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Langzeitfolgen verhindern

Long-Covid schränkt Lebensqualität stark ein

Salzburger Reha-Zentrum bietet Therapie an

Atemnot, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen können Spätfolgen einer Infektion mit dem Coronavirus sein. Dauern diese länger als drei Monate an, spricht man von Long-Covid. Wir haben uns mit dem Leiter des Reha-Zentrums Salzburg für Long-Covid Primar Josef Niebauer unterhalten, wie eine Therapie dabei helfen kann die alte Lebensqualität zurückzugewinnen.

Über eine halbe Million Österreicher haben mittlerweile eine Covid-Erkrankung überstanden. Der Großteil davon gut. Rund zehn Prozent haben allerdings auch noch lange nach ihrer Erkrankung mit den Folgen zu kämpfen. Long-Covid ist ein ernstzunehmendes Thema, dem man sich im neuen Reha-Zentrum Salzburg seit Oktober intensiv widmet. Vorbild dafür ist England, wo bereits bis Ende April flächendeckend 83 Long-Covid-Zentren entstehen.

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Laut dem Mikrobiologen Andreas Bergthaler gebe es bisher noch keine Hinweise darauf, dass die Corona-Mutation P.1 aus Brasilien und Japan auch in Österreich verbreitet ist. (SYMBOLBILD)

2.524 Corona-Neuinfektionen am Mittwoch

2.524 Neuinfektionen mit dem Coronavirus melden die Ministerien am Mittwoch. Aus dem Land Salzburg kommen 195 neue Fälle dazu.

Die Symptome von Long-Covid

„Wie bei anderen Krankheiten gilt, dass sich der Körper irgendwann selbst repariert“, erklärt der Leiter der Salzburger Reha-Klinik Primar Josef Niebauer im Gespräch mit SALZBURG24. Helfe man noch gezielt nach, gehe das natürlich schneller und nachhaltiger. Im Falle einer Corona-Infektion sind die Folgen bzw. Symptome vielfältig:

  • Kurzatmigkeit & Atemnot
  • Müdigkeit
  • Spuren von Herzmuskelentzündung
  • Konzentrationsstörungen
  • Schwindel
  • Beeinträchtigung der Sensorik

Allerdings kämen täglich neue Erkenntnisse hinzu. „Es ist sehr kryptisch, wir werden täglich überrascht. Man weiß aktuell nicht wie es weitergeht, die Studien dazu laufen allerdings“, so Niebauer.

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(SYMBOLBILD)

Coronavirus killt die Sinne

Ein Symptom der Covid-19-Erkrankung ist der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn. Wir klären auf wie es dazu kommt, wie es einer Betroffenen erging und wie gefährlich diese Einschränkung sein kann.

So funktioniert die Reha

Derzeit befinden sich im Salzburger Reha-Zenrum 80 Long-Covid-Patienten. Sie absolvieren ein zweigeteiltes Programm. „Im Gruppentraining sitzen sie 45 Minuten am Ergometer, gefolgt von 45 Minuten Krafttraining“, schildert der 57-Jährige. Die Kombination von Kraft- und Ausdauertraining sei am gewinnbringendsten für die Rehabilitation. „So werden Lunge und Muskulatur gefördert, sich fit zu halten.“ Ohne Training würde man in eine „Teufelsspirale“ verfallen. „Wenn man sich nicht bewegt, weil man an Kurzatmigkeit leidet, bauen auch die Muskeln ab“, mahnt der Mediziner zur Bewegung.

Bewegung ist gut für den Geist

Das gemeinsame Training mit anderen helfe den meisten Patienten zusätzlich, weil sie sich austauschen können. „Wenn sie merken, dass etwas weitergeht, blühen sie richtig auf. Das gibt neue Lebensfreude“, appelliert der Primar für Bewegung aller Art. Würde man sich dabei noch in der Natur bewegen, hebe das zusätzlich die Stimmung. „Oder haben Sie schon mal einen unglücklichen Menschen am Berg getroffen?“, spricht Niebauer den mentalen Aspekt an. „Ein Tapetenwechsel ist unbedingt notwendig. Zuhause sitzen ist keine Lösung. Die Lebensqualität sinkt, wenn man sich hängen lässt.“

Reha sollte zur Normalität werden

Wie bei anderen Krankheiten sollte auch die Reha bei Long-Covid oder Post-Covid in der Bevölkerung ankommen und zur Normalität werden. Vergleichbar mit einer Rückentherapie. Noch wüssten aber zu wenig Menschen, dass es diese Möglichkeit gibt. „Da ist auf jeden Fall noch Luft nach oben“, spricht Niebauer den generellen Mangel an Reha-Zentren an. Im konkreten Fall allerdings auch die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten. Ein Antrag könne schnell und unkompliziert gestellt werden bzw. vom Arzt auf Krankenschein angewiesen werden.

 

Probleme in Alltag und Beruf

Die entsprechende Therapie helfe den Patienten viel schneller in den Alltag und Beruf zurückzufinden. Ein Thema, das unsere Gesellschaft künftig intensiver beschäftigen wird. In Österreich sollte sich laut der Wiener Arbeitsmedizinerin Margit Winterleitner die Arbeitswelt auf Menschen einstellen, die schwere Covid-19-Erkrankungen mit möglichen Spätschäden überstanden haben: "Es ist schon davon auszugehen, dass so etwa zehn Prozent stärker eingeschränkt bleiben."

So gebe es Betroffene, die nach einigen Stunden Arbeit völlig ausgepowert seien. „Die können zum Beispiel am Nachmittag nicht mehr. Denen muss man helfen, indem man ihnen bestimmte schwere, stressige Arbeiten dann abnimmt. Ich habe einen Patienten, der in einer EDV-Firma arbeitet. Er hat eine längere Pause zwischen 11.00 Uhr und 13.00 Uhr zugestanden bekommen. Da müssen auch Arbeitsabläufe angepasst werden“, so Winterleitner in einem APA-Interview.

Salzburger Primar bringt sich ein

Da die Covid-19-Erkrankung noch relativ neu ist und beinahe täglich neue Erkenntnisse aufkommen, ist die Medizin auf Forschung angewiesen. Daher tauscht sich auch Primar Niebauer fast täglich mit Kollegen aus, publiziert Beiträge und will seinen Beitrag leisten. Die Ergebnisse und Analysen der Reha-Patienten aus Salzburg werden somit helfen, Long-Covid künftig noch besser in den Griff zu bekommen. So gibt es noch wenige Erkenntnisse, ob ein stärkerer Verlauf der Krankheit auch automatisch mehr Spätfolgen bringt. „Ich habe schon erlebt, dass es genau umgekehrt war und bei einer Person mit mildem Verlauf mehr Spätfolgen aufgetreten sind“, erzählt Niebauer abschließend.

 

Hilfe für Long-Covid-Patienten

Die Plattform "Corona Patienten Österreich" will Betroffene, Ärzte, Krankenkassen und Gesundheitspolitik zusammenbringen, um ein Netzwerk für an Long-Covid-19-Leidende zu bilden, in dem ihre Bedürfnisse besser abgedeckt werden können. Das könnte auch eine Vorsorge für die Zukunft sein. Auf Facebook haben sich Long-Covid-Patienten zu einer Gruppe zusammengeschlossen, tauschen sich aus und helfen sich selbst.

(Quelle: SALZBURG24/APA)

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