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Traditionscafe Demel sperrt zu

Das vor sechs Jahren in der Salzburger Altstadt eröffnete Cafe Demel sperrt am kommenden Sonntag zu.

Do & Co-Chef Attila Dogudan nannte gegenüber Medien wirtschaftliche Gründe: Die Miete sei extrem hoch, das Cafe am Mozartplatz sei nur an den Wochenenden und während der Festspiele im Sommer profitabel gewesen. Das Wiener Cateringunternehmen Do & Co hat den Mietvertrag beim Versicherungskonzern Uniqa aber nicht gekündigt. Das Cafe soll in ein Veranstaltungslokal für Geschäftsessen und Firmenpräsentationen umfunktioniert werden.

Demel-Mitarbeiter bekommen neue Jobs

Dass die Miete erhöht worden sei, dementierte der Eigentümer des Hauses, die Uniqa, in einer Stellungnahme gegenüber der APA. "Entgegen Medienberichten gab es auch keine Erhöhung der Miete, abgesehen von der marktüblichen Indexanpassung auf Basis des Verbraucherpreisindex des Jahres 2000, die im Juli 2011 erfolgt ist. Zwischen Uniqa und dem Wiener Catering Do & Co besteht seit Beginn des Mietvertrags im Jänner 2006 bis zum heutigen Tage ein aufrechtes Mietverhältnis. Uns liegt kein Kündigungsschreiben vor." Die 19 Mitarbeiter des Cafe Demels werden offenbar nicht gekündigt, sie können laut Dogudan innerhalb des Unternehmens weiterarbeiten. Der Wiener Gastronom will das Cafe innerhalb von mehreren Wochen umbauen und eine "Event-Location" etablieren. Das Lokal sei dann für Firmen, Unternehmen und Privatpersonen buchbar. "Da hat der Herr Dogudan schon eine gute Lösung gefunden - keiner von uns wird arbeitslos", sagt eine Mitarbeiterin vom Cafe Demel im Gespräch mit SALZBURG24 am Donnerstag.

Cafe Demel von Anfang an ein Sorgenkind

Das Cafe Demel ging am 2. Dezember 2005 in Betrieb, offiziell eröffnet wurde es nach Abschluss der Umbauarbeiten im März 2006. Von Anfang an galt es als Sorgenkind. Man habe mit dem Salzburger Lokal bisher kein Geld verdient, hatte Dogudan im Vorjahr gegenüber dem "Standard" erklärt. In der Festspielzeit sei das Cafe aber gut gelaufen. Bereits seit Beginn des vorigen Jahrhunderts befindet sich an diesem Standort ein Kaffeehaus.

Demel wird zu Event-Lokal: Herbe Kritik

Vor der Übernahme von Do & Co hieß das Cafe "Glockenspiel" und war bei Einheimischen wie Gästen sehr beliebt. Der Standort am Mozartplatz soll zu einem Event-Lokal umgebaut werden. Diese Entscheidung scheidet die Geister: Sind manche SALZBURG24-User in FACEBOOK-Kommentaren durchaus begeistert über den geplanten Umbau, zeigt sich Inga Horny, Geschäftsführerin vom Altstadt Salzburg Marketing entrüstet: "Diese unternehmenspolitische Entscheidung ist  skandalös. So einen zentralen Ort und eine identitätsstiftende Lokalität wie das Cafe Demel es war, einfach in einen Event-Hotspot umzumünzen ist ziemlich bedenklich und traurig. Ich persönlich wünsche mir wieder ein etabliertes Traditionscafe, ganz einfach - so wie es immer war." Die Geschäftsführerin des Altstadtverbandes, Inga Horny sieht es weiter "als eine Respektlosigkeit gegenüber der Stadt Salzburg und dem Standort", wie sie im APA-Gespräch am Donnerstag betonte. "Man nimmt den Salzburgern ein identitätsstiftendes Kaffeehaus weg. Schade, dass ein renommierter Unternehmer so eine Entscheidung getroffen hat, die unwürdig ist für Salzburg. Es ist schwierig, ein Kaffeehaus zu führen, das im ersten Stock ist, wenn die Verkaufsfläche im Erdgeschoß liegt. Aus meiner Sicht wäre es umgekehrt besser." Das ehemalige Cafe "Glockenspiel" führte den Kaffeehausbetrieb sowohl im Erdgeschoß als auch im ersten Stock. Zahlreiche Tische und Sesseln wurden - im Gegensatz zu heute - bei schönem Wetter auf dem Vorplatz aufgestellt. Das Cafe Demel hat 1.200 Quadratmeter Nutzfläche, verfügt über 420 Sitzplätze und gilt als "nobel und preislich gehoben". Die K.u.K. Hofzuckerbäckerei Demel, gegründet 1786, zählt zu den traditionsreichsten Unternehmen Österreichs. Das Cafe in Salzburg wurde als "Premiumbetrieb mit höchster Zuckerbäckerhandwerkskunst" geführt. (SALZBURG24/APA)

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(Quelle: S24)

Aufgerufen am 19.11.2019 um 01:49 auf https://www.salzburg24.at/archiv/traditionscafe-demel-sperrt-zu-59324524

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