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Gerüchte und Fakten

Umstrukturierung der Uni Salzburg – was jetzt?

Mit welchen Konsequenzen Studierende rechnen müssen

SB, Unipark Nonntal, Universität Salzburg SALZBURG24/Wurzer
Die Uni Salzburg steht vor einigen Veränderungen. (SYMBOLBILD)

Die Paris-Lodron-Universität Salzburg (PLUS) steht vor großen Herausforderungen. Ein neuer Organisationsplan muss bis Ende des Jahres stehen. Und dabei muss auch das Budget im Auge behalten werden. Über die Vorschläge wie umstrukturiert werden soll, sind nicht alle erfreut. Die Studierenden treffen die Änderungen am härtesten. Diese würden aber weniger in die Diskussionen über die Pläne eingebunden, kritisiert die ÖH-Vorsitzende Keya Baier. Was genau sich für die Studierenden ändert, lest ihr nun.

Im Detail gibt Vizerektor für Lehre und Studium Martin Weichbold im Gespräch mit SALZBURG24 die Umstrukturierungsspläne noch nicht preis. Das Rektorat stehe bis Ende Juli noch im regen Austausch mit allen Fachbereichen, ehe es im Herbst zu einem intensiven Diskussionsprozess komme. Bis Ende des Jahres muss das neue Konzept dem Ministerium bekannt gegeben werden. Konkret geht es darum, wie die Fakultäten und deren Fachbereiche an der Uni Salzburg für die nächsten sechs Jahre aussehen sollen.

Positionspapier Umstrukturierungen der ÖH an der Universität Salzburg Egal was für Änderungen an der Universität...

Gepostet von ÖH Uni Salzburg am Dienstag, 21. Juli 2020

Wird zu wenig kommuniziert?

Vom regen Austausch mit den Beteiligten bekomme die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) allerdings weniger mit. Keya Baier, Vorsitzende der ÖH, kritisiert die Vorgehensweise des Rektorats sehr. Im Gespräch mit SALZBURG24 sagt sie: „Es ist absolut verwerflich, wie wenig die Studierenden mit in die Entscheidungen eingebunden werden.“ Sie beklagt nicht nur die Inhalte der Pläne, sondern auch die Art und Weise der Kommunikationen. „Wir wurden mit den Vorschlägen top-down konfrontiert. Und diese haben schon sehr fix geklungen. Da war nicht viel Platz für Gegenvorschläge.“

Fakultäten sollen neu aufgestellt werden

Vizerektor Weichbold lässt Themenfelder, um denen es sich bei der Umstrukturierung handeln soll, anklingen. Er spricht von einem Nachholbedarf der Uni Salzburg in Bereich der Digitalisierung: „Nicht nur für die Uni, sondern auch für Stadt und Land Salzburg ist das ein attraktives Feld“, sagt er.

Weiters – und das stößt auf Kritik seitens der ÖH – mache sich das Rektorat Gedanken über die bestehende Fakultäten der Uni Salzburg: „Wir müssen uns überlegen, ob alle Fachbereiche in den Fakultäten so Sinn machen“, sagt Weichbold. So könne es sein, dass bestimmte Fachbereiche zusammengelegt oder neu eingegliedert werden. Der Vizerektor nennt in diesem Zuge die Kultur- und Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät (KGW). Diese habe auf der einen Seite sozialwissenschaftliche und auf der anderen Seite geisteswissenschaftliche Fachbereiche dabei.

Mehr Details zu den Plänen weiß Hande Armagan, stellvertretende Vorsitzende der ÖH. An der KGW-Fakultät sollen philologische Fächer zu einem großen Fachbereich fusionieren. Außerdem soll der Fachbereich Altertumswissenschaften in den Fachbereich Geschichte eingegliedert werden. „Hier sollen also Ressourcen ohne Ende eingespart werden“, fasst Armagan in einer Pressemitteilung zusammen. Wie die Salzburger Nachrichten am 30. Juni berichteten soll aus den Fachbereichen Romanistik, Anglistik, Slawistik und Linguistik der Großfachbereich "Spachen und Sprachwissenschaft" entstehen. Heute Nachmittag hätten die Studierenden der Romanistik diesbezüglich dann auch die Email aus dem Rektorat erhalten. So heißt es in einem Instagram-Post der Studierendenvertretung, dass in sechs Wochen eine Umstrukturierung des Fachbereichs bevorsteht.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Wer täglich sein E-Mail Postfach checkt, bei dem sollten schon längst die Alarmglocken läuten: Das neue Rektorat hat entschieden in ungefähr 6 Wochen eine Umstrukturierung durchzuführen. ???????????? ???? Umstrukturierung? Synergy? Fusion? ???? Wir klären auf! ???? Bei der sogenannten Umstrukturierung, wir nennen es auch gerne eine profillose Mixtur, sollen neuphilologische Fachbereiche, darunter die Romanistik, Slawistik, Linguistik und Anglistik & Amerikanistik zusammengelegt werden. Klingt zu Beginn ganz nett, näher betrachtet ist es der Untergang der Neuphilologien! ???? Wir sagen nur Tetris-Effekt: Wir werden verschmolzen unter dem Dachbegriff "Sprachen & Sprachwissenschaft". ???????????? Welche Konsequenzen das mit sich zieht, das erfahrt ihr in unserem nächsten Post. #SOS #Einbruch #unisalzburg #romanistik #gemeinsamstark #wirgegendasrektorat #oehsalzburg #alarmstuferot #news #tetris #news @oeh.unisalzburg @unisalzburg @salzburgernachrichten @salzburg24

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ÖH: „Umstrukturierung bringt auch Vorteile“

Baier sieht aber auch Vorteile in der Umstrukturierung der Uni Salzburg. So seien die Pläne für die Naturwissenschaftliche Fakultät begrüßenswert. Diese soll in zwei Fakultäten geteilt werden. „Auch positiv ist, dass gewisse interdisziplinäre Studiengänge gefördert werden“, sagt die ÖH-Vorsitzende.

„Niemand wird entlassen, nichts wird zugesperrt“

Aber was bedeutet die Umstrukturierung konkret für die Studierenden? Weichbold weiß: „Vieles wird über Medien transportiert und dabei wurde einiges hochgekocht.“ Dabei meint er die Gerüchte, dass Mitarbeiter an der Uni entlassen oder Fachbereiche zugesperrt werden. Der Vizerektor stellt aber klar: „Niemand wird entlassen, nichts wird zugesperrt. Wir brauchen die Fachleute.“ Ein Stück Wahrheit stecke allerdings schon dahinter. Schließlich bekomme die Uni Geld gemessen an der Anzahl der prüfungsaktiven Studierenden. Dies bedeute im Umkehrschluss, dass Studien angeboten werden müssen, die auch angenommen werden. „Da stellt sich dann auch die Frage, ob wir Studien auslaufen lassen können“, so Weichbold.

Aber – und das ist wohl wichtig für die betroffenen Studierenden – die Studien können innerhalb des Curriculums immer abgeschlossen werden. Das sei auch rechtlich abgesichert. Lediglich Neuanmeldungen werden irgendwann nicht mehr möglich sein.

Fast die Hälfte der Studienassistenzstellen gestrichen

Es besteht nicht nur Gefahr für die Fachbereiche. Zwei Millionen Euro pro Jahr würden die Studienassistenzstellen der Uni Salzburg kosten. Diese Summe ist zumindest für das nächste Studienjahr nicht tragbar. So werden ab Herbst 2020 die Studienassistenzstellen auf 60 Prozent reduziert. Weichbold sei dieser Einschnitt bewusst und sagt: „Es ist uns klar, dass wir damit eine hohe Bürde aufladen. Im nächsten Studienjahr hoffen wir, nicht mehr darauf verzichten zu müssen.“ Es falle schließlich auf Lehrende sowie auf die Betreuung der Studierenden zurück. Auf jeden Fall möchte man verhindern, dass eine Generation von neuen Einsteigern in die wissenschaftliche Lehre verloren geht.

Diversität macht Uni aus und muss erhalten bleiben

In der ersten Phase des bevorstehenden Reformprozesses gehe es in erster Linie um einen neuen Organisationsplan. Direkte Auswirkungen auf die Studierenden gäbe es laut Baier dabei weniger. Bezüglich des Abbaus der Studienassistenzstellen, befürchtet sie eine verminderte Qualität. „Das können wir aber noch abfedern“, sagt die ÖH-Vorsitzende optimistisch. „Wenn es dann aber um das Studienangebot geht, müssen wir aufpassen.“ Ihr ist es vor allem wichtig, dass die Diversität der Studiengänge bleibt. Baier: „Wir müssen unbedingt verhindern, dass das, was die Uni Salzburg ausmacht, verschwindet.“

(Quelle: SALZBURG24)

Wie sich die Uni Salzburg in 398 Jahren verändert

Theologische Fakultät, Uni Salzburg, Hofstallgasse Neumayr
Die Katholisch-Theologische Fakultät gilt als Keimzelle der Universität Salzburg.

Die Paris Lodron Universität Salzburg (PLUS) steht vor einer großen Umstrukturierung. Wir haben uns aus diesem Grund die Entwicklung und Geschichte der Bildungseinrichtung angesehen und gehen bis an ihre Anfänge vor fast 400 Jahren zurück.

Die Alma mater Paridiana wird 1622 vom damaligen Fürsterzbischof Paris Lodron gegründet. Sie entsteht aus einem Gymnasium. Als Gründungsjahre kursieren daneben aber auch noch die Jahre 1620 und 1625.

Unterschiedliche Daten zur Gründung der PLUS

Erste kaiserliche Privilegien zur Gründung der Universität sind nämlich bereits auf 1620 datiert, doch Paris Lodron soll die Einschränkungen auf „freie Künste und philosophische Studien“ nicht akzeptiert haben. Am 4. Oktober 1622 treffen schließlich die geforderten Papiere ein. Offiziell ausgestellt werden die Privilegien schließlich im Jahr 1625. Der erste Rektor – der Benediktiner Albert Keuslin, späterer Abt von Salzburg – wird 1622 gewählt.

Das ist auch das Jahr, das die Universität Salzburg heute als ihr Gründungsjahr betrachtet. Somit wird die Hochschule 2022 ihr 400-jähriges Bestehen feiern.

Uni Salzburg, Hofstallgasse Neumayr
Salzburg und seine vier Wissenschaften. Wandbild am Uni-Gebäude in der Hofstallgasse.

Vier Wissenschaften in Salzburg

Ab dem 17. Jahrhundert werden in Salzburg theologische, philosophische sowie juridische und medizinische Vorlesungen gehalten. Träger der Universität sind damals 33 Benediktiner-Abteien aus Süddeutschland, Österreich, der Schweiz und Salzburg. So sind auch die Professoren großteils Angehörige der Kirche – ausgenommen der Juristen.

Universität wird wieder zu Gymnasium

Zu Zeiten der Aufklärung verliert die kirchliche Universität immer mehr an Bedeutung. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts seien nur noch rund 500 Studenten immatrikuliert gewesen, heißt es in überlieferten Dokumenten. Im Jahr 1810 – der Angliederung Salzburgs an Bayern – wird die Hochschule schließlich aufgelöst. Durch den Zugewinn neuer Gebiete in der Zeit der Koalitionskriege verfügt das Königreich offenbar über zu viele Universitäten. Die Benediktineruniversität in Salzburg wird zu einem Gymnasium degradiert.

 

Neugründung der Uni Salzburg im Jahr 1962

Erst 152 Jahre später – im Jahr 1962 – erfolgt die Neugründung mit einer Katholisch-Theologischen und einer Philosophischen Fakultät. Der Lehrbetrieb startet 1964. Die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät folgt 1965. Zehn Jahre später erfolgt die Gliederung in fünf Fakultäten: Eine Katholisch-Theologische, eine Rechtswissenschaftliche, eine Geisteswissenschaftliche und eine Naturwissenschaftliche Fakultät sowie in eine Medizinische Fakultät, welche aber bis heute noch nicht realisiert ist. Das Medizinstudium ist in Salzburg auf der Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) möglich.

NaWi und Unipark als Neubauten

Während viele der Fakultäten bis heute in historischen Altstadtbauten untergebracht sind, wird im Jahr 1986 die Naturwissenschaftliche Fakultät (NaWi) in Salzburg-Freisaal fertiggestellt. Im Jahr 2011 folgt mit dem Unipark Nonntal ein weiterer Neubau. Dieser beheimatet zahlreiche gesellschaftswissenschaftliche Fachbereiche. Heute hat die Universität rund 18.000 Studierende auf vier Fakultäten und 32 Studienrichtungen verteilt.

Rektorwechsel nach 18 Jahren

Nach 18 Jahren im Amt erfolgt im letzten Jahr ein beinahe historischer Wechsel an der Uni Salzburg. Rektor Heinrich Schmidinger, der 19. Rektor seit der Neugründung im Jahr 1962, verabschiedet sich. Kurz vor seinem Abgang zieht er im Sonntags-Talk mit SALZBURG24 Bilanz (hier nachzulesen).

Ist die Amtszeit von Schmidinger nicht wirklich durch großangelegte Veränderungen geprägt, geht sein Nachfolger, der deutsche Internist Hendrik Lehnert, einen deutlich anderen Weg.

Löwe????? Logo! Die Uni hat ein neues Branding. Inspiriert vom Wappenlöwen des Paris Lodron. Ihr wollt wissen, was hinter...

Gepostet von Universität Salzburg am Montag, 15. Juni 2020

Neues Logo läutet Umstrukturierung ein

Aktuell findet ein großer, allen voran umstrittener Umstrukturierungsprozess statt. So sollen Studienassistenzstellen abgebaut werden sowie Fachbereiche und Fakultäten neu organisiert (wir berichten hier ausführlich).

Als erstes sichtbares Zeichen wird das vor 16 Jahren eingeführte Logo der Paris Lodron Universität mit dem Wappentier von Paris Lodron, einem Löwen mit Brezelschweif ergänzt.

Aufgerufen am 15.06.2021 um 10:23 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/uni-salzburg-konsequenzen-durch-umstrukturierung-90509326

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