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Exklusiv-Interview

Camara wünscht sich Premier-League-Transfer

Salzburgs Mittelfeld-Star gibt sehr private Einblicke

Mohamed Camara meidet die Öffentlichkeit und gibt ungern Interviews. Der stark umworbene Mittelfeld-Abräumer vom FC Red Bull Salzburg und frisch gebackene Vater bricht im exklusiven Gespräch mit SALZBURG24 sein Schweigen und gibt private Einblicke in sein Familienleben.

Salzburg

Camara gilt mit seinen 22 Jahren als eines der größten Talente beim österreichischen Serien-Double-Sieger. Mit starken Zweikämpfen, genialen Spieleröffnungen und seiner Rolle als heimlicher Leader hat das "Temperament-Monster" aus Mali die Blicke auf sich gezogen. So sehr, dass man bei Atletico Madrid, RB Leipzig, Borussia Dortmund und sogar bei Bayern München über eine Verpflichtung nachdenkt.

Nach dem Rekordtransfer von Karim Adeyemi zu Borussia Dortmund könnte ein Camara-Abgang der nächste große Coup werden.

 

Red Bull Salzburg, WAC, Adeyemi GETTY/RED BULL
Karim Adeyemi entscheidet sich für Borussia Dortmund und wechselt von Salzburg in die deutsche Bundesliga. (ARCHIVBILD)

Adeyemi-Deal zu Dortmund ist Salzburgs neuer Rekord-Transfer

Von Österreich in die deutsche Bundesliga: Das ist bereits einigen Kickern gelungen. Nun wechselt mit Karim Adeyemi der nächste Kicker von Red Bull Salzburg ins Nachbarland. Und das für 30 bis 40 …

Camara im SALZBURG24-Interview

Am Dienstag sprach der "Bulldozer", der im Mittelfeld fast alles wegräumt, was ihm in die Quere kommt, über:

SALZBURG24: Bonjour, Mo. Lass uns über deine enorm starke Saison und die großen Erfolge von Red Bull Salzburg sprechen. Wie fällt dein bisheriges Resümee aus?

MOHAMED CAMARA: "Die Saison war für uns sehr erfolgreich. Und eine erfolgreiche Saison heißt auch, dass auch wir Spieler gute Leistungen gezeigt haben. Dabei geht es nicht um individuelle Triumphe, sondern um den mannschaftlichen Erfolg."

 

Du hast dich nach einem Jahr beim FC Liefering und einer Halb-Saison in Hartberg in die Auslage gespielt. In Kürze endet deine dritte Saison in Salzburg. An welche Höhepunkte und vielleicht auch Rückschläge denkst du spontan zurück?

In meiner ersten Saison in Liefering war die Adaptation nicht optimal, hat lange gedauert, aber es war trotzdem gut. Die sechs Monate in Hartberg waren wunderschön. Trainer Markus Schopp und das Team haben für eine familiäre Stimmung gesorgt. Ich bin sehr dankbar, dass ich die Menschen dort kennenlernen durfte.

Die erste Halbsaison bei Red Bull Salzburg unter Jesse (Marsch, Anm. d. Red.) war nicht so optimal, weil ich zwischen dem FC Liefering und den Profis gependelt bin. Danach ist es immer besser geworden.

Mohamed Camara, Red Bull Salzburg SALZBURG24/NADERER
Mohamed Camara im Video-Interview mit SALZBURG24-Sportredakteur Aleksandar Andonov.

Hat dir dabei irgendetwas Spezielles geholfen?

Es war zu Beginn nicht immer leicht, weil ich ein Spieler bin, der immer spielen will. Ich bin extrem schwierig, wenn ich nicht zum Einsatz komme. Sobald das der Fall war, erinnerten mich meine Vertrauenspersonen beim FC Red Bull Salzburg daran, dass auch Kicker wie Sadio Mané, Naby Keita, Dayot Upamecano und Co in gewissen Perioden Ersatzspieler waren. Das hat mir dann sehr geholfen, meine Rolle zu verstehen und dadurch habe ich gewusst, dass ich hart arbeiten und geduldig bleiben muss.

Ich habe auf Twitter die User gefragt, was sie von dir wissen wollen und einer hat nach der Zeit während der Dopingsperre gefragt. Wie hast du diese Phase deiner Karriere in Erinnerung?

Ich durfte drei Monate nicht auf das Trainingsgelände. Sie haben mir meine Arbeit verboten und das war extrem schwierig. Ich habe mich ungerecht behandelt gefühlt, weil ich nicht bewusst etwas Schlechtes gemacht habe.

Viele deiner nun Ex-Kollegen wagten im Durchschnitt nach zwei Jahren von Salzburg aus den Sprung in eine bessere Liga. Wann ist es bei dir so weit?

Natürlich wünsche ich mir eine große Karriere. Momentan bin ich noch in Salzburg, habe hier einen Vertrag bis 2025 und bin glücklich.

Zuletzt tauchten aufgrund deiner Leistungen in der Liga und Champions League Wechselgerüchte wie jene zu Atleticio Madrid und Borussia Dortmund oder Bayern München auf. Was ist da dran?

Das macht mich selbstverständlich stolz, wenn diese Vereine interessiert sind. Das gibt mir noch mehr Motivation, an mir zu arbeiten und Gas zu geben. Derzeit bin ich aber hier und muss weiter an mir arbeiten.

Du giltst abseits des Rasens als ruhiger Typ. Andererseits redest du auf dem Platz sehr viel. Hast du zwei verschiedene Persönlichkeiten?

Ja, das stimmt, ich habe zwei Persönlichkeiten. Ich habe eine Rolle als Leader eingenommen, aber das mache ich nicht für mich selbst, sondern damit will ich der Mannschaft und meinen Mitspielern helfen. In der A-Nationalmannschaft von Mali und in der U21 sehen sie mich gerne in dieser Funktion.

Du hinterlässt vor allem durch deinen kompromisslosen Einsatz und der Zweikampfstärke einen bleibenden Eindruck. Was zählst du zu deinen Stärken und Schwächen?

Zweikämpfe waren schon immer meine Stärke. Und durch meine Technik kann ich mich auch gut nach vorne einbringen und gute Bälle spielen. Natürlich habe ich auch Schwächen: Mein Schuss ist noch schlecht – da muss ich mich noch weiterentwickeln und stärker schießen (lacht).

Kürzlich hast du dein zweites Tor im dritten Bundesliga-Jahr bejubelt. Überlässt du das Toreschießen deinen Kollegen?

Ich habe zwar nur zwei Treffer, aber einige habe ich auch von hinten eingeleitet. Teilweise bin ich einfach zu weit weg vom Tor, um zu treffen.

Mit Sekou Koita ist einer deiner besten Freunde dein Mitspieler. Wie wahrscheinlich ist es, dass wir euch im kommenden Jahr gemeinsam am Platz sehen werden?

Sekou ist wie ein Bruder für mich und wir sind sehr lange hier in Salzburg. Zudem spielen wir auch in der Nationalmannschaft zusammen. Ich wünsche mir, dass wir noch länger hier bei Red Bull Salzburg oder gemeinsam in einem anderen Land spielen werden. Mit dem Trikot von Mali ist das ja sowieso der Fall.

Immer wieder landen Spieler aus Mali bei Salzburg. Wie kann es sein, dass Talente aus deiner Heimat den Sprung über Salzburg in den europäischen Top-Fußball schaffen?

Ich bin sehr dankbar, dass es mit Diadié Samassékou und Amadou Haidara die ersten zwei Spieler geschafft haben. Sie waren der Türöffner und bieten weiteren Talenten von der Jean-Marc Guillou-Akademie in meiner Heimatstadt Bamako die Chance auf eine große Karriere. Und wenn Sekou und ich weiter hart arbeiten und auch den nächsten Schritt schaffen, können uns Mamady Diambou, Daouda Guindo oder auch Ousmane Diakité drei Malier würdig vertreten.

Mohamed Camara, Red Bull Salzburg GETTY/RED BULL
Die Afrika-Importe von Red Bull Salzburg (v. li. n. re.): Samson Tijani, Mohamed Camara, Mustapha Mesloub, Mamady Diambou und Daouda Guindo. (ARCHIVBILD)

Du hast dich zuletzt oft sozial engagiert. Welche Projekte liegen dir besonders am Herzen und visierst du aktuell etwas an?

Danke, dass du das erwähnst. Wir verdanken es dem lieben Gott, dass wir so glücklich leben können und genug Geld haben. Ich bin Muslim und meine Religion lehrt mich, dass ich jemanden helfen soll, der es braucht und Probleme hat. Wenn ich in Zukunft noch mehr Geld verdiene, werde ich gleich wie Sadio Mané und Yaya Touré noch mehr spenden.

Ich brauche nicht immer zeigen, dass ich das alles gemacht habe. Auch in Zukunft werde ich helfen, wo ich kann, aber es nicht immer kommunizieren.

Privat sieht und liest man von dir und deiner Frau Binta kaum etwas. Hältst du deine persönlichen Angelegenheiten bewusst vor der Öffentlichkeit zurück?

Meine Familie ist privat und soll auch diskret bleiben. Sie brauchen nicht in den sozialen Medien aufzutauchen. Was bei mir auf Social Media steht, macht mein Berater für mich – in Abstimmung mit mir.

Moahmed_Camara GEPA/Red Bull
Mohamed Camara wird Red Bull Salzburgs Meisterfeier nicht in vollen Zügen auskosten können. Der Malier heiratet einen Tag später in der Heimat.

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Wie sehr vermisst du deine Heimat?

Ich vermisse meine Heimat zwar nicht so wie andere Spieler, aber Mali geht mir schon ab. Ich bin verheiratet, habe einen fünf Monate alten Sohn – das macht die Sache schon einfacher. Mein "Bua" ist derzeit unser Kapitän daheim (lacht). Aber meine Eltern, meinen Bruder und meine Freunde vermisse ich schon.

Was magst du an Salzburg und wo zieht es dich vermehrt hin?

Eines vorweg: Ich liebe dieses Salzburger Publikum und ich spüre eine spezielle Verbindung zu den Fans. Zudem liebe ich diese Stadt und fühle mich hier sehr wohl. Mit der Frankofone-Gemeinschaft gehen wir hin und wieder in Salzburg essen oder treffen uns bei jemandem zu Hause.

Was sind deine Lieblingswörter bzw. Sätze auf Deutsch?

Gemma, gemma, gemma und Oumar (Solet), bist du deppat?

Zum Abschluss: Wo siehst du dich sportlich und privat in den nächsten zwei Jahren?

Mein größter Wunsch ist es, irgendwann in England und in der Premier League zu spielen. Das ist die beste Liga der Welt. Der liebe Gott wird entscheiden, ob ich in Deutschland, Spanien oder Frankreich spielen kann.

(Quelle: SALZBURG24)

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