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Pandemie extrem belastend

Jedes fünfte Kind öfter traurig oder einsam

Salzburger Studie zeigt Emotionen von Volksschülern

Kind, Gewalt, Traurigkeit, SB dpa-Zentralbild/Patrick Pleul
Volksschulkinder leiden extrem unter den Auswirkungen der Corona-Krise. (SYMBOLBILD)

Eine aktuelle Studie der Uni Salzburg zeigt die dramatischen Auswirkungen der Covid-Krise auf Kinder im Volksschulalter auf. Rund 79 Prozent der 531 Befragten geben an, dass es ihnen im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie schlechter geht.

Jedes dritte Kind ist öfter wütend oder genervt, jedes fünfte ist öfter traurig oder fühlt sich einsam. Jedem zweiten Kind macht die aktuelle Situation der Umfrage zufolge Angst, jedes dritte Kind schläft aktuell schlechter.

Bewegung von Kindern in Pandemie extrem gesunken

Fast neun von zehn Kindern sind im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie weniger aktiv, zeigt die von Manuel Schabus und Esther-Sevil Eigl vom Zentrum für Kognitive Neurowissenschaften der Universität Salzburg durchgeführten Kinder-Befragung "Jetzt sprichst du". Gleichzeitig verbringen drei Viertel mehr Zeit mit Smartphone, Fernsehen, Spielkonsole oder Tablet.

Volksschüler sehen sich nach Normalität

Am meisten fehlt den Schülern der Befragung zufolge Normalität: Jeweils rund ein Drittel wünscht sich, Sport treiben zu können, ohne Maske zu sein und die Gesichter der Menschen sehen zu können bzw. Freunde ohne Einschränkungen treffen zu können. Ebenso groß ist die Gruppe die laut Umfrage seit Beginn der Pandemie Verwandte und Freunde (fast) gar nicht mehr gesehen hat. "Mich nervt alles an Corona, es gibt kein anderes Thema mehr und meine Eltern haben nur wegen Corona viel mehr Arbeit und viel weniger Zeit für mich", schrieb ein Kind auf die Frage, was besonders nerve.

Salzburger Studie deckt Ängste auf

Zwei Drittel der Kinder rechnen mit einer Rückkehr zur Normalität allerdings erst 2022 oder 2023. Zu den größten Ängsten der Kinder gehört, dass es bis dahin noch lange dauern wird oder das Leben gar nicht mehr so werden könnte wie vor der Pandemie. Das gibt jeweils ein Fünftel an. Ebenso viele Kinder haben Angst, dass Eltern, Geschwister oder nahe Angehörige sterben könnten. Das Coronavirus selbst halten unterdessen nur rund 29 Prozent der Kinder für (sehr) gefährlich, 40 Prozent schätzen es ein wie die Grippe, der Rest stuft Covid-19 als nicht oder nicht sehr gefährlich ein. Die Zahlen sind dabei quasi ident mit der Einschätzung ihrer Eltern.

Kids genervt von Masken

In der Schule geht drei Viertel der normale Schulalltag ab. Auch im dortigen Alltag vermissen es rund 42 Prozent am meisten, ihre Freunde und Schulkameraden zu treffen, jedem Dritten der fehlt Sport in der Schule. "Ich vermisse die Schule wie sie vorher war. Ich habe keinen Spaß mehr in der Schule. Es fühlt sich an als dürfen wir keine Freunde sein", lautet ein Kommentar in der Umfrage. Insgesamt am meisten genervt sind sie der Studie zufolge vom Maskentragen (40 Prozent), davon ihre Freunde nicht wie sonst treffen zu können (20 Prozent) und von den Corona-Tests in der Schule (16 Prozent).

Corona-Tests unbeliebt

Mit den dort eingesetzten anterio-nasalen Schnelltests ("Nasenbohrer"-Tests) hat ein Teil der Schüler seine liebe Not: Fast jeder Zweite findet diesen unangenehm, jedem Dritten machen sie sogar Angst.

(Quelle: APA)

Vermehrt Kinder und Jugendliche mit Essstörungen

Abnehmen Pixabay

Kindern und Jugendlichen setzt die Corona-Krise stark zu: Die Wartelistenplätze für Essstörungspatienten an der Kinder- und Jugendpsychiatrie Innsbruck haben sich innerhalb des letzten Jahres verdoppelt.

Junge Menschen seien durch Kontaktbeschränkungen sowie geschlossenen Schulen und Freizeiteinrichtungen schwer getroffen. Die langfristigen Auswirkungen der Pandemie auf die psychische Gesundheit werden unterschätzt, erklärt Kathrin Sevecke, Direktorin der Kinder- und Jugendpsychiatrie Innsbruck gegenüber der APA. Durch fehlende Alltagsroutine und eingeschränkte soziale Kontakte hätten viele Betroffene unter einer starken psychischen Belastung zu leiden.

Verstärktes Befassen mit der Ernährung

Die Corona-Maßnahmen führen dazu, dass sich Kinder und Jugendliche vermehrt mit ihren Essgewohnheiten auseinandersetzen. Viele fangen in der Krise an, ihr Essverhalten einzuschränken und Kalorien zu zählen, andere wiederum essen aus Langeweile sehr viel. Auch Home-Workouts würden von vielen teils zwanghaft und in einem ungesunden Maß betrieben werden, so Sevecke.

Ausnahmezustand auch für Eltern

Besonders erschreckend ist, dass der Zustand vieler Kinder und Jugendlicher, von den Eltern erst in einem bereits fortgeschrittenen Stadium wahrgenommen wird. Das könnte sich dadurch erklären lassen, dass die Pandemie auch für Eltern eine Belastungsprobe darstellt. Durch Homeoffice und Kurzarbeit, in Kombination mit Distance-Learning, sind viele Eltern sowohl psychisch als auch finanziell in einer schwierigen Lage. Die Probleme der Kinder werden durch die eigenen Sorgen erst spät erkannt.

Kontakt zu Gleichaltrigen wichtig

Da soziale Kontakte mit Gleichaltrigen größtenteils wegfallen, werden solche schwerwiegenden Probleme auch vom Freundeskreis nicht bemerkt. Laut Sevecke erfüllen Freunde und Bekannte auch eine gewisse Kontrollfunktion. Körperliche Veränderungen und psychische Probleme werden von Gleichaltrigen viel eher wahrgenommen. Auch Bewegung gemeinsam mit anderen ist ein wichtiger Punkt für die seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Dadurch werde die mentale Stabilität gefördert und psychischen Erkrankungen vorgebeugt.

"Je eher man Hilfe sucht, desto besser"

Die langfristigen Folgen der Pandemie müssten erst ins Blickfeld der Gesellschaft gebracht werden. Vielen sei nicht bewusst, wie sich psychische Probleme äußern. Eltern sollten ihre Kinder beobachten, um mögliche Symptome zu erkennen. Veränderungen beim Gewicht, starke Stimmungsschwankungen oder depressive Phasen bei Kindern sollten schnellstmöglich abgeklärt werden. Eine erste Anlaufstelle können Krisenhotlines wie Rat auf Draht 147 oder die Essstörungshotline 0800-201 120 sein.

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