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Flammen wüten in NÖ

"Waldbrand könnte schon gelöscht sein"

Salzburger Heli-Pilot kritisiert Rax-Einsatz

heliknaus.jpg Facebook/Roy Knaus
Der Salzburger Heli-Pilot Roy Knaus war mit seinem Team im Waldbrand-Einsatz im Rax-Gebiet.

Im Rax-Gebiet in Niederösterreich wütet seit eineinhalb Wochen ein verheerender Waldbrand. Im Einsatz war dabei auch der Salzburger Hubschrauberpilot Roy Knaus von Heli Austria. Uns hat er seine Eindrücke geschildert und dabei das Vorgehen der Verantwortlichen kritisiert.

Im Rax-Gebiet waren zuletzt 300 Feuerwehrleute und neun Hubschrauber bei "Österreichs größtem Waldbrand" im Einsatz. Niederösterreichs LH-Stv. Stephan Pernkopf (ÖVP) ging zuletzt davon aus, dass wohl erst gegen Ende dieser Woche "Brand aus" gemeldet werden könne, teilte er mit.

Waldbrand Rax-Gebiet APA/LFKDO NÖ/MATTHIAS FISCHER
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"Man hat es eskalieren lassen"

Das ist aus Sicht des Pongauers Roy Knaus selbstverschuldet. "Das Feuer hätte schon am Nationalfeiertag gelöscht sein können", teilt er im Gespräch mit SALZBURG24 am Mittwoch mit. Aus seiner Sicht habe man zu langsam und unzureichend reagiert. "Man hat es eskalieren lassen. In so einem Fall muss man sofort mit voller Kraft auf das Feuer losgehen."

Erfahrung im Kampf gegen Waldbrände

Roy Knaus ist Geschäftsführer von Heli Austria. Er hat bereits Waldbrände in Tirol, Bayern, Italien und Südamerika bekämpft. Der Brand im Rax-Gebiet sei nicht mit jenen in Chile oder Argentinien zu vergleichen. Für Schwierigkeiten sorge allerdings die exponierte Lage, in der das Feuer wütet.

Probleme bei Gerät von Bundesheer und Polizei

Früh im Einsatz waren Hubschrauber von Polizei und Bundesheer. Die seien für den Einsatz bei Waldbränden aber eher ungeeignet, wie Knaus weiter ausführt: "Sie haben nicht die Ausrüstung dazu. Die Polizei etwa hat einen Löschbehälter für zwei Hubschrauber. Die Bundesheer-Hubschrauber stehen, weil sie keine Flugstunden haben."

Knaus: "Inszenierung" bei Waldbrand-Einsatz

Knaus kritisiert "die Inszenierung" beim Waldbrand-Einsatz in Niederösterreich. Bei der Bekämpfung der Flammen habe auch er seine Hilfe angeboten. Die Politik habe sich jedoch aktiv gegen zivile Helfer entschieden und sei den Weg der internationalen Hilfe mit Deutschland und Italien gegangen. "Es muss aber ein Brand gelöscht und nicht ein Image poliert werden", kritisiert der Pongauer das Krisenmanagement.

Innenministerium bietet Hilfe an

Die Bekämpfung von Waldbränden obliegt grundsätzlich den Ländern, teilt ein Pressesprecher des Innenministeriums (BMI) auf SALZBURG24-Anfrage mit. Das BMI bietet Hilfe etwa in Form von Hubschraubern an, die Entscheidung darüber obliege der Feuerwehr. Sollten die Einsatzkräfte zusätzliche Hilfe benötigen, muss eine Anfrage an das BMI gestellt werden. Dann könnte etwa internationale Hilfe angefragt werden.

Feuerwehr arbeitet mit Polizei und Bundesheer

Im Büro von LH-Stv. Stephan Pernkopf (ÖVP) wollte man diesbezüglich keine Auskunft geben und verwies auf die Feuerwehr. "Wir üben seit Jahrzehnten mit Polizei und Bundesheer. Die Abläufe sind eingespielt und man verwendet die gleiche Ausrüstung", sagte Franz Resperger, Pressesprecher des Landesfeuerwehrkommandanten, im Gespräch mit S24. Konkrete Gründe für das Ausschlagen ziviler Hilfe konnte aber auch er nicht nennen.

Knaus im Gratis-Waldbrand-Einsatz

Letztendlich konnte Knaus dennoch mit seinem Hubschrauber in den Waldbrand-Einsatz gehen, und zwar kostenlos: "Am Freitag erfolgte die Alarmierung, die wurde dann aber wieder abgewiesen. Ich habe daraufhin angeboten, kostenlos auszuhelfen. Das konnte die Politik nicht ausschlagen", so Knaus. Also ging es mit seinem Hubschrauber vom Typ „Super Puma“ nach Niederösterreich, noch am Samstagabend flog der Salzburger die ersten Wasserladungen.

Wir konnten die Löscharbeiten auf der Rax heute mit 2 Piloten bei ca. 9 Flugstunden mit dem Abwurf von über 400.000...

Gepostet von Roy Knaus am Sonntag, 31. Oktober 2021

Stundenlanger Einsatz im Rax-Gebiet

Mit dem Hubschrauber lassen sich bis zu 4.000 Liter Wasser transportieren. Im Vergleich dazu schafft ein "Black Hawk" des Bundesheeres rund 3.000 Liter pro Flug. Am Sonntag flog Knaus gemeinsam mit einem weiteren Piloten insgesamt neun Stunden lang. Dabei wurden knapp 1,4 Mio. Wasser ausgebracht, alleine 400.000 Liter – oder etwa 30 Prozent des Gesamtvolumens – wurden bei 137 Flügen mit dem Salzburger Puma transportiert. Der Salzburger war bis etwa Montagmittag im Einsatz. Ein solcher Einsatz kostet laut Knaus für gewöhnlich rund 175.000 Euro.

Rax-Waldbrand ein Augenöffner?

Der Waldbrand im Rax-Gebiet werde jedenfalls für Erfahrungen sorgen, glaubt Knaus. Auch in Österreich werde es mit fortschreitendem Klimawandel immer trockener, damit müsse man lernen umzugehen. "Die Feuerbekämpfung muss verbessert werden. Das ist allen bewusst", so der Salzburger abschließend.

(Quelle: SALZBURG24)

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