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"Herz blutet"

Fans im Notstand – Lebenselixier verloren

Ohne Live-Sport kein Jubeljahr

Austria Salzburg, Fanmarsch FMT-Pictures/TA
Die Fans von Austria Salzburg sind derzeit zum Nichtstun verdammt.

Leere Stadien, eingeschränkter oder eingestellter Trainingsbetrieb und reduzierte soziale (Fan-) Interaktion – die Corona-Pandemie hat auch den Sport nachhaltig verändert. Die entstandenen Schäden sind vielschichtig. Wir haben uns diverse Fanszenen in Salzburg angesehen.

Salzburg

Bei sportlichen Großveranstaltungen blieben in den letzten fünf Monaten die Zuschauer komplett aus. Weder Wintersportfans, noch Fußball- oder Formel 1-Anhänger kommen derzeit voll auf ihre Kosten.

Die Folgen reichen vom wirtschaftlichen Existenzkampf im organisierten Bereich über reduziertes Leistungsvermögen der Protagonisten bis hin zum drohenden Wegfall des stärksten Rückhalts: jenen der Fans.

Fan-Leidenschaft: Alles nur für wenige Minuten

"SVAS – Tag und Nacht nur ein Gedanke", stand auf dem Transparent an der Tribüne im Max Aicher Stadion in Maxglan. Direkt dahinter: Die weiß-violetten Vereinsfarben des Salzburger Regionalligisten.

SVAS_Austria_Salzburg FMT-Pictures/KJ
Herzblut pur: Die Fans von Austria Salzburg mit einer klaren Botschaft.

Eine Choreographie, die von den Ultras des Klubs organisiert worden war. Etliche Stunden hatten die Austrianer mit der Organisation, den Entwürfen, dem Messen, Schneiden und Bemalen verbracht – alles nur für diese wenigen, zugegeben spektakulären Minuten vor dem Anpfiff.

Lebenselixier der Fans ging verloren

Das sollte mehr als nur die Unterstützung für eine Fußballmannschaft in der Corona-Pandemie signalisieren. Es war ein Liebesbeweis der Fans für ihren Verein, für ihre Stadt, ein Ausdruck der Freude und des Zugehörigkeitsgefühls – eine lebendiger Fankultur, die bei den Violetten eine so wichtige Rolle spielt.

 

Wir schrieben Samstag, den 08. August 2020: Austria Salzburg gewann vor damals 750 erlaubten Zuschauern mit 3:1 gegen Grödig. Es war übrigens einer der wenigen Möglichkeiten, dass der Autor dieser Zeilen ein Fußballspiel mit Fans besuchte. Die violett-weiße Wand zelebrierte knapp zwei Monate später ihren vorläufigen letzten Auftritt. Die Zeit des strikten Abstandhaltens wurde eingeläutet.

Anif, Austria Salzburg, Regionalliga Krugfoto
Mit allen Mitteln: Eine Desinfektions-Anlage in Anif sollte das Risiko einer Corona-Infektion verhindern.

"Die Pandemie hat die aktive Fanszene in Salzburg und überall in Österreich hart getroffen", sagte Stefan Schubert, Beirat im Fanwesen von Austria Salzburg im Gespräch mit S24. Für den 42-Jährigen kann kein allgemeines Stimmungsbild skizziert werden, jedoch scheint eines klar: "Bei uns allen fällt ein ganz essentieller Teil weg. Nämlich der Fußball als Lebenselixier", ergänzte Schubert.

Sportpsychologe: "Fans fühlen sich aufgeschmissen"

"Der Bereich, mit dem sich die Fans eine Selbstbestätigung holen, einen Ausgleich zum Alltag finden und auch Erfolgserlebnisse ausleben, geht komplett ab", erklärte Sportpsychologe Fabio Richlan auf SALZBURG24-Anfrage. "Viele Anhänger fühlen sich alleine gelassen und aufgeschmissen", betonte der 36-jährige Experte von der Universität Salzburg.

Die fehlenden sozialen Kontakte könnten sich laut Richlan negativ auf das mentale Wohlbefinden auswirken: "Es bieten sich aber auch Chancen, dass man selbst oder mit Experten reflektiert und andere Aspekte im Leben in den Vordergrund stellt, mit denen man sich definiert."

Emotionen stark vermisst

Mit der Rückkehr der Geisterpiele sehen sich die Fans von ihrem sozialen Leben abgeschnitten. "Es ist alles tot. Die ganzen Emotionen sind weg, das Mitfiebern und Analysieren sowie das Gesellige geht am Meisten ab", sagte Christian Klinger, Obmann des größten Salzburger Eishockey-Fansklubs, "Die Treuen".

Eishockey_Fan_Tribüne PRIVAT
Vor Corona: Der Fanklub "Die Treuen" feuerte bei Spielen der Eis-Bullen mit Obmann Christian Klinger (re.) ihre Hockey-Cracks an.

Weil die Zuschauerzahlen mit Fortdauer der Corona-Krise auf Null fielen, erleben derzeit Livestreams aus den Hallen und von Sportplätzen einen Boom. "Der Stadionbesuch kann aber nicht eins zu eins kompensiert werden. Es fehlen Gefühle wie Freude und Trauer", fügten Schubert und Klinger an.

"Herz blutet"

Ähnlich geht es Walter Schwaninger, dem Obmann der Ostblockbullen, wenn er ein Match vom Fußball-Meister Salzburg im TV konsumieren muss: "Mein Herz blutet, wenn ich das Spiel im leeren Stadion von daheim aus ansehen muss. Am meisten fehlen mir die Zusammenkünfte mit Freunden, wenn man seine Leidenschaft ausleben will."

FC Red Bull Salzburg, Fans GEPA/Red Bull
Auch die Fans von Red Bull Salzburg warten sehnsüchtig auf ihre Rückkehr.

Fankultur wird sich verändern

Eine Wiederbelebung des Amateursports ist momentan zwar utopisch, und selbst wenn die Fans zurückkehren – der Sport wird ein anderer sein. Teilweise zu beobachten war das bereits im Herbst: Personalisierte Tickets, festgelegte Ankunftszeiten, Abstand zwischen den Sitzplätzen, Gesichtsmasken, keine Jubeltrauben auf den Tribünen, keine Feierorgien nach dem Abpfiff. Das sind kaum Umstände, unter denen eine aktive Fankultur gedeihen kann.

Die Geisterspiele sind erträglich, auch wenn sie nicht immer Spaß machen. Gewinner in dieser schwierigen Zeit? Vor allem die Hoffnung, dass Fans bei einer Rückkehr in die Stadien das Bedürfnis versprühen, Verpasstes nachzuholen.

(Quelle: SALZBURG24)

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