. Sind auch Sie so umtriebig?

Es gibt auf der Welt nicht viele Leute, die Dinge umsetzen. Ideen zu haben ist schon nicht leicht, aber das Umsetzen ist das Schwierigste überhaupt. Und mein Vater ist so einer. Er geht seinen Weg und lässt sich davon nicht abbringen. Das sind herausstechende Eigenschaften, Macher-Qualitäten, die man nicht so oft findet. Jetzt bin ich in der glücklichen Lage gewesen, das mit zu erleben und auch zu lernen, ich habe es vielleicht nicht in dem ganzen Ausmaß, versuche aber dennoch, dass ich das hinbekomme. Es gibt immer Hürden, aber man muss einfach weitermachen.

Die Band meines Vater – "Les Marquis" – war ja dann auch mit ein Grund, das Wüdara Gschnas zu veranstalten. Die ersten Fans von damals haben das Gschnas besucht und Les Marquis haben am Wüdara gespielt. Es war damals also noch gewissermaßen ein Fan-Fest.

Auch das Wüdara Gschnas gibt es nun schon bald 30 Jahre lang. Was macht die Veranstaltung so besonders?

Es sind vor allem die Leute, die sich verkleiden. Und zwar so, dass man sie nicht mehr erkennt. Dadurch legen sie ein ganz anderes Verhalten an den Tag, sind ausgelassener und wilder. Somit hat das Wüdara Gschnas eine ganz eigene Atmosphäre, weil die Salzburger ja doch im Grunde ihres Herzen – wenn ich das mal verallgemeinern darf – nicht gerade die Party People schlechthin sind. Wenn man ihnen das aber einmal im Jahr ermöglicht, ist das wie ein Dampfkessel, der explodiert. Da wird alles herausgelassen. Und wenn noch nicht erkannt wird, geht es natürlich noch leichter. Das Wüdara ist also wie ein Ventil. Man kann sich treiben lassen und einfach mal die Sau rauslassen.

Das andere, was das Wüdara ausmacht, ist gute Musik. Das ist wohl eines der wichtigsten Elemente. Mein Vater als Musiker hat immer darauf geachtet, dass gute Bands gebucht werden. Das heißt, das Niveau, Essen, Musik und Deko müssen passen. Es muss ein Erlebnis sein, wenn man bei uns ist. Das ist jedes Jahr der Anspruch.

Jedes Jahr gibt es ein eigenes Motto zum Wüdara Gschnas, heuer ist es "Es lebe der Sport". Fallen Ihnen diese Themen leicht oder steckt da ähnlich viel Aufwand wie im Theaterstücks für den Advent dahinter?

Die Motto-Entscheidung ist mitunter ganz schwierig. Manchmal liegt sie auf der Hand, da geht es ganz schnell. Aber manchmal dauert es Wochen oder Monate. Wir führen dann eine Liste mit Vorschlägen, da kommen neue dazu, andere werden wieder verworfen. Ich höre mich auch bei Freunden um und frage, was sie davon halten. Wir müssen dabei auf unsere Gäste, die Wüdara, Rücksicht nehmen. Es darf also nicht zu ausgefallen sein, sodass man keinen riesen Aufwand betreiben muss, um sich zu verkleiden.

Recht spannend sind auch die handgemalten Wüdara-Plakate. Wie kommen die zustande?

Die macht seit vielen Jahren Ondrej Vanka. Er zeichnet den Wüdara. Ich rufe ihn jedes Jahr an und teile ihm das Motto mit. Dann sitzen wir am Telefon und schwadronieren darüber, was man denn so machen könnte und wie der Wüdara so ausschauen sollte. Dann zieht er sich zurück, einige Wochen später melde ich mich dann nochmals bei ihm und frage, wie es aussieht. Er schickt mir einen Entwurf, dann telefonieren wir wieder und verfeinern bis kurz bevor die Ladung in Druck geht. Der Wiedererkennungswert ist aber immer gegeben, man zieht dem Wüdara je nach Motto also etwas anderes an oder eher etwas aus.

Wir wünschen Euch einen guten Rutsch und ein tolles, gesundes und wüdes 2020! Wir freuen Euch dann spätestens am 22.02.2020 zum Wüdara-Gschnas wieder zu sehen!

Gepostet von Wüdara Gschnas am Dienstag, 31. Dezember 2019

Etwas ausziehen ist ein gutes Stichwort: Warum ist Fasching immer auch ein bisschen anrüchig?

Das passt zu dem was ich vorher gesagt habe: Die Leute verkleiden sich, werden also nicht mehr erkannt und lassen die Hemmungen, die sie im Kopf haben, fallen. Dann kommt natürlich der Alkohol dazu und es geht rund. Beim Wüdara Gschnas haben wir schon einiges erlebt, was das betrifft. Deswegen hat es auch den Ruf, ein sehr wildes Fest zu sein. Nun ist es nicht mehr ganz so wild, aber immer noch sexy. Aber ja, das gehört zum Fasching einfach dazu. Ist ja auch nicht verkehrt, solange alles im Rahmen ist.

Gibt es eine Wüdara-Auflage, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Es gibt einige, ganz besonders war aber es das 20-Jahr-Jubiläum in der Panzerhalle (2010, Anm.). Da war das ganze Areal noch etwas verfallen. Es gab aber eine riesige Halle, die uns vor einige Herausforderungen stellte. Am Abend des Wüdara Gschnas haben wir die Halle bis 23 Uhr versperrt gehabt. Die Gäste hielten sich davor im Disco-Bereich auf, viele glaubten wohl, dass das alles ist. Drinnen aber gab es Kristallluster, eine riesen Bühne, zudem haben wir mit einem Tischler die Logen hineingebaut und alles war mit Lichttapete ausgestattet – der Raum hat wirklich imposant ausgeschaut.

Als wir den Saal eröffnet haben, hat man gesehen, wie den Gästen vor lauter Staunen regelrecht die Kinnlade herunterfiel. Das ist mir in Erinnerung geblieben, weil es vom Aufwand her ein Wahnsinn war. Aber es hat sich gelohnt, allein deswegen, weil man die Salzburger einmal sprachlos erleben konnte. Wir drei – mein Vater, Herbert Eder (Mitveranstalter, Anm.) und ich – sind dagestanden, haben uns umarmt und Tränen in den Augen gehabt. Da ist uns wirklich das Herz aufgegangen. Das werde ich nicht vergessen.

Dazu muss ich aber auch sagen, dass man es nie allen recht machen kann. Das ist so die Lehre aus all den Jahren. Es gibt immer Leute, denen etwas nicht gefällt. Die sagen dir das auch, was für uns natürlich wichtig ist. Wir versuchen eben immer, uns zu verbessern.

Nächstes Jahr ist das 30-jährige Jubiläum des Wüdara Gschnas, gibt es dazu schon Überlegungen?

Nein, überhaupt nicht. Jetzt machen wir mal die heurige Auflage. Wir sagen immer, wir haben eh ein dreiviertel Jahr Zeit, das Neue zu planen. Letztendlich bekommen wir im Herbst immer Stress, aber offensichtlich brauchen wir den auch.

Haben Sie schon ein Faschings-Outfit für heuer?

Nein (lacht). Ich bin eher ein Verkleidungsmuffel. Aber da findet sich sicherlich etwas. Ich trainiere fleißig in Rif, damit ich für das Wüdara Gschnas fit bin. Ein Tennis-Outfit ist immer drinnen, nachdem ich Tennis spiele. Skifahren geht auch, allerdings ohne Skischuhe. Vielleicht aber wird es heuer so ein Ganzkörperanzug von den österreichischen Abfahrtsläufern, das kann ich mir vorstellen. Mal sehen.

Herr Holzmann, vielen Dank für das Gespräch.

Sehr gerne!

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 20.02.2020 um 07:51 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/stadt/wuedara-veranstalter-marc-holzmann-im-sonntags-talk-82085089

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