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Oscar für Kostüme

Julia Körner: "Ich bin völlig überwältigt"

Julia Körner Julia Körner/Pia Clodi
Julia Körner freut sich über den Rummel nach der Oscar-Nacht.

Die Salzburgerin Julia Körner kann es immer noch nicht wirklich fassen. In der Nacht auf Montag wurde der Film "Black Panther" für die besten Kostüme mit einem Oscar ausgezeichnet. Und damit indirekt auch Körner. Im Gespräch erzählt sie, wie sie die Oscar-Nacht erlebt hat und wie 3D-Mode überhaupt entsteht.

Körner hat Krone und Schultermantel für Angela Bassett entworfen, sie spielt im Film die Mutter des Königs von Wakanda.

Black Panther Matt Kenneda/Marvel Studios 2018/Costume Design Ruth Carter

Erster Film für Julia Körner

"Ich bin noch völlig überwältigt von dem Feedback, das mich erreicht", erzählt sie im Gespräch mit SALZBURG24. Den Oscar nahm Ruth Carter entgegen, sie war für das Kostümdesign verantwortlich und hat Körner beauftragt. "Für mich ist das ein total neues Feld. 'Black Panther' ist der erste Film, an dem ich mitgearbeitet habe", schildert die Salzburgerin.

Viele Informationen gab es anfangs gar nicht. Lediglich, dass es in dem Hollywood-Streifen um Afrika und moderne Technologien geht. Später bekam sie die Maße der Schauspielerin und den Namen des Films mitgeteilt. "Erst als die Karten für die Premiere komplett ausverkauft waren, habe ich realisiert, woran ich da mitgearbeitet habe“, blickt sie zurück. Anschließend habe sie sich erst einmal in das ganze Marvel-Universum eingelesen.

THE OSCAR ! Honored to collaborate with Ruth E Carter on the Black Panther and design a 3D-Printed Statement Neck Piece...

Gepostet von Julia Koerner - JK am Sonntag, 24. Februar 2019

Stola für Oscar-Verleihung entworfen

Bei Carter dürfte die Designerin einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Denn nicht nur für den Film, auch für die Verleihung ließ sich die Oscar-Preisträgerin von Körner etwas designen. "Ruth hat mich mit einer 3D-Stola beauftragt. Die entstand ebenfalls am Computer und wurde anschließend mit Swarovski-Steinen besetzt", erzählt Körner. Ein besonderer Moment: Damit wurde erstmals 3D-Mode auf demRoten Teppich getragen.

"3D-Mode gehört die Zukunft"

Geht es nach Julia Körner, so wird das in ein paar Jahren keine Seltenheit mehr sein. "Der 3D-Mode gehört die Zukunft", ist sie sich sicher. Derzeit sei das Verfahren aber noch zu teuer, um wirklich massentauglich zu sein. Außerdem dauert das Entwerfen der Designs relativ lange. Vier Monate dauerte es etwa, die beiden Stücke für "Black Panther" am Computer zu designen. Dafür ist jedes Teil maßangefertigt: Die Körper der Trägerin oder des Trägers werden mit einem 3D-Scan kopiert.

Salzburgerin druckt Mode

Körner beschäftigt sich seit 15 Jahren mit dieser Technologie. "Es ist extrem schwierig, dass es passt und so aussieht, wie am Computer", sagt die Designerin. Zum 3D-Design kam sie über ein "Architekturstudium auf sehr hohem digitalen Niveau". Spezialisiert hat sie sich schließlich auf 3D-Druck und Design mit Robotern. Seit 2012 arbeitet sie mit verschiedenen Designern zusammen, nicht nur im Mode-, sondern auch im Produktdesign. Ihre erste Kollektion präsentierte sie vor sechs Jahren.

Venuskleid Julia Körner/Tom Oldham
Das Venuskleid von Julia Körner wird bald in Salzburg zu sehen sein.

Kleidung wird gespritzt

Die Herstellung von 3D-Kleidung unterscheidet sich stark von der bekannten Textilindustrie. Anstatt herkömmlicher Fasern werden Polymere verwendet – also verschiedene Arten von Plastik. Diese werden entweder mit Laser verschmolzen oder in Form gespritzt. Das Material bleibt dabei flexibel, auch biologisch abbaubare Materialien gebe es laut Körner bereits. "Nähte, Schnittmuster und Größen, wie wir sie kennen, fallen hier weg. Die Kleidung wird wirklich an den Körper angepasst", weiß sie. Bei Schuhen und Brillen würde das bereits jetzt passieren.

Großes Potenzial sieht sie vor allem in der Maßschneiderei. Außerdem könne man geometrische Formen darstellen, "die mit Handarbeit gar nicht möglich sind" und lokal produzieren. Inspiration holt sich die Designerin vor allem aus der Natur. Ihr Venuskleid, das ab März Teil einer Ausstellung im Salzburger Traklhaus ist, ist etwa inspiriert von einem Tiefseeschwamm.

(Quelle: SALZBURG24)

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