Jetzt Live
Startseite Archiv
Archiv

Spiel der Woche Lost-Club-Special USK Danubia Salzburg

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in Salzburg drei von volksdeutschen Flüchtlingen gegründete Vereine. Während der SV Grödig mittlerweile sogar in der Ersten Liga spielt, sind die beiden anderen längst verschwunden. Einer davon war die Danubia….&nbsp&nbspBilanz_USK Danubia Salzburg [.pdf – 23KB]

Union Sport Klub Danubia SalzburgFarben: Blau-WeißDachverband: UnionApril 1948: gegründet als FC Union Danubia Salzburg-Lehen, 27. Juli 1948 offizielles Gründungsdatum (vereinspolizeiliche Genehmigung), Mai 1949: Umbenennung in USK Danubia Salzburg, 13. Jänner 1956 Beitritt von USC Viktoria Salzburg, 24. Juli 1957 Vereinsauflösung, 2. August 1957 Fusion mit FC Salzburg zu UFC Salzburg-DanubiaSportanlage: Sportplatz Lager Lehen

In der Stadt Salzburg gab es Ende der vierziger Jahre mehrere große Flüchtlingslager, in denen volksdeutsche Flüchtlinge untergebracht wurden. Mit dem Begriff Volksdeutsche wurden Personen mit deutscher Muttersprache bezeichnet, die außerhalb der Staaten mit deutscher Bevölkerungsmehrheit lebten. Dazu gehörten auch die deutschsprachigen Minderheiten auf dem Gebiet der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie (Jugoslawien, Ungarn, Tschechoslowakei und Rumänien).

Das Lager Lehen war ein Auffangbecken für heimatlos gewordene Donauschwaben, die hauptsächlich aus dem heutigen Serbien kamen. In Anlehnung an die Donau gaben sie ihrem Verein den latinisierten Namen Danubia. Schon damals hatte Österreich ein sehr ablehnendes Verhältnis zu seinen Flüchtlingen und so wurden auch der Danubia in den ersten Jahren einige Hindernisse in den Weg gelegt. Die Donauschwaben durften als Flüchtlinge selbst keinen Verein gründen, daher mussten für die Vereinsgründung Proponenten mit österreichischer Staatsbürgerschaft gefunden werden. Im Juli 1948 erfolgten die vereinspolizeiliche Genehmigung und der Beitritt zur Union, und am 14. April 1949 die Aufnahme in den SFV als Schutzverein. Die ersten Spieler des neuen Vereins waren u.a. Julius Schäfer, Josef Apellshoffer, Hans Eckert sowie Jakob Pfister, und auch der langjährige UFC-Obmann Helmut Schmidt schnürte seine ersten Fußballschuhe im Lager Lehen.

Nachdem die Danubia für die Meisterschaft 1949/50 genannt hatte, tauchten die nächsten Probleme auf. Da die Spieler als Ausländer galten, durfte Danubia, genauso wie Viktoria Salzburg und SV Grödig, nur außer Konkurrenz an der Meisterschaft teilnehmen. Von Seiten des SFV hieß es lapidar: „Die Teilnahme an der Meisterschaft 1949/50 ist wegen der im ÖFB-Regulativ enthaltenen Nichtösterreicher-Beschränkung nur möglich, wenn die erzielten Ergebnisse in der offiziellen Tabelle ohne Wertung bleiben.” Hinzu kam, dass der spätere Fusionspartner Union FC Salzburg in einem Schreiben an den FC Union Danubia feststellte, dass die beiden Vereinsnamen zu ähnlich seien. Im Mai 1949 einigte man sich daher darauf, dass die Danubia ab sofort als USK Danubia bezeichnet wird.

Das erste Spiel trug die Danubia im März 1948 gegen Mondsee aus und gewann mit 4:1. Am 28. März spielte sie in Oberndorf gegen den dortigen ATSV. Das Endergebnis ist unbekannt, aber ein Foto ist erhalten, auf dem beide Mannschaften zu sehen sind (links der ATSV, rechts die Danubia). Die Heimspiele trug der Verein auf dem Sportplatz im Lager Lehen aus. Dieser von Baracken umgebene Platz lag an der Salzach, ungefähr dort, wo heute der Sportplatz der HAK und die Stockbahn am Rande des Lehener Parks sind. Auf dem Foto vom August 1948 sind die Mannschaften von Danubia und SV Grödig zu sehen, im Hintergrund sind die Häuser am Mayburger Kai auf der anderen Salzach-Seite zu erkennen. Hauptmieter des Platzes war der ASV Blau-Weiß Salzburg, die Platzmiete betrug für die Danubia 10 Schilling monatlich.

Nachdem Danubia, genauso wie die beiden anderen volksdeutschen Vereine, am Ende der Saison 1949/50 in den vorderen Regionen der (inoffiziellen) Tabelle zu finden war, wurde der Verein im Sommer 1950 als ordentliches Mitglied in den SFV aufgenommen. In der Meisterschaft war die Danubia äußerst erfolgreich. Mit dem Meistertitel in der 1. Klasse B 1953 und dem Vizemeistertitel in der Landesklasse 1955 schaffte es der Verein bis in die Tauernliga. Im Landescup kam die Danubia hingegen nur zu einem einzigen Spiel. 1956 gab es am 13. Mai nach einem Freilos für die ersten 3 Runden in Runde 4 eine 1:3 Niederlage beim SV Kuchl.

Nachdem viele Volksdeutsche in Österreich keine Zukunft sahen (so verweigerte die Republik Österreich, in der Hoffnung die Flüchtlinge würden so entnervt das Land verlassen, über Jahre die Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft) und nach Deutschland oder in die USA auswanderten, wurden die Spielerdecken bei den volksdeutschen Vereinen immer geringer. Als erstes warf Viktoria Salzburg das Handtuch und beschloss in seiner Jahreshauptversammlung vom 7. Jänner 1956 seine Auflösung, wobei alle noch dem Verein angehörenden Spieler und Funktionäre am 13. Jänner geschlossen dem USK Danubia beitraten. Doch schon ein Jahr später wurde es auch dort eng. Zu Meisterschaftsspielen konnte der Verein teilweise nur mit 7 bis 8 Spielern antreten. Dazu kam, dass der Platz in Lehen nicht mehr benutzt werden durfte. Am 24. Juli 1957 endete mit der freiwilligen Selbstauflösung das Kapitel USK Danubia in Salzburg. Was vom Verein übrig blieb, trat dem mittlerweile FC Salzburg genannten UFC bei, der mit der Namensänderung in UFC Salzburg-Danubia immerhin noch an die donauschwäbische Vergangenheit erinnert.

(Quelle: S24)

Aufgerufen am 17.06.2019 um 04:43 auf https://www.salzburg24.at/archiv/spiel-der-woche-lost-club-special-usk-danubia-salzburg-59607007

Kommentare

Mehr zum Thema