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Schwangerschaftsabbrüche

Mögliche Methoden in Österreich

Gynäkologe Gynmed
Eine Abtreibung kann medikamentös oder chirurgisch durchgeführt werden.

Seit Jahren ist die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche im Bundesland Salzburg konstant – zwischen 765 und 902 Behandlungen wurden seit 2005 jährlich durchgeführt. Wir klären, welche Möglichkeiten es gibt und wie hoch die Kosten sind.

In Salzburg werden Schwangerschaftsabbrüche zum größten Teil in der Gynmed Ambulanz im Uniklinikum Salzburg durchgeführt. Unterschieden wird zwischen drei Methoden: Dem chirurgischen Abbruch, dem medikamentösen Abbruch und der Curettage. Letztere, die Ausschabung der Gebärmutter, gilt als veraltet.

Drei Möglichkeiten des Schwangerschaftsabbruchs

Der chirurgische Abbruch kann grundsätzlich bis zur 14. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden – entweder unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose. Dabei wird die Gebärmutter mit einem dünnen Plastikrohr abgesaugt.

Seit 1999 – also 24 Jahre nach der gesetzlichen Möglichkeit zur Abtreibung – ist ein Schwangerschaftsabbruch auch medikamentös möglich. Das Hormonpräparat löst eine künstliche Fehlgeburt aus. Im Gegenzug zum chirurgischen Eingriff dauert dies einige Tage lang und ist nur bis zur neunten Woche erlaubt. Aber auch ein Spätabbruch aus medizinischen Gründen wird meist medikamentös durchgeführt.

Schwangerschaftswoche bestimmt Preis

Die Kosten belaufen sich in Salzburg bis zur zehnten Woche auf 560 Euro, zwischen zehnter und 14. Woche sind für einen Schwangerschaftsabbruch 600 Euro zu bezahlen. Die Sozialversicherung erstattet die Summe nur dann, wenn medizinische Gründe die Abtreibung erforderlich machen.

Abtreibungen seit 1975 in Österreich straffrei

Generell sind Abtreibungen seit 1. Jänner 1975 in Österreich straffrei. Dies ist allerdings an gewissen Voraussetzungen geknüpft. In den ersten drei Monaten (nach der 14. Woche) darf die Schwangerschaft nach ärztlicher Beratung beendet werden. Keine zeitliche Beschränkung gibt es etwa dann, wenn "eine ernste Gefahr besteht, dass das Kind geistig oder körperlich schwer geschädigt" sein wird. Sogenannte Spätabbrüche sind ebenfalls erlaubt, wenn das Leben der Frau in Gefahr ist oder die Mutter zum Zeitpunkt der Zeugung unter 14 Jahre alt war.

Geregelt ist der Schwangerschaftsabbruch im Strafgesetzbuch. Laut Paragraf 96 ist Abtreibung zwar mit Freiheits- oder Geldstrafen bedroht - Paragraf 97 legt allerdings Ausnahmen fest. Ein Beenden der Schwangerschaft ist Paragraf 97 zufolge nicht strafbar, wenn der Abbruch "innerhalb der ersten drei Monate nach Beginn der Schwangerschaft nach vorhergehender ärztlicher Beratung von einem Arzt vorgenommen wird". Zeitlich unabhängig abtreiben darf man auch, wenn anders eine ernste Gefahr für das Leben oder ein schwerer Schaden für die körperliche und seelische Gesundheit der Frau nicht abgewendet werden kann oder bei der Zeugung Unmündigkeit bestand. Ebenfalls als straffreier Grund für eine Abtreibung anerkannt ist eine Behinderung des Kindes, wörtlich wenn "eine ernste Gefahr besteht, dass das Kind geistig oder körperlich schwer geschädigt sein werde". In all diesen Fällen muss ein Arzt den Abbruch vornehmen.

Immer wieder politische Diskussionen um Abbrüche

Per Gesetz ist kein Arzt verpflichtet, einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen oder an ihm mitzuwirken - "es sei denn, dass der Abbruch ohne Aufschub notwendig ist, um die Schwangere aus einer unmittelbar drohenden, nicht anders abwendbaren Lebensgefahr zu retten". Schließlich heißt es in Paragraf 97 auch noch: "Niemand darf wegen der Durchführung eines straflosen Schwangerschaftsabbruchs oder der Mitwirkung daran oder wegen der Weigerung, einen solchen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen oder daran mitzuwirken, in welcher Art immer benachteiligt werden."

Das Gesetz – "Fristenregelung" – ist 1974 nach harten Kontroversen letztlich nur mit den Stimmen der damals mit absoluter Mehrheit ausgestatteten SPÖ beschlossen worden und am 1. Jänner 1975 in Kraft getreten. Nach dem Gesetzesbeschluss ging die öffentliche Debatte mit Kundgebungen Pro und Contra weiter. Befürworter verwiesen auf das Selbstbestimmungsrecht der Frauen, Gegner sprachen von Mord. Im November 1975 erreichte ein Volksbegehren zum "Schutz des menschlichen Lebens", also gegen die Fristenlösung, nur 18 Prozent Zustimmung. Besonders die Nationalratswahlkämpfe 1986 und 1990 waren geprägt von einschlägigen Diskussionen.

(Quelle: SALZBURG24/APA)

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