Jetzt Live
Startseite Österreich
Sanktionen aufheben?

Kickl ersucht um Verständnis für Russland

FPÖ-Chef im ORF-Sommergespräch

Für die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland ausgesprochen hat sich FPÖ-Chef Herbert Kickl am Montag im Rahmen des ORF-Sommergespräches. Zudem warnt er vor einem Winter ohne Versorgungssicherheit.

FPÖ-Chef Herbert Kickl forderte einmal mehr die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland. Diese würden Europa in eine Wirtschaftskrise treiben, zeigte er sich überzeugt. Zudem ersuchte Kickl um Verständnis für den Aggressor. Denn der Konflikt habe eine "Vorgeschichte".

Es drohe ein Winter ohne Versorgungssicherheit etwa bei Erdgas, so Kickl. "Was ist dann los, wenn die Industrie strauchelt?". Auf die Frage, ob er glaube, dass Russlands Präsident Wladimir Putin sofort mit uneingeschränkten Gaslieferungen reagieren werde, wenn man Sanktionen aufhebe, meinte Kickl: "Da wird man Gespräche führen müssen, um Gottes Willen." Es sei "unglaublich viel Porzellan zerschlagen worden".

Kickl über Ukraine-Krieg

In Russland hingegen würden die Sanktionen nicht wie gewünscht wirken, zeigte sich Kickl überzeugt. Auf den Hinweis, dass dort die Wirtschaft deutlich eingebrochen sei, versicherte der Chef-Blaue: "In Moskau herrscht ein weitgehend normales Leben." Er bat generell um eine differenzierte Betrachtung des Überfalls: "Man muss den Versuch machen, auch die andere Seite zu verstehen."

Denn es gebe eine "Vorgeschichte" des Konflikts, man müsse Verständnis für die "Sicherheitsinteressen" Russlands haben. Der FPÖ-Chef meldete Zweifel an einem Sieg der Ukraine an. "Denken Sie, dass die Ukraine den Krieg gewinnen kann?" Russland sei immerhin eine Supermacht mit Atomwaffen. Als Lösungsmöglichkeit sieht er etwa eine Zwei-Staaten-Lösung, wie Kickl erläuterte.

Preise würden "davongaloppieren"

Breche man nicht aus dem "Sanktionsteufelskreis" aus, würden die Preise "davongaloppieren". Eine mögliche Sofortlösung wäre laut Kickl eine Reduktion der Umsatzsteuer, eine Gaspreisbremse - oder die Erdgasförderung mittels Fracking in Niederösterreich.

Generell wünsche er sich, dass man aufhöre, Gas zu verteufeln, bat der FPÖ-Obmann. Er sei dafür, dass man in der Klimafrage mit "mehr Besonnenheit" agiere.

Kein Streit in der FPÖ

Kickl hat beteuert, dass es keinen Streit innerhalb der FPÖ gibt. "Die Partei ist sehr stabil. Ich weiß, dass sich manche etwas anderes wünschen." Er habe als "verantwortlicher Chef" Konsequenzen in der Causa Hans-Jörg Jenewein gezogen. Zu Details müsse man diesen befragen.

Der ehemalige Nationalratsabgeordnete und spätere Klubmitarbeiter Jenewein, der auch als Vertrauter Kickls gilt, soll eine Anzeige gegen die Wiener FPÖ verfasst haben. In dieser geht es laut Berichten um mutmaßlichen Fördermissbrauch. Kickl hat Mutmaßungen, er habe von der Anzeige gewusst, stets zurückgewiesen. Jenewein ist inzwischen aus der Partei ausgetreten.

Mehr - also etwa wer die Anzeige tatsächlich eingebracht habe - werde man erfahren, wenn Jenewein wieder vernehmungsfähig ist, mutmaßte der FP-Obmann. Jenewein soll, nachdem er auch vom Parlamentsklub suspendiert worden war, vor kurzem einen Suizidversuch unternommen haben.

Kickl im ORF-Sommergespräch

Ein verantwortungsvoller Chef müsse in so einem Fall dienstrechtliche Konsequenzen ziehen, betonte Kickl: "Das habe ich getan." Er bzw. die Wiener Landesgruppe hätten Jenewein wohl auch aus der Partei ausgeschlossen, wenn er nicht freiwillig gegangen wäre, zeigte sich Kickl überzeugt. Die Vorwürfe selbst, die auf einem Handy Jeneweins gefunden wurden, sind laut Kickl nicht neu. Nach Angaben von Anwälten ist hier keine Ermittlungstätigkeit zu erwarten.

Der FPÖ-Chef verwies auch darauf, dass er kürzlich vom Präsidium einstimmig als Obmann-Kandidat für den kommenden Parteitag unterstützt worden sei. Und da die Amtszeit des Parteichefs drei Jahre betrage, gehe er auch davon aus, dass er auch Spitzenkandidat für die nächste Nationalratswahl werde, sagte Kickl.

ORF-Sommergespräch: NEOS-Chefin Meinl-Reisinger APA/GEORG HOCHMUTH
NEOS-Parteivorsitzende Beate Meinl-Reisinger beim ORF-Sommergespräch.

NEOS-Chefin fordert Lohnerhöhungen bis Herbst

Wie die Löhne für Arbeitnehmenden bis zum Herbst in Österreich "ordentlich steigen" sollen, erklärte NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger im gestrigen ORF-Sommergespräch. Bei der Bekämpfung der …

Vor Kickl waren bereits NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger und Grünen-Vizekanzler Werner Kogler im ORF-Sommergespräch.

Meldungsliste(1)(7).jpg APA/EVA MANHART
Vizekanzler Werner Kogler war Montagabend beim ORF-Sommergespräch zu Gast. 

Kogler würde Österreich mit Waffe verteidigen

Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) würde Österreich im Falle eines Krieges auch mit Waffe verteidigen, wie er Montagabend im ORF-Sommergespräch mitteilte. Außerdem wies er Spekulationen über eine …

So viele sahen Kickls ORF-Sommergespräch

Das dritte Interview der heurigen ORF-Sommergespräche mit FPÖ-Chef Herbert Kickl haben im Schnitt 780.000 Zuseherinnen und Zuseher verfolgt. In Spitzen waren am Montagabend auf ORF 2 940.000 Personen mit dabei, teilte der ORF mit. Das Interview erreichte einen Marktanteil von 29 Prozent. Auch wenn das Interesse an den Antworten Kickls damit geringer als noch im Vorjahr war, handelt es sich um das bisher meistbeachtete Interview der "Sommergespräche" 2022.

Das Gespräch mit Kickl erreichte durchschnittlich rund 150.000 Personen mehr als jenes mit Vizekanzler und Grünen-Chef Werner Kogler (629.000 Zuseher) und beinahe 200.000 Personen mehr als NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger (590.000 Zuseher). Auch im Vorjahr war jenes Sommergespräch mit Kickl das quotenstärkste. Damals kam der FPÖ-Chef auf im Schnitt 849.000 Zuschauerinnen und Zuschauer, womit es das zweitmeistgesehene FPÖ-Sommergespräch war. Nur Heinz-Christian Strache erreichte im Jahr 2015 mit knapp einer Million mehr Personen.

Am nächsten ORF-Sommergespräch findet am Montag um 21.05 Uhr statt, dann ist SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner an der Reihe.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 04.12.2022 um 11:07 auf https://www.salzburg24.at/news/oesterreich/herbert-kickl-im-orf-sommergespraech-fpoe-chef-ersucht-um-verstaendnis-fuer-russland-126035854

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel. Starte die Diskussion.

Kommentare anzeigen K Kommentare ausblenden Esc Teile uns deine Meinung mit.

Mehr zum Thema