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"Gratis-Öffis lösen Stauproblem nicht"

Preisfrage laut Experte nicht entscheidend

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In der Stadt Salzburg fahren Touristen nicht kostenlos mit dem Bus (SYMBOLBILD).

Im Pinzgau und im Tennengau fahren Touristen gratis mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Bürgerliste fordert ein ähnliches Angebot für die Stadt Salzburg, um den Verkehr verstärkt auf die Öffis umzulenken. Könnte Salzburgs Verkehrsproblem gelöst werden, wenn künftig jedermann kostenlos mit Bus und Bahn durchs gesamte Bundesland fahren könnte? Nein, ist Peter Haibach vom Forum Mobil überzeugt. Im Gespräch mit SALZBURG24 erläutert der Verkehrsexperte, wo es auf Salzburgs Straßen hakt.

Im Pinzgau, im Tennengau und künftig auch in Innsbruck zahlen Touristen nichts für die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. „So ein Angebot macht natürlich Sinn. Die Frage ist eben immer, wie sich das Gratis-Ticket finanzieren lässt“, betont Haibach. In Salzburgs Gauen kommen die Touristiker dafür auf, in Innsbruck zahlen die Touristen das Angebot durch die Tourismusabgabe selbst. Für die Stadt Salzburg mahnt der Verkehrsexperte „keinen Schnellschuss zu machen, nur weil Innsbruck etwas beschlossen hat.“

"Angebot schafft Nachfrage"

Ohnehin würde ein Gratis-Ticket für Touristen nicht das Verkehrsproblem der Stadt Salzburg lösen, ist Haibach überzeugt: "Es würde nämlich kaum etwas daran ändern, dass in Salzburg zu viele Autos unterwegs sind."

Gratis-Öffis für jedermann in Salzburg würden ebenso nur bedingt für Verbesserung auf Salzburgs Straßen sorgen, glaubt der Experte: "Zuerst muss das Angebot passen. Es muss jeder in Salzburg mit Bus und Bahn überall hinkommen. Dann denke ich, dass die Leute bei einem solchen Angebot auch gerne Geld in die Hand nehmen würden.“ Denn: „Angebot schafft Nachfrage."

Verkehrsangebot soll ausgebaut werden

Daher sei das Finanzielle laut Haibach auch nicht der Grund, wieso derzeit die öffentlichen Verkehrsmittel im Bundesland Salzburg nicht ausreichend genutzt werden: "Es fehlt an Anschlusssicherheit. Wenn in der Stadt Salzburg um 8 Uhr abends der letzte Bus nach Koppl geht, funktioniert ein Theater-Besuch nur mit dem Auto."

Ins selbe Horn stößt auch Johannes Gfrerer, Pressesprecher von Salzburg Verkehr: "Es ist nicht der Preis, der alle Probleme löst. Zunächst muss man das Angebot so ausbauen, dass es attraktiv und verlässlich ist, damit die Leute Bus und Bahn nutzen. Wenn man mit den Öffis nicht mehr nach Hause kommt oder der Bus immer im Stau steht, wird man die Öffis auch nicht nutzen. Daher sind das die Stellschrauben, an denen man eher drehen muss als bei den Preisen."

Gratis-Öffis in Salzburg schwer finanzierbar

Wie realistisch sind denn Gratis-Öffis im ganzen Bundesland überhaupt? "Ein solches Unterfangen ist von der Finanzierbarkeit her problematisch", gibt Gfrerer im S24-Gespräch zu bedenken. So würden sich die Kundenzahlungen bei Salzburg Verkehr auf etwa 50 Millionen Euro pro Jahr summieren: "Dieses Geld würde uns dann fehlen. Dazu würde die Nachfrage steigen und man müsste wiederum ein zusätzliches Angebot schaffen. Da ist man dann relativ schnell auf 100 Millionen Euro", erläutert der Pressesprecher. "Da stellt sich die Frage, ob man dieses Geld nicht eher direkt in Maßnahmen oder das Angebot investieren sollte."

Wirtschaft soll Öffis unterstützen

Das wünscht sich auch Haibach: "Ein ganzheitliches Verkehrssystem muss geschaffen werden, wo das Öffi-Netz zwischen Stadt und Land Salzburg abgestimmt ist." Der Verkehrsexperte fordert zudem Unterstützung vonseiten der Wirtschaft ein: "Es wäre wichtig, dass Firmen damit aufhören, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Gratis-Parkplätze zur Verfügung zu stellen." Vielmehr sollen Unternehmen Jahreskarten für die öffentlichen Verkehrsmittel anbieten, so Haibachs Wunsch: "So würden die Unternehmen zu einem verstärkten Umstieg auf die Öffis beitragen."

(Quelle: SALZBURG24)

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