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Coronavirus

133 Tote an einem Tag in der Lombardei

Ein Viertel von Italiens Bevölkerung in Quarantäne

Die Zahl der Coronavirus-Toten in Italien steigt rasant: Innerhalb eines Tages seien 133 Menschen der neuartigen Lungenkrankheit erlegen, teilten die Behörden am Sonntagabend in Rom mit. Allein in der Region Lombardei wurden seit Samstag 103 Tote registriert. Insgesamt starben 366 Menschen in Italien am Coronavirus. In Ägypten starb erstmals ein Deutscher. In Österreich sind 102 Fälle bestätigt.

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus hatte die italienische Regierung zuvor drakonische Maßnahmen beschlossen. Seit Sonntag sind ganze Regionen und Städten im Norden abgeriegelt, 16 Millionen Menschen sind betroffen. Sie dürfen die Gebiete bis zum 3. April nicht mehr verlassen. Die staatliche Fluglinie Alitalia stellte ihren kompletten Betrieb am großen Mailänder Flughafen Malpensa ein und reduzierte ihre Flüge von den Flughäfen Mailand-Linate und Venedig. Die italienische Regierung rief jedoch Touristen zum Verlassen der Quarantäne-Zonen auf. Laut dem Außenministerium in Wien halten sich in den sogenannten "Roten Zonen" einige Tausend Österreicher auf.

"Nationale Notlage" in Italien

"Wir stehen vor einer nationalen Notlage", betonte der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte. Von den Abriegelungen sind neben der Lombardei, dem wirtschaftlichen Herz Italiens, auch Städte wie Parma, Modena oder Padua betroffen. Alle Kinos, Theater, Museen, Sportclubs, Demonstrationen und viele andere Veranstaltungen müssen schließen oder fallen aus. Die Region Venetien und einige Bürgermeister der betroffenen Städte hielten das beschlossene Ein- und Ausreiseverbot für eine zu strenge Maßnahme. Mehrere Regionalpräsidenten suchten das Gespräch mit Conte.

In Süditalien versuchte man sich gegen das Coronavirus zu wappnen, indem Flug- und Bahngesellschaften und Autobahnbetreiber zur Meldung von Reisenden aufgerufen wurden. Ein am Samstagabend von Mailand abgefahrener Nachtzug traf in Salerno mit fünf Stunden Verspätung ein, nachdem er wiederholt zu Kontrollen angehalten wurde. Viele Süditaliener versuchten am Sonntag, aus der Lombardei nach Hause zu reisen.

Todesopfer älter als in China

Die italienischen Behörden versuchten indes, die rasant steigenden Opferzahlen zu relativieren. So wies der Leiter des obersten Gesundheitsinstituts Italiens, Silvio Brusaferro, darauf hin, dass die italienischen Coronavirus-Opfer älter seien als die chinesischen. 60 Prozent der Todesopfer in Italien seien älter als 80 Jahre. Die meisten Todesopfer ab 70 Jahre hätten an einer oder mehreren chronischen oder akuten Krankheiten gelitten, so Brusaferro. Er rief jüngere Italiener auf, Menschenansammlungen zu meiden, um sich und ältere Angehörige nicht anzustecken. "Jugendliche haben die Verantwortung, ihre Eltern und Großeltern zu schützen", sagte Brusaferro.

Zivilschutzchef Angelo Borelli sagte, das sich 650 Menschen auf der Intensivstation befänden, um 14 Prozent mehr als am Samstag. Während die Zahl der Coronavirus-Toten in Italien seit Samstag um 57 Prozent stieg, kletterte die Zahl der Neuinfizierten um 26 Prozent auf 6.387. Die Zahl der genesenen Patienten stieg um fünf Prozent auf 622.

Erstes Todesopfer aus Deutschland

Im ägyptischen Badeort Hurghada wurde unterdessen der erste Coronavirus-Todesfall Afrikas verbucht. Es handelt sich um einen 60-jährigen deutschen Touristen, der am Freitag mit Fieber in ein Spital gekommen und am Samstag positiv getestet worden war. Er war eine Woche zuvor aus Deutschland angereist. Dort stieg die Zahl der Coronavirus-Fälle am Wochenende deutlich von 800 auf 950. Die größte Steigerung der Fallzahl gab es in Bayern, von 67 auf 200.

In der Stadt Zerbst im Bundesland Sachsen-Anhalt ist am Sonntag das Krankenhaus gesperrt worden, weil dort ein mit dem Coronavirus infizierter Arzt arbeitete. Er sei vor einer Woche aus Südtirol zurückgekehrt und habe bis Freitag in dem Krankenhaus gearbeitet, hieß es. Gesundheitsminister Jens Spahn empfahl, alle Veranstaltungen ab 1.000 Besuchern abzusagen.

Slowakei schließt Unis

Großbritannien verbuchte den bisher stärksten Anstieg der Fallzahlen, von 209 auf 273 seit Samstag. Frankreich meldete bis Sonntag 1.126 Fälle, um 177 mehr als am Samstag. Die Zahl der Toten stieg von 16 auf 19. Der US-Staat Oregon rief den Notstand aus, nachdem sich die Zahl der Coronavirus-Fälle innerhalb eines Tages auf 14 verdoppelt hatte. Der Iran meldete am Sonntag einen Anstieg um 49 Todesfälle auf 194 innerhalb von 24 Stunden. Die nationale Fluggesellschaft Iran Air stoppte alle Flüge Richtung Europa.

In der Slowakei gaben die beiden größten Universitäten des Landes, die Comenius-Universität und die Slowakische Technische Universität, die Einstellung ihres Lehrbetriebs ab Montag bekannt. Die Maßnahme gelte zunächst für zwei Wochen, hieß es. Der Zoo der slowakischen Hauptstadt schloss seinen Primatenpavillon, um die dort untergebrachten Schimpansen und Orang-Utans vor einer Ansteckung zu schützen. Nachdem am Freitag der erste Fall bestätigt worden war, haben mittlerweile fünf Personen in der Slowakei das Coronavirus.

In Slowenien trat am Samstag ein Verbot von sämtlichen Hallenveranstaltungen mit mehr als 500 Besuchern in Kraft, nachdem sich das Coronavirus seit Mittwochabend rasant auf mittlerweile 16 Fälle ausgebreitet hatte. Damit ist auch die Austragung des Skiflug-WM in Planica und der Herren-Skirennen in Kranjska Gora fraglich geworden. Laut den Behörden wird eine Durchführung ohne Zuschauer erwogen. Ministerpräsident Marjan Sarec berief für Montag den Nationalen Sicherheitsrat ein.

Israel verhängt Einreiseverbote

Saudi-Arabien gab die Einstellung des Betriebs an allen Bildungseinrichtungen ab Montag bekannt. Bildungsminister Hamad al-Sheikh sagte, dass er die Einrichtung von "viruellen Schulen" angeordnet hatte. Am Sonntag ist die Zahl der Covid-19-Toten im Königreich um vier auf 19 gestiegen.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte am Sonntagabend, dass eine Ausweitung der seit Freitag geltenden Einreiseverbote auf Reisende aus allen Staaten erwogen werde. Die Entscheidung, ob alle Einreisenden einer zweiwöchigen Heimquarantäne unterworfen werden, werde am Montag getroffen, sagte er. Österreicher und Bürger von 14 weiteren Staaten kommen schon seit Freitag nur nach Israel, wenn sie sich danach zwei Wochen lang in Quarantäne begeben.

Alitalia stellt Flugbetrieb in Mailand-Malpensa ein

Die staatliche italienische Fluggesellschaft Alitalia stellt ab Montag den kompletten Flugbetrieb auf dem zweitgrößten Flughafen des Landes, Mailand-Malpensa, ein. Am Montagvormittag werde mit einer Maschine aus New York das letzte Alitalia-Flugzeug auf dem größten Flughafen der norditalienischen Wirtschaftsmetropole landen, hieß es. Alitalia reduzierte zugleich den Flugbetrieb auf dem kleineren Mailänder Flughafen Linate und jenem Venedigs. Von Linate werde es nur noch nationale Flüge geben. Internationale Destinationen werden nur noch über Rom erreicht werden können. Auch aus Venedig werde es nur noch wenige Verbindungen geben.

Den betroffenen Passagieren bietet die krisengeschüttelte Fluglinie eine kostenlose Umbuchung bzw. Stornierung an. Die Aussetzung der Flüge nach Mailand Malpensa ist ein schwerer Schlag für Alitalia, die seit Jahren auf der Suche nach einem Käufer ist. Die italienische Regierung hat diese Woche einen neuen Anlauf zum Verkauf der seit Jahren schwer verschuldeten Fluggesellschaft unternommen. Interessenten werden aufgerufen, bis zum 18. März ihr unverbindliches Angebot für die Airline einzureichen.

Coronavirus auf knapp 100 Länder ausgebreitet

Das neuartige Coronavirus, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslöst, hat sich mittlerweile auf fast 100 Länder ausgebreitet. Weltweit wurden mehr als 109.000 Infektionen und fast 3600 Todesfälle registriert.

In China, wo das neuartige Coronavirus im Dezember erstmals aufgetreten war, gab es die Hoffnung auf ein Ende der drastischen Quarantäne-Maßnahmen. Mit 44 Neuinfektionen war diese Zahl am Sonntag nach offiziellen Angaben erneut rückläufig. Mit 27 neuen Todesopfern - alle in Hubeis Hauptstadt Wuhan - meldete das Land die geringste Opferzahl seit mehr als einem Monat. Insgesamt starben damit in Festlandchina 3.097 Infizierte. Auch Südkorea verzeichnete einen Rückgang bei den Neuinfektionen. Am Sonntag wurden dort 272 neu Infizierte registriert, deutlich weniger als die bisher täglich rund 500 neuen Fälle.

(Quelle: Apa/Dpa)

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