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Mega-Projekt auf Schiene

Kann die Regionalstadtbahn das Stau-Chaos lösen?

Wege aus der Salzburger Verkehrsmisere

Der verkehrs- und staugeplagten Stadt Salzburg soll die Regionalstadtbahn Abhilfe leisten. Neu ist diese Idee nicht, die Vision einer Lokalbahn-Verlängerung in Richtung Süden geistert schon seit mehr als 30 Jahren durch die Mozartstadt. Nun scheint der Weg frei für das Mega-Projekt. Am Mittwoch starteten die ersten Probebohrungen am Mirabellplatz.

Salzburg, Lamprechtshausen, Hallein

Die unterirdische Verlängerung der Lokalbahn durch die Landeshauptstadt dürfte tatsächlich bald Realität werden. Stadt und Land Salzburg drücken beim Ausbau des Öffentlichen Verkehrs aufs Gas: "Jetzt ist das Zeitfenster offen, die Gelder zu organisieren", erklärte Verkehrs-Landesrat Stefan Schnöll (ÖVP) Anfang dieses Jahres.

Zehntausende Pendler auf Salzburgs Straßen

"In der Stadt Salzburg ist aufgrund der Topografie zu wenig Platz für den Verkehr, der hier durchfließt", führte Schnöll erst kürzlich gegenüber SALZBURG24 aus: "Durch die Verlängerung der Salzburger Regionalstadtbahn bis nach Hallein schaffen wir ein attraktives Angebot, welches zur Verlagerung des Individualverkehrs hin zum öffentlichen Verkehr enorm beitragen soll."

Regionalstadtbahn, Salzburg, Einzugsgebiet Land Salzburg
Das Einzugsgebiet der Stadt Salzburg umfasst mehr als eine Million Menschen., bis zu 100.000 Pendler sind täglich in der Mozartstadt unterwegs.

Ein Vorteil für die verkehrsgeplagte Landeshauptstadt sei, dass die Regionalstadtbahn nicht im Stau steht und somit ein Verkehrsmittel ist, das planbar und flexibel nutzbar sei. Mehr als 100.000 Pendler waren in der Zeit vor Corona täglich auf Salzburgs Straßen unterwegs.

Öffentlicher Verkehr im Fokus

Ein Blick in die Salzburger Stadtchronik zeigt: Diese Idee ist absolut nicht neu. 1983 hat der Arbeitskreis Verkehrspolitik die Errichtung einer unterirdischen Stadtbahn vom Hauptbahnhof nach Nonntal vorgeschlagen. Sieben Jahre später wurde das politisch fixiert, passiert ist bis dato jedoch nichts – außer einer Tieferlegung des Lokalbahnhofs Mitte der 1990er-Jahre. "30 Jahre – eine lange Zeit der vergeudeten Chancen", beschreibt Peter Haibach vom Forum Mobil im Gespräch mit S24 die Regionalstadtbahn-Odyssee.

"Wie soll Salzburg 2050 aussehen?"

Die Technik sei längst ausgereift, es hänge jedoch an den kolportierten Kosten, meint der Verkehrsexperte: "Die Frage muss lauten: Wie soll Salzburg 2050 aussehen und was können bzw. wollen wir uns leisten?" Haibach kritisiert, dass es kein Gesamt-Verkehrskonzept für den Salzburger Zentralraum gebe und die Politik sich mit der Regionalstadtbahn und dem Ausbau der Mönchsberggarage auf zwei Mega-Projekte konzentriere. "Das ist der falsche Weg", moniert der Obmann vom Forum Mobil. "Nur mit zusätzlichen Maßnahmen können Autos aus der Salzburger Innenstadt verdrängt und der Verkehr nachhaltig verringert werden."

Bund übernimmt Hälfte der Kosten

Seit 1996 fährt die Salzburger Lokalbahn von Lamprechtshausen (Flachgau) bis zum Hauptbahnhof. Wer weiter in die Landeshauptstadt möchte, muss in den Obus umsteigen. Der Tunnel bis zum Kiesel wurde damals auch schon weitergegraben. Nun starteten am Mirabellplatz die Probebohrungen. Damit soll die Beschaffenheit des Bodens erkundet und die Vorstudie verifiziert werden.

Laut einer Machbarkeitsstudie von 2018 kostet das Projekt dieser 750 Meter langen "Mini-U-Bahn" rund 150 Millionen Euro. Die Reisezeit vom Bahnhof bis zum Mirabellplatz würde demnach 75 Sekunden betragen – das ist schneller als auf der Straße. Das Verkehrsministerium hat die finanzielle Unterstützung für die Verlängerung der Salzburger Lokalbahn vom Hauptbahnhof bis zum Mirabellplatz und auch für die Modernisierung der Strecke von Lamprechtshausen in die Landeshauptstadt bereits zugesichert – trotz Corona-Krise.

Demnach will der Bund 50 Prozent der Baukosten tragen. Stadt und Land Salzburg teilen sich die andere Hälfte der Kosten. Bis zum Ende des heurigen Jahres soll das Vorprojekt vorliegen. Geplanter Baubeginn ist 2023, die Inbetriebnahme wird für 2025/26 anvisiert. "Diese Kosten sind im Rahmen der bisherigen Erwartungen bzw. budgetär abgedeckt", hieß es dazu am Mittwoch auf S24-Nachfrage im Büro von Bürgermeister Harry Preuner (ÖVP).

Trassenführung ober- oder unterirdisch?

Wie die Trasse der Regionalstadtbahn endgültig ausschauen soll, ist noch völlig offen – und auch die Frage, wo und wie lange sie unter bzw. ober der Erde fahren soll. "Wichtig darüber hinaus ist die Abstimmung mit dem innerstädtischen ÖPNV-Netz und die Anbindung der überregionalen Bus- und Zugverkehre in einem Gesamtkonzept", gibt Preuner zu bedenken. Hier gibt es offenbar Nachholbedarf, wie schon Verkehrsexperte Haibach zuvor kritisierte.

Regionalstadtbahn, Salzburg, Mögliche Trassenführung Land Salzburg
Die möglichen Varianten für die Salzburger Regionalstadtbahn: Die endgültige Trassenführung soll Ende 2020 fixiert werden.

Auch wenn Salzburg mit seinen 150.000 Bewohnern keine Großstadt ist, das Einzugsgebiet im 50-Kilometer-Radius mit 1,1 Millionen Menschen ist riesig. Anbindungen sind nicht nur für die Lokalbahn, sondern auch für die Schnellbahn aus Straßwalchen (S1) und das Stiegl-Gleis geplant. Die Kosten für den kompletten Nord-Süd-Korridor werden auf etwa 650 Millionen Euro geschätzt.

Seit letztem Jahr prüft die Projektgesellschaft eine teilweise unterirdische Variante mit einem Umstiegsknoten am Rudolfskai. Der Verlauf der Regionalstadtbahn-Trasse im Raum Anif-Grödig-Hallein soll im Einvernehmen mit den Anrainergemeinden geklärt werden. Als Ende des Tunnels steht immer noch der Bereich der Akademiestraße im Raum.

Regionalstadtbahn: Probebohrungen am Mirabellplatz gestartet APA/BARBARA GINDL
Bürgermeister Preuner (li.) und Landesrat Schnöll (re.) bei den ersten Probebohrungen am Mirabellplatz.

Klar ist auch, dass für das Gesamtprojekt eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) notwendig wird. Die Bauleitung hofft, dass man die erste, 750 Meter lange Bauetappe bis zum Mirabellplatz ohne UVP vorziehen darf, wenn man sich gleichzeitig verpflichtet, diese im Gesamtverfahren zu berücksichtigen.

Es gibt also noch einiges zu tun in Sachen Regionalstadtbahn. Ob dann auch alles so kommt, wird sich zeigen. "Unseren Experten zufolge wird eine seriöse Kostenschätzung das Zwei- bis Dreifache von dem ergeben, was derzeit im Raum steht", sagt Verkehrsexperte Haibach und ergänzt: "Ich befürchte, dass das Mega-Projekt deswegen erneut begraben wird."

Kommende Meilensteine der Regionalstadtbahn

  • Abschluss des Vorprojekts für den 1. Abschnitt zwischen Hauptbahnhof und Mirabellplatz
  • Anfang 2021: Beginn der Einreichplanung (unter Berücksichtigung möglicher Verknüpfungen zu bestehenden ÖBB-Strecken)
  • Ende 2023: Baubeginn 1. Bauabschnitt zwischen Hauptbahnhof und Mirabellplatz
  • Parallel dazu bereits ab 2020 Start des Trassenauswahlverfahrens für den anschließenden Abschnitt durch die Salzburger Innenstadt, damit ein Korridor für den weiteren Verlauf festgelegt ist
  • Fixierung der Trasse weiter südlich bis zum Endbahnhof Hallein in einem Vorprojekt sowie Einleitung der nächsten Planungsschritte
(Quelle: SALZBURG24)

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