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Prozess wegen Stefanitsch-Konkurs: Angeklagte beteuerten Unschuld

Salzburg – Trotz der Zahlungsunfähigkeit der Firma Stefanitsch sollen 535.400 Euro Honorare an eine Firmensanierungsgruppe geflossen sein. Der Prozess wurde vertagt.

Der Konkurs der Wurst- und Fleischfabrik Stefanitsch im Juni 2002 hatte heute, Montag, in Salzburg ein gerichtliches Nachspiel. Im Visier der Staatsanwaltschaft Salzburg standen vier Ex-Geschäftsführer, darunter Firmenerbe Robert Stefanitsch, sowie der Linzer Firmensanierer Anton Stumpf (Bild). Der Vorwurf lautet auf grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen, betrügerische Krida und Begünstigung von Gläubigern. Die Angeklagten beteuerten laut ihren Verteidigern ihre Unschuld. Der Prozess wird heute vertagt.Anton Stumpf, Geschäftsführer der Beratungsgruppe “Elias”, habe den finanziell schwer angeschlagenen Fleischerei-Betrieb aus Hallein im November 2000 um einen symbolischen Schilling übernommen und in seine Markenfleischer-Holding einverleibt. Ihm lastet die Anklagebehörde betrügerische Krida und grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen an. Der 53-jährige Unternehmer habe von Stefanitsch ungerechtfertigt 650.000 Euro netto zur Elias-Gruppe abgezweigt, im Zeitraum von Oktober 2000 bis April 2002 seien 535.400 Euro an diversen Honoraren an die Elias-Gruppe geflossen. Die Transferierung dieser enormen Summe habe zur Zahlungsunfähigkeit und zur späteren Gläubigerschädigung geführt, hieß es.

Robert Stefanitsch war heute nicht vor den Schöffensenat getreten. “Er befindet sich auf einem vor langer Zeit gebuchten Auslandsurlaub”, erklärte die Vorsitzende Richterin Lisa Bauer. Er wurde formell aus der Verhandlung ausgeschieden und wird nach seiner Rückkehr wieder einbezogen. Die Staatsanwaltschaft wirft nicht nur ihm, sondern auch dem Konsulenten Mario C. (60), dem Angestellten Reinhold P. (51) und der kaufmännischen Angestellten Elfriede St. (57) grobe fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen vor, Elfriede St. muss sich zudem noch wegen betrügerischer Krida verantworten. Sie alle waren von 2001 bis 2002 auch Geschäftsführer bei der Stefanitsch-Beteiligungs-GesmbH.

Die Wurstfabrik wurde 1935 gegründet und war bis 2000 ein Familienbetrieb. 38 Filialen waren an der Fleischerei-Kette angeschlossen. Bei der Eröffnung des Konkursverfahrens im Jahre 2003 betrug die Überschuldung der Stefanitsch-Beteiligungs-GesmbH rund 500.000 Euro, etwa 300 Dienstnehmer waren betroffen.

Laut Staatsanwalt Mathias Haidinger sei das Unternehmen im Jahr 1999 noch gut dagestanden, “doch dann ging es rapide bergab. Wir werden den Verlauf des Untergangs genau zu betrachten haben”, sagte er in Richtung Schöffen. Haidinger sprach von “fürstlichen Gehältern”, zur Sanierung sei ein Beratungsunternehmen beauftragt worden, “das horrende Kosten verursacht hat”. Als es dem Unternehmen schon sehr schlecht ging, sei noch eine Gewinnausschüttung in der Höhe von 109.000 Euro beschlossen worden.

Die Anwälte der vier anwesenden Angeklagten betonten hingegen, ihre Mandanten hätten keine kridaträchtigen Handlungen gesetzt. “Sie haben immer ihr Bestes für die Sanierung der Firma getan”, erklärte der Verteidiger von Elfriede St., Peter Lechenauer. “Alle haben sorgfältigst gearbeitet und Sanierungspläne gehabt.” Den inkriminierten Betrag von 535.400 Euro könne er nicht nachvollziehen. Die Anwälte kritisierten das Sachverständigen-Gutachten, das Mängel an der Befundaufnahme aufgewiesen habe. Der Prozess wird zur Einvernahme der Beschuldigten vertagt. Ein Termin steht noch nicht fest.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 08.05.2021 um 12:56 auf https://www.salzburg24.at/archiv/prozess-wegen-stefanitsch-konkurs-angeklagte-beteuerten-unschuld-59618650

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