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Klimawandel in Salzburg

„Im Oberpinzgau könnten ganze Dörfer schwimmen“

Bringt Hochwassergefahr Menschen um ihren Wohnort?

Die große Hochwassergefahr im Oberpinzgau könnte manche Menschen in Zukunft ihren Wohnort kosten. Denn ohne einen weiteren Ausbau des Hochwasserschutzes könnten ganze Dörfer schwimmen. Sogar über Umsiedelung wird gesprochen.

Das Hochwasser im Juli des vergangenen Jahres dürfte vielen Menschen in Salzburg noch in Erinnerung sein. Besonders hart hatte es den Oberpinzgau erwischt, der dort eingerichtete Hochwasserschutz kam an seine Grenzen. Mindestens 40 Jahre sollte er ursprünglich halten. "Aber jetzt sind wir in einer Situation, wo wir das nicht mehr sagen können", so Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP) bei der Naturgefahrentagung in Zell am See (Pinzgau). Werde der Hochwasserschutz nicht weiter ausgebaut, müsse man diesen "ganz besonderen Landschaftsteil" westlich von Mittersill irgendwann aufgeben, zeichnet er ein düsteres Bild.

Oberpinzgau „Opfer des Klimawandels“

Denn Überschwemmungen dürften angesichts des Klimawandels immer häufiger vorkommen. Prognostiziert wird, dass es in Zukunft zwar nicht öfter regnen wird, aber stärker. "Im Oberpinzgau könnten dann ganze Dörfer schwimmen", meint Martin Zopp vom Referat Schutzwasserwirtschaft des Landes im Gespräch mit SALZBURG24. Die Region sei damit "Salzburgs erstes Opfer des Klimawandels". Ohne entsprechende Maßnahmen stelle sich auch für die Bevölkerung und ansässige Unternehmen irgendwann die Frage, ob man immer wieder aufbauen oder nicht doch lieber absiedeln sollte.

Technische Grenze bei Feuerwehr erreicht

Auch die technischen Möglichkeiten der Feuerwehr seien bei Hochwasser-Einsätzen mittlerweile ausgeschöpft, berichtet Pinzgaus Bezirksfeuerwehrkommandant Klaus Portenkirchner. Man könne das Wasser zwar abpumpen, "aber wohin? Das ist die große Frage", fasst er zusammen. Auch mobile Schutzmauern könne man nicht unendlich hoch bauen.

Unwetter Hollersbach VOGL-Perspektive
Bilder aus Hollersbach zeigen die Unwetterschäden.

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Fokus auf Siedlungsräume

Arthur Schindelegger, Experte für Raumplanung, Naturgefahrenmanagement und Bodenpolitik, sieht eine Lösung im Fokus auf Siedlungsräume. Diese sollen besonders geschützt werden. Bewohner:innen abgelegener Häuser müssten dann aber unter Umständen umgesiedelt werden, wendet Zopp im S24-Gespräch ein. Für Michael Obermoser (ÖVP), Bürgermeister der Gemeinde Wald im Pinzgau, kein schöner Gedanke: "Wir haben seit Jahrhunderten unseren Lebensraum hier."

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v.l.: Wolfgang Urban (Nationalpark Hohe Tauern), Landesrat Josef Schwaiger, Michael Sinnhuber (Bürgerinitivative Oberpinzgau), Michael Obermoser (Bürgermeister Wald), Arthur Schindelegger (TU Wien), Martin Zopp, Thomas Wostal (ZAMG)

Retentionsbecken in Tauerntälern geplant

Von Umsiedelung will auch Schwaiger noch nichts wissen. Stattdessen sollen weitere Rückhaltebecken die Hochwassergefahr künftig verringern und den Gewässern mehr Raum geben. "Breitwasser statt Hochwasser" lautet das Motto. Im Salzachtal seien die Grenzen dabei erreicht. Der Plan ist deshalb, mehr Retentionsflächen in den Tauerntälern zu schaffen.

Hochwasserschutz könnte Bauwidmung ermöglichen

Dabei ist man auch auf die Akzeptanz von einigen Grundbesitzer:innen angewiesen, die ihre landwirtschaftlichen Flächen als Retentionsräume zur Verfügung stellen müssten. Nicht alle von ihnen seien erfreut über das Vorhaben. Zwar bekämen sie die Hochwasserschäden vollständig erstattet, Besitzer:innen von umliegenden, geschützten Grundstücken würden aber um ein Vielfaches mehr profitieren. Denn: "Geschützte Bereiche können zu Bauland umgewidmet werden", erklärt Zopp. "Ein riesen Wertgewinn." Trotzdem hofft Schwaiger, dass die geplanten Retentionsräume errichtet werden können. Denn für ihn steht fest: "Die Wege von heute werden morgen nicht mehr funktionieren."

(Quelle: SALZBURG24)

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