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Diese Betriebe sind dabei

"Too Good To Go" will Salzburg auf Kopf stellen

Größte App gegen Lebensmittelverschwendung gestartet

Zehn Prozent des Restmülls in Salzburg sind Lebensmittel – oft sogar noch originalverpackt und genießbar. Vor allem Gastronomiebetriebe sind täglich mit überschüssigem Essen konfrontiert und meist gezwungen, dieses wegzuwerfen. Die weltweite Initiative „Too Good To Go“ sagt dieser Art der Lebensmittelverschwendung den Kampf an. Der Erfolg gibt ihr Recht: 16 Mio. App-Downloads in 14 europäischen Ländern. Und jetzt wird Salzburg auf den Kopf gestellt.

Nach Wien, Linz und Graz ist "Too Good To Go" am Mittwoch (12. Februar 2020) offiziell in Salzburg gestartet. Rund 40 Gastrobetriebe im Bundesland (eine Liste findet ihr unten im Text) sind schon jetzt Teil der Initiative und bieten über die "Too Good To Go"-App übriggebliebene Lebensmittel zum vergünstigten Preis an. „Wir haben im August letzten Jahres in Österreich angefangen und nach dem es in den anderen Städten schon so gut geklappt hat, wollten wir jetzt unbedingt in Salzburg loslegen“, schildert Country Manager Georg Strasser (32) beim Interview mit SALZBURG24 in der Stiegl-Brauwelt, einem der Partnerbetriebe von "Too Good To Go". Österreichweit sind bis dato 430 Partnerbetriebe dabei, 110.000 Mahlzeiten wurden in Wien, Linz und Graz bereits gerettet.

Too Good To Go SALZBURG24/Wurzer
"Too Good To Go"-Country Manager Georg Strasser im Interview mit Nicole Schuchter.

So funktioniert "Too Good To Go"

Das Konzept ist einfach: Essen, das in Restaurant, Hotels, Bäckereien oder Lebensmittelgeschäften übrig bleibt, kommt in ein Überraschungssackerl. Der User kann dieses über die App reservieren und bezahlen und zum vergünstigten Preis beim Lokal abholen. Warum Überraschungssackerl? „Weil der Betrieb in der Regel ja nur weiß, dass etwas übrig bleibt, aber nicht weiß, was übrig bleibt“, erklärt Strasser. Eine Mahlzeit kostet zwischen 2,99 und 4,99 – also immer ein Drittel des Original-Verkaufspreises (davon gehen zwischen 20 und 30 Prozent als Vermittlungsprovision an „Too Good To Go“). Und damit entstehe eine Win-Win-Win-Situation: Der Konsument kommt günstig an ein leckeres Essen, die Betriebe müssen weniger Lebensmittel wegwerfen, was wiederrum die Umwelt entlastet.

 

Klimaschutz im Mittelpunkt

Das Sozialunternehmen trifft mit der Idee den aktuellen Zeitgeist. Nachhaltigkeit und Klimaschutz stünden „ganz klar“ im Mittelpunkt von „To Good To Go“, so Strasser. „Ein Drittel aller Lebensmittel, die produziert werden, werden weggeworfen und das hängt zentral mit der Klimakrise zusammen. Wir wissen, wenn wir eine Mahlzeit oder ein Überraschungssackerl retten, dann ist das Gleiche, als würden wir 2,5 Kilogramm CO2 einsparen.“ So werde beispielweise auch auf eine umweltschonende Verpackung Wert gelegt. „Am liebsten ist es uns, wenn die Leute einfach selbst ihr Behältnis mitbringen. Alternativ stellen wir den Betrieben aber auch organisch abbaubare Essensboxen zur Verfügung.“

Angebot in Salzburg soll wachsen

Für Salzburg zeigt sich Strasser zuversichtlich. "Wir wünschen uns natürlich bis zum Endes des Jahres noch viele weitere Betriebe aus dem ganzen Bundesland, die bei uns mitmachen." Bis 2021 will man in allen Städten und Ballungsräumen österreichweit vertreten sein.

Interessierte Betriebe können ganz einfach mitmachen, in dem sie sich einmalig über die Homepage registrieren. Neben der Vermeidung von Lebensmittelverschwendung sieht Strasser für die Betriebe noch weitere Vorteile: „Das Lokal hat keine Entsorgungskosten, kann über einen anderen Kanal noch Umsatz machen und es entsteht ein zusätzlicher Marketingeffekt.“

 

Diese Betriebe in Salzburg sind dabei:

  • Stiegl Brauwelt
  • Bäckerei Bauer (Gesamtes Filialnetz im ganzen Bundesland Salzburg)
  • Apetyt
  • Zum Sarr
  • Bäck um's Eck
  • The Keep Eco Residence
  • The Heart of Joy
  • Café Glüxfall
  • Bäckerei Rößlhuber
  • Bäckerei Unterbäck (mehrere Filialen)
  • Paracelsus Café im Park
  • Café Vielfalt
  • Hotel Rosenvilla
  • Café Glockenspiel
  • Daghofer's
  • Resch & Frisch (mehrere Filialen)
  • Genuss Pro Gramm
  • Schmaus & Browse
  • Bauchladen
  • Nordsee (mehrere Filialen)
  • Fitmeat
  • basic Bio-Genuss für alle Supermarkt

So kam es zu „Too Good To Go“

Die App „Too Good To Go“ ist weltweit die größte App gegen Lebensmittelverschwendung. Die Idee kommt ursprünglich aus Dänemark und entstand laut Unternehmensgeschichte während eines Restaurantbesuchs in Kopenhagen. Dort hatten die beiden Freunde Thomas Momsen und Stian Olesen beobachtet, wie das übriggebliebene Essen weggeworfen wurde. Nach kurzem Nachforschen wurde ihnen klar, dass dieses Vorgehen gängige Praxis bei den vielen gastronomischen Betrieben ist. Gemeinsam mit den IT-Experten Adam Sigbrand, Brian Christensen und Klaus Pedersen gründeten sie im Jahr 2016 “Too Good To Go”. Heute ist die Initiative in 14 Ländern aktiv, rund 31 Millionen Mahlzeiten wurden seither vor dem Wegwerfen gerettet.

(Quelle: SALZBURG24)

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10 Prozent unseres Mülls sind Lebensmittel

Lebensmittel, Müll APA/dpa-Zentralbild
Zehn Prozent des Restabfalls in Salzburg sind weggeworfene, meist noch genießbare, Lebensmittel. 

19 Kilo Lebensmittel wirft jede und jeder von uns pro Jahr in den Restmüll. Das sind pro Haushalt Produkte im Wert von rund 300 Euro. Die Übergangsregierung stellt die Lebensmittelverschwendung in Österreich derzeit mit einem eigenen Aktionsprogramm in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Und schaut man sich die Menge an weggeworfenen Lebensmitteln in Salzburg an, haben wir keinen Grund, uns zu rühmen.

Hand aufs Herz, wie schnell wandert ein abgelaufenes Joghurt bei euch vom Kühlschrank in den Restmüll – ohne, dass ihr es aufgemacht habt? Zehn Prozent des Salzburger Restabfalls sind laut Informationen des Landes Salzburg angebrochene und original verpackte Lebensmittel. 20 Prozent der weggeworfenen Lebensmittel im Bundesland landen nur deshalb im Müll, weil die Etikettierung missverstanden wird.

Österreichweit landen 157.000 Tonnen an Lebensmitteln jährlich in der Tonne. Trends, wie z.B. der steigende Außer-Haus-Konsum, führten zu einer Verschärfung der Situation, informierte etwa das Bundeskanzleramt kürzlich.

Laut einer aktuellen Studie könnten mit allen weggeworfenen Lebensmitteln der Haushalte in der Europäischen Union rund 200 Millionen Menschen ein Jahr lang ernährt werden.

Und noch eine Zahl: Alleine 30 Prozent der Umweltbelastungen werden durch die Nahrungsmittelproduktion verursacht. Lebensmittel – vor allem die verarbeiteten – gehören zu den ressourcenintensivsten Produktgruppen. Eine Tonne Lebensmittelabfälle ist für 4,5 Tonnen CO² verantwortlich. Das heißt, auch der Umgang mit Lebensmitteln wirkt sich auf unser Klima aus.

Aktionsprogramm der Übergangsregierung

„Es werden immer noch zu viele wertvolle Lebensmittel unnötig entsorgt“, sagte Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein kürzlich. Sie stellt das Thema Lebensmittelverschwendung gemeinsam mit Nachhaltigkeitsministerin Maria Patek mit einem eigenen Aktionsprogramm unter dem Motto „Lebensmittel sind kostbar“ in den Mittelpunkt. Ziel ist es, der Lebensmittelverschwendung auch von politischer Seite mehr entgegenzuwirken und die Weitergabe von noch genießbarem Essen an soziale Dienste oder Bedürftige auszubauen.

Lebensmittelverschwendung, Bierlein BKA
Die Wiener Tafel setzt sich seit 20 Jahren dafür ein, dass übriggebliebene Lebensmittel an Bedürftige weitergeben werden. Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein und Nachhaltigkeitsministerin Maria Patek haben die Wiener Tafel und andere Organisationen zu einem Austausch ins Bundeskanzleramt geladen. Das gemeinsame Ziel lautet: Die Lebensmittelweitergabe noch weiter auszubauen und zu intensivieren. Im Bild: Nachhaltigkeitsministerin Maria Patek, die Geschäftsführerin der Wiener Tafel, Alexandra Gruber, und Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein.

ÖVP will Wegwerf-Verbot für Supermärkte

Ein anderer Vorschlag zur Lebensmittelvermeidung aus der Politik hat erst kürzlich die Gemüter erregt. So will die ÖVP gesetzlich regeln, dass Supermärkte künftig genussfähige Lebensmittel nicht mehr wegschmeißen dürfen (SALZBURG24 hat berichtet). Derzeit buche der Handel pro Jahr rund 80.000 Tonnen an Produkten aus, nur 12.000 Tonnen würden an Bedürftige weitergegeben. In der nächsten Legislaturperiode solle ein Verbot beschlossen werden, "das zumindest für große Supermärkte gilt".

Spar-Chef: "Handel nicht für Problem verantwortlich"

Gerhard Drexel, Chef des Lebensmittelkonzerns Spar, mit Sitz ist Salzburg, reagierte in einem am Dienstag veröffentlichten APA-Interview und wehrte sich gegen die Kritik einer verschwenderischen Lieferkette im Handel. "42 Prozent der Lebensmittelabfälle werden im Privathaushalt weggeworfen. Nur fünf Prozent der Lebensmittelabfälle kommen vom Handel. Wir und unsere Mitbewerber haben für jede Verkaufsstelle eine zugewiesene Sozialeinrichtung, um noch genießbare Produkte abzuholen“, sagt Drexel.

 

Mindesthaltbarkeits-Datum ist kein Ablaufdatum

Viele noch nicht geöffnete Produkte schmecken gut und können bedenkenlos verzehrt werden, auch wenn das Mindesthaltbarkeits-Datum bereits überschritten wurde. Nutzt eure Sinnesorgane, um die Lebensmittel zuerst zu überprüfen. Schaut, riecht und Schmeckt!

Wusstet ihr, dass…

  • durchschnittlich 10 Prozent des Salzburger Restabfalls angebrochene und original verpackte Lebensmittel sind?
  • viele Lebensmittel auch nach abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum noch genießbar sind?
  • das Verbrauchsdatum nur bei leicht verderblicher Ware angeführt wird und diese nach Ablauf nicht mehr verkauft werden darf?
  • jeder Salzburger ca. 19 Kilo essbare Lebensmittel im Jahr einfach wegschmeißt?
  • dass sich Obst und Gemüse bei der Lagerung nicht gut miteinander vertragen?
  • auch Lebensmittel das richtige Platzerl brauchen um sich wohlzufühlen?
  • man ganz einfach testen kann, ob Eier frisch sind?

Aufgerufen am 02.04.2020 um 08:05 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/too-good-to-go-app-gegen-lebensmittelverschwendung-startet-in-salzburg-83401738

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