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Umstrittene Rettung

Freude und Wehmut über AUA-Deal in Salzburg

Keine Kurzstreckenflüge mehr nach Wien

Das 450 Mio. Euro schwere staatliche Rettungspaket für die AUA stößt auf teils heftige Kritik. Das Politik-Institut der Uni Wien vermisst eine Gegenleistung für den Zuschuss-Teil von 150 Mio. Euro. Der Salzburger Flughafen trauert den Kurzstreckenflügen nach, während die Grünen deren Einstellung begrüßen. Die SPÖ sieht die Streichung grundsätzlich positiv, fordert als Ausgleich aber Check-Ins bereits am Salzburger Hauptbahnhof.

Das Institut für Politikwissenschaft der Uni Wien hat den Deal analysiert und kommt zu einem "etwas durchwachsenen" Ergebnis. Positiv sei, dass damit Arbeitsplätze gesichert würden, die qualitativ hochwertiger und besser bezahlt seien als beispielsweise jene bei Laudamotion/ Ryanair. Auch neue Anti-Dumping-Regeln, die Erhöhung der Flugticketabgabe für Kurzstrecken und das Eintreten der AUA für einen Branchenkollektivvertrag gehörten zu den Pluspunkten.

Kritisch wird jedoch der nicht rückzahlbare Zuschuss von 150 Mio. Euro gesehen. "Hier machen die österreichischen Steuerzahler*innen dem Lufthansa-Konzern ein Riesengeschenk, ohne dass die Gegenleistung klar ersichtlich ist - weder kann der österreichische Staat damit strategische Entscheidungen mitbeeinflussen, noch sind die ökologischen Vorgaben klar genug definiert", so Professor Ulrich Brand in einer ersten Stellungnahme.

Auch der Wiener Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ) hat am Dienstag das Unterstützungspaket für die Austrian Airlines prinzipiell begrüßt, doch auch er vermisst entsprechende Gegenleistungen. Er selbst hätte etwa eine Beteiligung am Unternehmen angestrebt, erklärte er. Diesen Weg gehe man auch in Wien.

Bedauern am Flughafen Salzburg

Der Flughafen Salzburg verabschiedet sich mit "Wehmut" von den AUA-Flügen, die seit 60 Jahren bestanden. "Für den Wirtschaftsstandort Österreich ist es sehr erfreulich, dass die AUA als österreichische Airline weiterhin bestehen bleibt. Umso mehr bedauern wir es, dass Salzburg in Zukunft nicht mehr Teil des Streckennetzes der AUA sein wird", so die Geschäftsführerin des Salzburger Flughafens, Bettina Ganghofer.

Grüne begrüßen Ende der AUA-Flüge

„Ein Kurzstreckenflug belastet das Klima mit ungefähr 50 Mal mehr CO2 als eine Bahnfahrt. Die Verlagerung der Flugverbindung Salzburg-Wien auf die Bahn ist deshalb eine ebenso wichtige wie richtige klimapolitische Weichenstellung“, sagt Josef Scheinast, Verkehrs- und Wirtschaftssprecher der Grünen Salzburg in einer Aussendung. Nun müsse das Angebot auch attraktiver gestaltet werden, hier sei die ÖBB gefordert, beispielsweise indem Zugverbindungen in den Tagesrandzeiten verbessert würden.

SPÖ fordert Ausbau des Hauptbahnhofs

Der Salzburger SPÖ-Vorsitzende David Egger begrüßt via Aussendung aus ökologischen Gründen zwar den Deal zwischen Bundesregierung und AUA, beharrt aber darauf, dass deswegen niemand seinen Anschlussflug in Wien verpassen dürfe: „Wer von Wien in den Urlaub fliegen will, soll schon früh am Morgen am Salzburger Hauptbahnhof einchecken können. Nicht nur einmal am Nachmittag, sondern bereits bei der ersten Zugverbindung zwischen Salzburg und Schwechat.“ Zudem dürfe am Flughafen kein Arbeitsplatz verloren gehen, die entfallenen Kurzstreckenflüge sollten durch "neue, sinnvolle" Flugverbindungen ersetzt werden.

Unmut bei Salzburger Wirtschaftskammer

Mit Unmut nimmt die Wirtschaftskammer Salzburg die Streichung der Fluglinie Salzburg–Wien im Zuge des AUA-Rettungspaketes auf. „Das AUA-Rettungspaket war notwendig und ist für den Standort Österreich und den Flughafen Schwechat wichtig, aber es geht zu Lasten des Standortes Salzburg und anderer Bundesländer“, kritisiert WKS-Präsident Peter Buchmüller in einer schriftlichen Stellungnahme.

 "Die kurzfristige Streichung ist das falsche Signal", erklärte auch Peter Unterkofler von der Salzburger Industriellenvereinigung. Aus ökologischer Sicht sei das Substituieren von kürzeren Flügen durch Bahnverbindung zwar durchaus sinnvoll. Es brauche aber eine längerfristige Vorbereitung in die dafür notwendige Infrastruktur, etwa am Bahnhof.

Svazek: "In München knallen die Sektkorken"

FPÖ-Landesparteiobfrau Marlene Svazek sah heute hingegen zahlreiche Arbeitsplätze im Bereich der Flugabwicklung und die Attraktivität Salzburgs als Tourismus-Hotspot gefährdet. Reisende könnten künftig grenznahen Ausweichflughäfen den Vorzug geben. "Während wir Salzburg opfern, knallen in München die Sektkorken."

Freilich, ganz ohne Vorzeichen ist die Streichung der Inlandsstrecke nicht passiert. Bereits im August 2019 hatte AUA-Chef Alexis von Hoensbroech im Zusammenhang mit der Klimadebatte gemeint, die Verbindung Wien-Salzburg "in einigen Jahren hoffentlich nicht mehr fliegen" zu werden. Damals freilich noch ohne konkretes Datum. Die letzten validen Zahlen zur Nutzung des Zubringerflugs stammen übrigens aus 2018, weil im Vorjahr die Start- und Landebahn in Salzburg fünf Wochen saniert wurde und nicht benutzt werden konnte. Wie Airport-Sprecher Alexander Klaus zur APA sagte, hätte die AUA damals mit gut 1.000 Flügen im Jahr 105.000 Passagiere zwischen Salzburg und Schwechat transportiert. "Das entsprach 6 bis 7 Prozent des Gesamtfluggästeaufkommens."

Flughafensprecher bezweifelt Öko-Nutzen

Klaus bezweifelte am Dienstag auch, dass das Aus die gewünschten ökologischen Effekte zeige. "90 Prozent der Fluggäste zwischen Salzburg und Wien waren Umsteigepassagiere. Die bekomme wir nie auf die Schiene." Der Airport sei der Ansicht, dass das Gros der Passagiere auf andere Drehkreuze, vielfach aber auf die Straße ausweichen werde. "Für jemanden, der schon bisher etwa aus dem Pinzgau mit dem Auto zum Flughafen Salzburg kam, wird die Weiterreise per Bahn mühsam." Das in Zukunft eine andere Fluglinie die Strecke bedient, hält Klaus für unwahrscheinlich. Ohne die Möglichkeit, über ein Codeshare- oder Interlining-Abkommen zu den eigentlichen Flugzielen durchzubuchen, sei die Verbindung nicht attraktiv.

Kärnten und Steiermark klagen über Benachteiligung

Die südlichen Bundesländer Kärnten und Steiermark fühlen sich extrem benachteiligt und befürchten eine Schwächung der Wirtschaft infolge des Wegfalls von Kurzstreckenflügen. Der Neustart der AUA ab Mitte Juni müsse auch für die Klagenfurt-Verbindungen gelten, so der Kärntner Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Mandl. Die Präsidenten der steirischen Wirtschaftskammer, Josef Herk, und der Industriellenvereinigung, Georg Knill, sehen die mit ökologischen Argumenten begründete Einstellung der Flugverbindung zwischen Wien und Graz nach der Fertigstellung des Semmering-Tunnels im Jahr 2027 kritisch. "Das Wegfallen der Verbindung in die Bundeshauptstadt schwächt den Wirtschaftsstandort Steiermark und letztlich die gesamte Region Südösterreich", betonte Herk.

Positive Stimmung in Linz

Entspannt ist man in Linz. "Das Rettungspaket für die Fluglinie AUA, das die Bundesregierung gestern vorgestellt hat, bringt auch eine wichtige Absicherung für den Linzer Flughafen Hörsching", freuten sich hingegen Landeshauptmann Thomas Stelzer und Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (beide ÖVP). Das bedeute auch für den Flughafen Linz-Hörsching eine Absicherung des Passagieraufkommens.

Der Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) hingegen zieht eine äußerst nüchterne Bilanz und kritisiert das Lufthansa-AUA-Rettungspaket der Bundesregierung als "österreichisches Steuergeld für einen deutschen Konzern, die AUA gehört zu 100 Prozent der Lufthansa. Er wünschte sich stattdessen eine "Industrie-Milliarde für heimische Betriebe". "Diese Bundesregierung ist mehr der Selbstdarstellung als der Problemlösung verpflichtet."

VCÖ sieht großes Potenzial für Bahn

Für den Verkehrsclub Österreich (VCÖ) enthält das AUA-Rettungspaket mit den Anti-Dumping-Regelungen, der Erhöhung der Flugabgabe und der Verlagerung von Kurzstreckenflügen auf die Bahn "wichtige Schritte, um die viel zu hohen Treibhausgas-Emissionen des Flugverkehrs zu reduzieren". Dass die Flugabgabe für sehr kurze Strecken unter 350 Kilometer künftig 30 Euro betragen werde, sei ein Anreiz, bei kurzen Strecken am Boden zu bleiben. Das Potenzial zur Verlagerung von Kurzstreckenflügen auf die Bahn ist groß. Im Vorjahr war bei rund 638.000 Passagieren des Flughafens Wien das endgültige Flugreiseziel weniger als 400 Kilometer von Wien entfernt.

Den Klimaaktivisten von Fridays for Future Österreich greift das AUA-Rettungspaket viel zu kurz. Die "Klimagerechtigkeitsbewegung" vermisst "ernstzunehmende Klimaauflagen". Zudem hätten Staat und Airline mittels Standortgarantie eine Zunahme des Flugverkehrs in Wien vereinbart. Die 450 Mio. Euro zum Auffangen der Airline seien ein Vielfaches von dem Budget, welches für den Klimaschutz vorgesehen ist.

Opposition übt Kritik am AUA-Deal

Bei den Oppositionsparteien stößt der Deal ebenfalls auf wenig Gegenliebe: FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer ortet "die nächste Verhandlungspanne der Bundesregierung". Die AUA dürfe künftig keine Kurzstrecken - beispielsweise von Salzburg oder Graz nach Wien - fliegen, sehr wohl aber die deutsche AUA-Mutter Lufthansa. Auch andere Airlines dürften selbstverständlich diese Strecken bedienen. "Der Umwelt ist damit nicht geholfen, der Wettbewerb wird aber damit verzerrt und die Wirtschaftsregionen rund um Salzburg und Graz geschwächt", meinte Hofer am Dienstag. Die Standortgarantie für die AUA Basis in Wien gelte zudem lediglich zehn Jahre. "Dann wird dieser Unternehmensstandort wohl leider Geschichte sein", so Hofer.

Die EU-Kommission ist unterdessen wegen der Rettung der AUA mit den österreichischen Behörden in Kontakt. Ob die künftig für alle Fluglinien vorgeschriebenen Mindestpreise für Tickets mit EU-Regeln vereinbar seien, konnte in der täglichen Mittagskonferenz noch nicht beantwortet werden. Alle Fragen, die Möglichkeiten der Unterstützung in der Coronakrise betreffen, würden vorrangig behandelt, hieß es.

(Quelle: APA)

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