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Hohe Abtreibungsrate

Gynäkologe fordert günstigere Verhütung

Verhütung, Sex, Liebe, Bett, Paar, SB APA/dpa/Christophe Gateau/SYMBOLBILD
Laut Verhütungsreport wünscht sich ein Großteil der Österreicherinnen und Österreicher kostenlose oder günstigere Verhütungsmethoden.

Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Salzburg ist seit Jahren mehr oder weniger konstant. Für den Leiter der Gynmed Ambulanz im Uniklinikum Salzburg, Dr. Christian Fiala, liegt dies vor allem an fehlenden Verhütungskampagnen und zu wenig finanzieller Unterstützung für Langzeitmethoden.

Zwischen 765 und 902 Abbrüchen wurden seit 2005 jährlich in Salzburg durchgeführt (hier haben wir die Daten für euch aufbereitet). Bei der Anzahl der Abbrüche gebe es zwar keinen Anstieg, jedoch sei die Zahl – im Schnitt zwei Abtreibungen pro Tag – hoch. "Die konstant hohe Nachfrage über diesen langen Zeitraum ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass Maßnahmen zur Prävention ungewollter Schwangerschaften im Bundesland entweder nicht existieren oder wenig wirksam sind", kritisiert Fiala im Gespräch mit SALZBURG24. Er sieht die Politik in der Verantwortung, die Salzburgerinnen – und auch die Salzburger – in der Vorbeugung ungewollter Schwangerschaften besser zu unterstützen, parallel zur Unterstützung im Leben mit gewollten Kindern.

Weniger Abtreibungen durch günstigere Verhütung

Denn: Wie der Jahresbericht der Gynmed Ambulanz weiters aufzeigt – hier werden in Salzburg die meisten Abtreibungen durchgeführt – sind die meisten Frauen zwischen 20 und 35 Jahren alt und haben bereits eines oder mehrere Kinder.

Trotz bekannter Datenlage sei hier in der Vergangenheit zu wenig geschehen, sagt der Mediziner. Aufgrund von Urlauben waren am Donnerstag weder Familien- und Frauenlandesrätin Andrea Klambauer (NEOS) noch Gesundheitslandesrat und Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl (ÖVP) für SALZBURG24 zu erreichen.

Wunsch nach mehr Möglichkeiten und besserer Beratung

Die Reduktion von Schwangerschaftsabbrüchen sei nur möglich mit einer häufigeren Anwendung von wirksamen Verhütungsmethoden, ist Fiala überzeugt. 46 Prozent der Patientinnen (282) haben im Vorjahr gar nicht verhütet, 38 Prozent (222) mit Kondom. Lediglich neun Abbrüche wurden trotz vorheriger Verhütung mit einer Spirale durchgeführt.

 

Ebensolche Langzeitmethoden wie Spirale, Implantat oder auch Sterilisation müssten finanziell unterstützt werden, fordert der Experte. Aktuell werden Verhütungspräparate von Gynäkologen zwar verschrieben, sie sind aber selbst zu bezahlen. Finanzielle Unterstützung gibt es dafür nicht. "Für eine Spirale müssen auf einen Schlag mehrere hundert Euro bezahlt werden. Das ist nicht für jeden leistbar", sagt Fiala. Laut dem Österreichischen Verhütungsreport 2019 würden bei einer Kostenübernahme 56 Prozent der rund 1.700 Befragten (im Alter zwischen 16 und 49 Jahren) auf eine Langzeitmethode wechseln. Neben dem Wunsch nach kostenloser oder günstigerer Verhütung, wünschen sich die Österreicherinnen und Österreicher laut Report auch mehr öffentliche Information und Beratung zu den Möglichkeiten. Wie der Report unter anderem aufzeigt, würde sich die Anzahl der Abbrüche in Österreich um ein Drittel reduzieren, das sind 10.000 pro Jahr, wenn die Verhütung kostenlos wäre.

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Arzt gegen erschwertem Zugang zu Schwangerschaftsabbruch

Den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen zu erschweren, ist für den Leiter der Gynmed Ambulanz hingegen nicht der richtige Weg, um die hohe Zahl an Abtreibungen zu senken. "Während der Beratung im Zuge der Behandlung entscheidet sich nahezu keine Frau um", so der Arzt, "Es ist eine Illusion zu glauben, man könnte einer Frau gut zureden und dann würde sie eine ungewollte Schwangerschaft doch austragen."

(Quelle: SALZBURG24)

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