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Weihnachtsgeschäft

"Lockdown stürzt Handel in blanke Katastrophe"

Einkauf bei Online-Anbietern nimmt zu

Der angekündigte Lockdown ab nächster Woche treibt Salzburgs Geschäftsleuten die Tränen in die Augen. Der Geschäftsführer der Sparte Handel von der Wirtschaftskammer Salzburg (WKS) Johann Höflmaier spricht gar von einer "blanken Katastrophe".

Nur wenige Minuten bevor der harte Lockdown für Salzburg tatsächlich verkündet wurde, kommentierte Johann Höflmaier, Geschäftsführer der Sparte Handel von der Wirtschaftskammer Salzburg (WKS), die mögliche Maßnahme im Gespräch mit SALZBURG24: „Ein Lockdown stürzt den Handel in die blanke Katastrophe“. Gerade im beginnenden Weihnachtsgeschäft würde dieser wichtige Wirtschaftszweig enorm geschädigt werden.

Meldungsliste(1)(22).jpg APA/FRANZ NEUMAYR
Der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) am Donnerstag, 18. November 2021, im Rahmen eines Pressegesprächs zum Thema "Lockdown im Bundesland Salzburg" in Salzburg. 

Salzburg geht ab Montag in den harten Lockdown

Der Lockdown im Bundesland Salzburg tritt mit kommendem Montag (22. November) in Kraft, bekräftigte Landeshauptmann Wilfried Haslauer Donnerstagnachmittag bei einem Mediengespräch. Zur Dauer sagte …

Der angekündigte harte Lockdown in Oberösterreich und Salzburg würded den dortigen Handel richtig viel Geld kosten, so der Handelsverband (HV) in einer Aussendung am Donnerstag. Demnach entgehen den Salzburger Händlern wöchentlich 75 Mio. Euro und ihren oberösterreichischen Kollegen 140 Mio. Euro. "Die Gesundheit der Bevölkerung steht für uns an erster Stelle, aber für unsere Oberösterreichischen und Salzburger Händler ist der vierte harte Lockdown das absolute Worst Case Szenario", sagte Rainer Will vom HV.

Handel hat Auswirkung auf alle

„Wir müssen den Handel retten, nicht nur den Winter-Tourimus“, forderte Höflmaier, der zu diesem Zeitpunkt noch nichts von der Entscheidung des Landes Salzburg wusste. Denn geschlossene Geschäfte hätten Einfluss auf alle Wirtschaftszweige. „Der Lockdown im März (2020, Anm.) hat dem Handel österreichweit eine Milliarde Euro gekostet, im Weihnachtsgeschäft wären es 1,5 Milliarden Euro“, befürchtet der Branchenvertreter. „Es kann auch nicht sein, dass der Lockdown nur für die Verkäufer gilt, aber das Fließband läuft weiter!“

 

Jeder muss Verantwortung tragen

Höflmaier sieht seine Sparte als „Bauernopfer“, das nun die volle Wucht des Lockdowns treffen wird. Seiner Meinung nach brauche es auch weitere Verschärfungen und ein generelles Umdenken. „Ich sehe Kunden, die sich nicht an Regeln halten und keinerlei Solidarität zeigen. Gerade das wäre für die Wirtschaft unverzichtbar. Jetzt macht der Handel einen Bauchfleck“, so Höflmaier etwas genervt. „Wenn sich jeder dafür entschieden hätte, hätte es gar nicht so weit kommen müssen.“

„Ohne Hilfe geht’s nicht“

„Jetzt ist schnelle Hilfe notwendig, nicht ein herumzaudern“, meldete sich WKS-Präsident Buchmüller Donnerstagnachmittag zu Wort.

Um die nächsten Wochen halbwegs unbeschadet zu überstehen, fordert auch der Bundeshandelssprecher der Wirtschaftskammer in Wien Rainer Trefelik Unterstützung seitens des Bundes: „Ohne Hilfen geht’s nicht!“ Er will zwar keinen Lockdown, fordert aber dennoch abgestimmte Lösungen und klare Strategien für alle Bundesländer. „Der lokale Händler fühlt sich natürlich hilflos und ratlos“, spricht Trefelik im S24-Gespräch mögliche „Einkaufs-Flüchtlinge“ in andere Bundesländer an.

„Habe schon damit gerechnet“

Wenig überrascht war Brigitte Hirschegger, Inhaberin vom Modegeschäft „Via Venty“ in der Salzburger Linzergasse. „Ich habe schon mit dem Lockdown gerechnet“, erzählt sie nur wenige Minuten nach der Verkündung des Lockdowns gegenüber S24. Das Geschäft hätte sich in den letzten Tagen ohnehin ein wenig verändert. „Die Leute kommen nur noch, wenn sie unbedingt etwas Bestimmtes brauchen“, schildert die Verkäuferin. Das klassische Flanieren oder Schaufenster-Shopping habe ebenfalls massiv abgenommen. „Wir haben uns schon gefragt, warum wir eigentlich noch im Laden stehen. Die Stimmung war bereits drückend, als wären wir schon im Lockdown.“

Einen großen Teil des Geschäfts habe Hirschegger in letzter Zeit ohnehin schon über den eingerichteten Online-Handel abgewickelt, auf den sie auch nun baut. „Der fängt ein bisschen was auf“.

 

Online-Shopping profitiert

Dass der Online-Handel durch die vorherigen Lockdowns befeuert wurde, ist kein Geheimnis. Aber selbst der Lockdown für Ungeimpfte habe diesem Phänomen in den letzten Tagen einen Schub gegeben, wie Post-Sprecher Markus Leitgeb im SALZBURG24-Gespräch erzählt: „Wir haben einen vermehrten Zugriff auf das regionale Portal shöpping.at bemerkt. Das dürfte mit dem Lockdown für Ungeimpfte zusammenhängen.“

Bei der Post erwartet man in den kommenden Wochen eine regelrechte Flut an Paketen, die zugestellt werden müssen. „Wir gehen davon aus, dass wir im Dezember 2021 über 1,3 Millionen Pakete im Bundesland Salzburg zustellen werden, das sind rund zehn Prozent mehr als noch im Vorjahr. Pro Dezembertag werden wir über 61.000 Pakete zustellen“, prognostiziert Leitgeb. Im Logistikzentrum in Wals-Siezenheim würden über 100.000 Pakete pro Tag sortiert werden, am Standort in Thalgau (beide Flachgau) fast 50.000.

Lockdown ist „Förderprogramm“ für Online-Riesen

Solch ein Ansturm an Paketen bringt die Paketzusteller natürlich ordentlich ins Schwitzen. „Da habe ich sogar ein lachendes Auge, dass die Post nicht nachkommt“, kommentiert Höflmaier von der WKS das Geschehen zynisch. In seinen Augen sei ein Lockdown ein „Förderprogramm“ für den die Online-Riesen. Was dem regionalen Handel einen neuerlichen Stich ins Herz versetzen würde.

(Quelle: SALZBURG24)

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