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Electric Love Festival für Anrainer: Zwischen Lärm, ausverkauften Gummistiefeln und Gratistickets

Das Gelände erstreckt sich zwischen Koppl und Plainfeld. ELF/Heimo Spindler
Das Gelände erstreckt sich zwischen Koppl und Plainfeld.

Das Electric Love Festival (ELF) am Salzburgring lockt seit 2013 alljährlich unzählige Besucher in den Salzburger Flachgau. Bei der sechsten Auflage werden rund 180.000 Festivalgänger erwartet. Für die Anrainergemeinden bedeutet das nicht nur ein Nächtigungsplus und ausverkaufte Gummistiefel, sondern auch Lärm- und Verkehrsbelastung. Wir haben in den umliegenden Orten nachgefragt.

Der Salzburgring wurde im Jahr 1969 im so genannten Nesselgraben zwischen Koppl und Plainfeld eröffnet. Die 4,26 Kilometer lange Rennstrecke wird inzwischen nur mehr selten für größere Motorsportveranstaltungen genutzt. Zwischen März und November ist das Gelände aber für kleinere Events durchwegs gut gebucht, wie ein Blick in den Terminkalender auf der Homepage zeigt.

Bereits vor dem Electric Love Festival fand sieben Jahre lang das Frequency Festival statt, ehe es nach Niederösterreich absiedelte. 2007 wurde das Maximum mit 140.000 Besuchern gezählt. In seiner mittlerweile sechsten Auflage rechnet das ELF mit 180.000 Gästen. In der Gegend rund um den Ring ist man inzwischen also durchaus festivalerfahren.

Die Wiesen rund um den Salzburgring werden als Campingplatz genutzt./FMT-Pictures/PM Salzburg24
Die Wiesen rund um den Salzburgring werden als Campingplatz genutzt./FMT-Pictures/PM

 Kuhwiesen werden fürs ELF zum Campingplatz

Auf rund 100 Hektar finden die Partybegeisterten Platz fürs Tanzen und Feiern – aber auch zum Campen und Parken. Die Wiesen dafür stellen die umliegenden Bauern zur Verfügung. Besonders bei den aktuell regnerischen Wetterverhältnissen könne dies aber problematisch werden, weiß der Koppler Bürgermeister Rupert Reichl (ÖVP) im Gespräch mit SALZBURG24 zu berichten. Ohnehin würden viele Festivalgäste ihren Müll sorglos zurücklassen, kritisiert er. "Bei dem Wetter reisen viele auch ohne Zelt, Schlafsack und Co ab, weil alles einfach tropfnass ist", so Reischl. Nicht nur im Nachhinein bedeutet das für Grundbesitzer und Veranstalter einen enormen Aufwand. Nichts darf zurückbleiben, die Wiesen sollen künftig wieder als Weideflächen bzw. das Gras zu Futterheu für die Kühe werden.

Seit Freitagvormittag sind auch Arbeiter der Gemeinde Plainfeld wetterbedingt im Einsatz, um Straßen und Wege rund um das Gelände in Stand zu halten und provisorisch zu sichern, schildert Wolfgang Ganzenhuber (ÖVP), Bürgermeister in Plainfeld, gegenüber S24. Auch die freiwilligen Feuerwehren sowie die Ortsvereine sind am Festival beteiligt. "Während die Feuerwehr den Brandschutz sicherstellt, ist beispielsweise der Sportverein für das Einweisen auf den Parkplätzen zuständig", erzählt Ganzenhuber. Die Zusammenarbeit mit den Veranstaltern funktioniere tadellos, versichern Ganzenhuber und Reischl übereinstimmend.

"Einmal im Jahr reicht wirklich"

Für die Einwohner der umliegenden Gemeinden gibt es zudem vergünstige Festivalpässe, berichten die Bürgermeister. Gemeindebürger ab 16 Jahren konnten beispielsweise in Koppl einen Drei-Tages-Pass bis zum 29. Juni für 105 Euro erwerben. Im regulären Vorverkauf kostete dieser 159 Euro. Direkte Anwohner bekommen Gratistickets. "Der Andrang ist immer riesengroß. In unserer Gemeinde wird das freudig angenommen – besonders von der Jugend", ergänzt Ganzenhuber. Auch sie selbst wollen einen Abend am Gelände genießen.

"Die Belastung für die Anrainer kann man jedoch nicht schönreden oder wegdiskutieren", gibt der Koppler Bürgermeister zu bedenken. Was die Größe des Festivals anbelangt, habe man inzwischen das Maximum erreicht, ist er überzeugt: "Mehr geht nicht." Eine weitere Veranstaltung in dieser Größenordnung hält der Plainfelder Bürgermeister indes für unzumutbar. "Einmal im Jahr reicht wirklich", ergänzt Reischl. Dennoch sei es ein "tolles Festival, bei dem die Vorteile eindeutig überwiegen", betont er.

Electric Love Festival: "Werbewert ist unermesslich"

Ähnlich sieht das auch der Bürgermeister der Gemeinde Hof, Thomas Ließ (ÖVP), auf S24-Anfrage. "Der Werbewert für die gesamte Region ist unermesslich. Da kann man einmal im Jahr Lärm und Verkehr schon in Kauf nehmen", sagt er. Seine Gemeinde ist zwar kein direkter Anrainer des Salzburgrings, aber vor allem die Besucher, die von der Westautobahn (A1) in Thalgau abfahren, müssen durch. In Hof sei aber nicht nur der Verkehr deutlich zu merken, sondern Supermärkte und auch das Lagerhaus im Ort würden nahezu überrannt, weiß Ließ zu berichten. "Getränke und Gummistiefel sind momentan der Verkaufsschlager", schmunzelt der Bürgermeister.

Auch die Unterkünfte in allen umliegenden Gemeinden "von der Stadt Salzburg bis St. Gilgen" sind über das Wochenende "knallevoll", wie Christian Andriska vom Tourismusverband der Fuschlseeregion angibt. Wegen des Wetters hätten ein paar Gäste storniert, aber das seien nur einzelne gewesen. "Festivalbesucher sind wetterfest", lacht er. Die ersten Buchungen kämen immer ab Februar, "wer Ende Mai noch nichts hat, braucht viel Glück und muss hoffen, dass jemand storniert", rät Andriska abschließend fürs Electric Love Festival im kommenden Jahr.

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(Quelle: S24)

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