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Vegan-Schwerpunkt

Wie gesund ist pflanzliche Ernährung?

Salzburger Experten mit kontroversen Meinungen

Vegan, Burger, Fleischersatz, Symbolbild, Badge Wurzer/SALZBURG24
Vegane Ernährung spaltet die Meinungen. (SYMBOLBILD)

"Du bist, was du isst" lautet ein Sprichwort. Doch was passiert mit unserem Körper, wenn wir auf Fleisch, Eier und sämtliche tierische Produkte verzichten und uns ausschließlich vegan ernähren? Zwei Salzburger Ernährungsexperten im S24-Gespräch über Vor- und Nachteile von veganer Ernährung.

Maria Benedikt ist leitende Diätologin im Uniklinikum Salzburg. Die Expertin steht der rein pflanzlich Ernährung skeptisch gegenüber: "Wer sich auf eine vegane Kostform einlässt, muss darauf achten, dass einzelne, essentielle Nährstoffe in sehr geringer Form oder schlicht gar nicht aufgenommen werden." Betroffen seien das Vitamin B12, das in pflanzlichen Produkten kaum vorkommt, sowie Vitamin D. Achten müsse man auch auf Calcium, das besonders in Milchprodukten vorhanden ist. Einen Mangel könne es auch bei Omega-3-Fettsäuren, vor allem in Fisch enthalten, Eisen und Zink geben.

Salzburger Expertin sieht vegane Ernährung kritisch

"Die fehlenden Nährstoffe können durch Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden, um Mangelerscheinungen entgegenzuwirken. Wichtig ist auf jeden Fall, dass sich Veganerinnen und Veganer mit ihrer Ernährung richtig auseinandersetzen", so die Expertin.

Geschehe das nicht, könnte das im Alter eine Osteoporose hervorrufen, warnt Benedikt: "Es gibt leider auch diejenigen, die auf diesen Vegan-Trend aufspringen und sich nicht ausreichend damit auseinandersetzen. Hier muss man aufpassen, dass sie nicht in eine Essstörung hineinrutschen."

"Vegane Ernährung hat mehr Vor- als Nachteile"

Der Salzburger Lebensmittelwissenschaftler Kurt Schmidinger lebt selbst seit 20 Jahren vegan – und sieht die Sache naturgemäß anders: "Aus meiner Sicht bietet vegane Ernährung mehr Vor- als Nachteile. Man hat kein Nahrungscholesterin, weniger gesättigte Fettsäuren, dafür mehr Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und viele Vitamine sind in Pflanzen einfach dichter.“

Allerdings habe jede Ernährungsform ihre Stärken und Schwächen, räumt der in Wien lebende Salzburger ein: "Wer sich vegan ernährt, muss natürlich ein paar Nährstoffe im Auge behalten, aber das gibt es bei jeder Ernährung. Auch Menschen, die Mischkost konsumieren, können einen Vitamin-B12-Mangel erleiden."

Mangelerscheinungen als Risiko

Die Diätologin sieht deutlich größere Risiken einer veganen Ernährung – vor allem für eine Gruppe sei eine rein pflanzliche Ernährung gefährlich: "Schwangere und Stillende sollten sich nicht vegan ernähren. Wir haben hier schon schwerste Mangelerscheinungen gesehen, die bei Kindern irreversible neurologische Schäden hervorgerufen haben." Benedikt rät daher im Allgemeinen von einer rein veganen Ernährung ab.

Bei Schmidinger stößt diese Warnung indes auf Unverständnis: "Ich kann mir dieses Skepsis nur so erklären, dass man den Menschen nicht zutraut, dass sie bei der Ernährung auf gewisse Dinge, wie der Supplementierung von Vitamin B12, achten. Ernähre ich mich vernünftig vegan, funktioniert die Ernährungsform auch bei Schwangeren."

 

Studien mit konträren Ergebnissen

Der Lebensmittelwissenschaftler untermauert seine Sicht wissenschaftlich: „Es gibt verschiedene große Vergleichsstudien, wie die EPIC-Studie, die zeigen, dass Veganer und Vegetarier eine höhere Lebenserwartung haben und an gewissen Krankheiten seltener leiden, wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2, manche Formen von Krebs, dazu teilweise Autoimmunerkrankungen."

Benedikt weist indes darauf hin, dass valide Vergleichswerte noch fehlen würden: "Die vegane Kostform wird erst seit kurzer Zeit bei uns gelebt und viele ernähren sich nur kurzfristig vegan. Allerdings gibt es eine Studie aus Graz, laut der Veganerinnen und Veganer häufiger zum Arzt gehen und öfter Herz-Kreislauf-Probleme haben." Die Diätologin räumt ein, dass es in der Wissenschaft durchaus vorkomme, dass Studien zum selben Thema konträre Ergebnisse hervorbringen. 

Experten sind gleicher Meinung

In einem Punkt sind sich beide Experten einig: Wer Mischkost zu sich nimmt, muss aufpassen, dass er nicht zu viel Energie und ungesättigte Fettsäuren zu sich nimmt, andernfalls kann Übergewicht zum Thema werden. 

Die beste Ernährungsform?

Welche Ernährungsform empfehlen nun die beiden Experten? Schmidinger setzt auf Veganismus: "Es gibt die so genannte Form der Whole-Food-Plant-based Ernährung, die aus fünf Komponenten besteht: Gemüse, Obst, Vollkorn-Getreide-Produkte, Hülsenfrüchte sowie Nüsse und Samen. Natürlich gilt es, wie bei jeder anderen Ernährung auch, ein paar Nährstoffe im Auge zu behalten. Aber diese Art gilt als ideale Ernährungsform, da sie keinerlei Mangelerscheinungen hervorruft."

Benedikt empfiehlt indes eine bewusstere Form der Mischkost: "Als Flexitarier fährt man sicherlich am besten. Allerdings muss der Trend zu mehr Gemüse und bewussterem Fleischkonsum gehen. Gemüse soll nicht mehr als Beilage, sondern als Hauptspeise fungieren." Beim Fleischkonsum gelte es verstärkt auf die Qualität und Herkunft des Produkts zu achten, rät die Expertin: "Wir wissen, dass bei einer Massenproduktion von Fleisch Inhaltsstoffe, wie Antibiotika-Reststände, vorhanden sind, die für den menschlichen Körper nicht sehr günstig sind. Bei Fleisch gilt daher das Motto: Weniger ist mehr. Für eine optimale Ernährung sollte man drei- bis viermal in der Woche Fleisch essen, um so dem Körper genügend Eiweiß zuzuführen."

(Quelle: SALZBURG24)

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