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Wie Corona die Mode verändert

Die Fashion-Trends im Sommer 2021

von „Microtrends” bis „Anything-Goes-Mentalität”

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Leicht, luftig und vor allem bequem lautet das Motto für die Sommermode 2021.

Die Corona-Pandemie hat vieles verändert. Unter anderem auch unsere Kleidungspräferenzen und unser Verhältnis zu Mode. Wie sich Covid-19 auf die Fashion-Trends 2021 auswirkt und wie die Mode nach Corona aussehen könnte, klären wir mit einer Salzburger Fashion-Expertin.

von Franziska Huber

In Zeiten von Social Distancing verbringt man mehr Zeit zu Hause. Bei der Videokonferenz vom Homeoffice aus tragen viele zwar oben rum noch Bluse oder Hemd, aber die schicke Hose wird oftmals gegen Jogginghose oder Boxershorts eingetauscht.

Verschiebungen in der Sortiments-Nachfrage

Gesellschaftliche Anlässe sind stark reduziert, wieso sollte man sich also noch groß herausputzen und neue Kleidung kaufen, wenn man sie ohnehin nicht ausführen kann. Nachvollziehbar, dass die starke Konzentration des Lebens auf den engsten Familien- und Freundeskreis und auf den Aufenthalt in der Natur seine Spuren auch in der Modewelt hinterlässt: Der neue Trend der „Casualisierung“ führte laut Studien der Bekleidungsmarke Bonprix und der Meinungsforschungsplattform Attest zu verstärktem Kauf von bequemer Kleidung wie Leggings, Wäsche und Pyjamas. Auch Trainingsoutfits zählten zu den Top Sellern.

Martina Müllner-Seybold, Chefredakteurin des führenden Modefachmagazins „Style in Progress" mit Sitz in Salzburg erklärt darüber hinaus, was gefragt ist: „Definitiv alles mit Komfortfaktor. Damit meine ich nicht nur die obligatorische Jogginghose für Sie und Ihn, sondern auch durchaus formellere Teile, die aber eben bequem sein müssen. Bei Herren sind das zum Beispiel Stricksakkos, die zu Hause quasi als Wohlfühlweste getragen werden, aber mit einem passenden Hemd auch mal bei einem Businesstermin passen.“

Die Luxusbranche und darunter auch Designer-Mode verzeichnete seit Beginn der Pandemie starke Einbrüche. Da modische, luxuriöse Bekleidung und Accessoires fast ausschließlich zur Positionierung in der Gesellschaft dienen, gab es aufgrund fehlender Präsentationsmöglichkeiten dieser Luxusteile in der Gesellschaft deutlich weniger Nachfrage nach ihnen. „Image ist ein wichtiger Motor der Bekleidungsindustrie. Gucci zu tragen ist eine andere Botschaft als H&M zu tragen.“, bestätigt Müllner-Seybold.

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Martina Müllner-Seybold, Chefredakteurin des führenden Modefachmagazins „Style in Progress"

Ausgaben für Kleidung

Haben wir beim Aufräumen des Kleiderschranks bemerkt, was wir alles besitzen und kaufen daher weniger und bewusster nur das ein, was wir wirklich brauchen? Oder haben wir doch durch Corona aufgrund von Langeweile mehr Kleidung in Onlineshops gekauft als früher?

Bekleidungsgeschäfte waren im Lockdown oft wochenlang geschlossen. Auch wenn Onlineshops rege Umsatz-Zuwächse verbuchten: nicht in der Bekleidungsbranche. Online Shopping kann ein physisches Einkaufen von Kleidung anscheinend nicht hinreichend ersetzen. Der Umsatzrückgang beim Online-Handel von Bekleidung sei laut Unternehmensberatungs-Firma McKinsey in Europa zwischen fünf und 20 % zurückgegangen und 80 % der Umsätze in der Bekleidungsbranche seien auf den stationären Handel angewiesen. Auch vorläufige Daten von Statistik Austria zeigten: Der Umsatzrückgang im Bekleidungs- und Schuheinzelhandel betrug 2020 in Österreich minus 22,4 % im Vergleich zum Vorjahr.

Und auch bei den deutschen Nachbarn gaben gemäß einer Studie des Unternehmensberatungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmens PWC viele Konsumenten an, nach Covid-19 weniger für Kleidung ausgeben zu werden als vor der Pandemie.

Mode-Trends im Sommer 2021

„Trends im klassischen Sinne, dass es zwei, drei Looks gibt, die jeder tragen will oder muss, gibt es kaum noch. Die Mode ist geprägt von Microtrends und von einer Anything-Goes-Mentalität, die kaum noch ein Trenddiktat zulässt.“, klärt Müllner-Seybold, die in Mailand das Handwerkszeug einer Modejournalistin erlernte, auf. „Die Damen schwelgen in Farben und Mustern, es gibt unglaublich viele sehr lebensfrohe, feminine Entwürfe. Ein schönes Kleid ist sicher eine willkommene Antwort auf die Comfy-Klamotten, die man jetzt ein Jahr lang getragen hat.“

Auch wenn Modenschauen seit mehr als einem Jahr mit fehlenden prominenten Gästen in den ersten Reihen und wenig bis keinem Publikum auskommen müssen: Einige der eben genannten „Microtrends“ für den kommenden Sommer, entsprechend der „Anything-Goes-Mentalität“ ließen sich trotzdem beobachten:

Bei Damen sind oversize und androgyne Schnitte in den Farben Zuckerwatterosa bis hin zu kräftigem Pink ebenso in Mode wie leichte, luftige Sommerkleider in Schneeweiß, Creme und gelbstichigem Butterweiß. Aber auch helles Limonengelb, strahlendes Sonnengelb sowie auch knalliges, feuriges Rot sind beliebt und Statements für Freude, Hoffnung und Leben.

Puffärmel, Schleifen, Raffungen und transparente Stoffe in der Damenmode sollten Fröhlichkeit und Leichtigkeit vermitteln. Auch florale Muster und Blütenpracht in allen möglichen Ausführungen sowie Punkte und Pünktchen, Flecken und weitere Prints wie Monogramme, sogar im Mustermix mit Blumen, liegen voll im Trend für beide Geschlechter. Eine weitere Trendfarbe im Sommer 2021 ist Blau, besonders in Form von Denim und Jeans.

Neben Blazerkleidern und weiten Mänteln sind Paperbaghosen – sehr hoch geschnitten und in der Taille so festgebunden, dass über dem Gürtel viel Stoff gerafft absteht – und Bundfaltenhosen must haves des diesjährigen Sommers für Frauen.

„Auch bei den Herren dominiert „Easy Casual“, ein Look, der auf edle Joggslacks oder jetzt wieder weitere (Bundfalten-)Hosen setzt, dazu ein legeres Hemd oder schönes Polo und darüber ein Stricksakko oder ein unkonstruiertes Sakko. Krawatte werden wir lange keine mehr sehen.“, veranschaulicht die erfahrene Modefachjournalistin von „Style in Progress“. Also weite fließende Hosen sind auch bei den Herren angesagt, ebenso wie Bermudas, Bluosons und Trenchcoats sowie Pastellfarben und Karomuster.

Interessanterweise sind neben den locker fallenden, weiten Kleidungsstücken im Sommer 2021 komplett gegensätzlich auch kurze, bauchfreie Tops, Miniröcke, Hüfthosen und hautenge Shirts wieder im Vormarsch und fixer Bestandteil der Garderobe modebewusster Damen. Auch Müllner-Seybold verrät: „Es darf gleichzeitig Mini, Midi und Maxi sein, es gibt keine Einschränkung.“

Weniger Fast Fashion dank Corona?

Leider ist nicht zu leugnen, dass die Fashion-Industrie im Allgemeinen eine der unnachhaltigsten Branchen ist. Meldungen von eingestürzten Textilfabriken und unmenschlichen Arbeitsbedingungen, hohen Pestizidbelastungen beim Baumwollanbau, gesundheits- und umweltgefährdenden Chemikalien und Gewässerverschmutzung bei der Textilherstellung sind nur einige der Schattenseiten der (Fast) Fashion Industrie.

Kann die Corona-Krise vielleicht als Chance gesehen werden für den Ausbruch aus dem Teufelskreis der schnellen Mode, die bis zu 24 Kollektionen im Jahr hervorbringt, um durch ständig neue Trends die Leute bei Kauflaune zu halten? Müllner-Seybold, die durch ihre Arbeit sieht, was die Modebranche bewegt, sieht dies nüchtern: „Das Rad dreht sich im gleichen Tempo weiter, die Warenüberhänge sind mehr geworden, die Lager noch voller, der Druck, Ware reduziert in den Markt zu geben, noch größer. Es gab viele Beteuerungen bezüglich Nachhaltigkeit, viele große Designer haben sich zu Wort gemeldet – aber passiert ist gar nichts.“

Trotzdem wird nachhaltige Kleidung immer beliebter

Die Feststellung, einige Kleidungsstücke aufgrund fehlender Gelegenheiten nicht zu brauchen, könnte ausschlaggebend dafür gewesen sein, das Konsumverhalten allgemein zu überdenken. Viele mussten auch den finanziellen Gürtel enger schnallen. Einige hatten sicherlich auch Zeit, nicht mehr benötigte Kleidung auszusortieren und weiterzuverkaufen. Nachhaltige Mode und Second-Hand Kleidungsplattformen wie Vinted (ehemaliger Kleiderkreisel), Kleiderkorb oder Mädchenflohmarkt erfreuten sich in den letzten Monaten zunehmender Beliebtheit. Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und Qualität rückten bei Kleidung immer mehr in den Fokus und Experten sind sich sicher, dass dieses Jahr kein Weg an nachhaltiger Mode vorbeiführt.

Auch die gebürtige Salzburgerin Müllner-Seybold bekundet: „Ich freue mich, dass Nachhaltigkeit für viele Konsumenten ein wichtigerer Faktor wird. Was mich im Moment am meisten begeistert, ist, dass der individuelle, persönliche Fachhandel ein so großartiges Comeback erlebt. Wenn Sie in Salzburg schauen, wer gut durch die Krise kommt, dann sind das die Unternehmer und in ganz vielen Fällen explizit Unternehmerinnen, die ihren Laden mit echtem Herzblut führen. Das wünsche ich der Mode auch post-pandemic: Dass dieses Herzblut zählt, egal ob auf Markenseite oder im Handel.“

Wie wird die Mode nach der Pandemie aussehen?

„Image ist und bleibt ein wichtiger Motor der Bekleidungsindustrie, jeder, der Mode kauft, tut das am Ende, weil er eine Botschaft senden will. Auch nach der Pandemie bleiben Mode und Marken ein wichtiger non-verbaler Kommunikationsfaktor, ein äußerer Ausdruck einer inneren Haltung.“, erläutert Müllner-Seybold. „Natürlich heißt diese Botschaft auch manchmal ´ich kümmere mich nicht um Mode´ oder unter jungen Menschen immer häufiger ´ich kümmere mich um meinen Planeten, also kaufe ich keine Fast Fashion.´“

Und welchen modischen Look prognostiziert die ausgebildete Modefachjournalistin post-Corona, wenn die Pandemie überstanden ist? „Was den modischen Stil angeht: Nach der Pest kam das Barock – es kann also durchaus sein, dass wir wiedergewonnene Lebensfreude voll Überschwang zeigen wollen.“

(Quelle: SALZBURG24)

Aufgerufen am 08.05.2021 um 12:45 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/die-fashion-trends-im-sommer-2021-wie-corona-die-mode-veraendert-102528331

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