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Nach Überfall im Tennengau

Salzburgs Busfahrer fordern mehr Schutz

"Funk, Plexiglas & Schulungen nicht genug"

Postbus SVV
Salzburgs Postbusse werden mit Plexiglasscheiben ausgestattet. 

Nach dem Überfall auf einen Postbus-Fahrer im Tennengau haben sich nun mehrere Chauffeure zusammengeschlossen und fordern von Seiten ihres Arbeitgebers mehr Sicherheit – vor allem im ländlichen Raum.

Bei den Busfahrern im Land Salzburg herrscht große Unsicherheit – und das nicht erst nach dem Überfall auf einen Kollegen vergangene Woche zwischen Golling und Kuchl.

Busfahrer tun sich zusammen

„Seit den Corona-Maßnahmen und dem ersten Lockdown im März sind wir vor allem am Land sehr häufig ganz alleine unterwegs“, schildert uns ein Busfahrer, der für die Gruppe spricht und anonym bleiben möchte. Er und viele andere seiner Kollegen, die im Tennengau unterwegs sind, fühlen sich ungeschützt der Gefahr ausgesetzt. „Wir fordern mehr Sicherheit in den Bussen und besseren Schutz für uns Fahrer“, sagt er im SALZBURG24-Gespräch. Eine abgetrennte Fahrerkabine, einen Notrufknopf und eine Kameraüberwachung seien neben regelmäßigen und intensiven Präventions-Trainings erste Maßnahmen, die sich die Fahrer wünschen.  

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(SYMBOLBILD)

Attacke in Postbus: "Kollegen haben Angst"

Der Raubüberfall auf einen Busfahrer Montagabend in Kuchl (Tennengau) löst nun eine Diskussion über besseren Schutz der Lenker aus. Ein Betroffener offenbart gegenüber SALZBURG24 seine Sorgen.

Regelmäßige Schulungen der Busfahrer

Der Umgang mit aggressiven Fahrgästen sei seit über einem Jahrzehnt Teil des Weiterbildungsprogramms, betont am Montag ÖBB-Pressesprecher Robert Mosser auf SALZBURG24-Anfrage. Alle zwei Jahre würden die Buslenkerinnen und Buslenker im Zuge der Weiterbildungsmodule umfassend darauf geschult werden. So fand der letzte Ausbildungsschwerpunkt zum Thema „Umgang mit aggressiven Fahrgästen“ in der Lenkeraus- und Weiterbildung im Herbst 2018 statt.

Funk, aber keine Kameraüberwachung

„Außerdem sind alle Busse mit Funk ausgestattet. Damit ist ein sogenannter Notfallknopf vorhanden, mit der direkten Verbindung zur Rot-Kreuz-Notrufzentrale", kontert Mosser die Kritik der Busfahrer. Korrekt sei, dass es in den Bussen keine Kameraüberwachung gebe – nicht mehr zumindest. Noch bis vor kurzem seien sechs Busse, die vorwiegend im Nachtbusverkehr im Einsatz stehen, mit Kameras ausgestattet gewesen. „Diese wurden jedoch auf Wunsch der Lenker und der Belegschaftsvertretung wieder entfernt.“

Was den Funk betreffe, stimme das so nicht, sagen die Busfahrer. Die Rot-Kreuz-Knöpfe gebe es nur noch in den alten Bussen auf den alten Geräten. "Die neuen Busse haben gar keinen RK-Knopf mehr und im Tennengau sind genügend Busse unterwegs, die mittlerweile gar keinen Funk mehr haben", sagt der anonyme Busfahrer im S24-Gespräch. Die ÖBB widerspricht: "Alle Regionalbusse sind mit dem Rot-Kreuz-Knopf ausgestattet und haben Funk. Nur im Stadtverkehr von Hallein gibt es derzeit vier Busse, die gerade erst in Betrieb genommen wurden und in den nächsten zwei Wochen planmäßig auf den Standard in Salzburg aufgerüstet werden."

Busse werden mit Plexiglas ausgestattet

Derzeit werden die knapp 400 Busse des Salzburger Verkehrsverbundes (SVV) – davon rund 250 ÖBB-Postbusse – sukzessive mit Plexiglasscheiben ausgestattet. Damit soll zwischen den Fahrern und den Fahrgästen eine bauliche Abtrennung geschaffen werden. „Die Plexiglasscheiben sind eine Maßnahme, die einerseits aufgrund von Corona notwendig wurde und andererseits unsere Lenker auch vor Übergriffen schützt“, betont Johannes Gfrerer, Pressesprecher des SVV im S24-Gespräch. Etwa 100 Busse seien bereits umgebaut, die weiteren folgen.

Zusätzliche Maßnahmen, um die Sicherheit der Busfahrer weiter zu erhöhen, seien nicht geplant, heißt es von ÖBB und SVV. „Die Zahl der Übergriffe auf Buslenker ist österreichweit sehr gering. 2019 gab es vier Übergriffe, heuer sind es mit dem Vorfall im Tennengau drei“, so der ÖBB-Sprecher. Und dennoch sei jeder Übergriff einer zu viel, weshalb die Situation auch laufend evaluiert werde.

 

Politik in Thema involviert

Und auch in der Politik ist das Thema rund um die Sicherheit der Buslenker im Land angekommen. „Die Gespräche mit den ÖBB und dem Verkehrsverbund finden laufend statt, erste Maßnahmen sind ja bereits in Umsetzung“, sagt ein Sprecher von Landesrat Stefan Schnöll (ÖVP) auf SALZBURG24-Anfrage. Man lege sehr großen Wert darauf, dass die Busfahrer – vor allem jene, die nachts im ländlichen Raum unterwegs sind, geschützt werden. Daher habe man in jedem Fall auch weiterhin ein Auge darauf.

Auf die Frage, wie man den Busfahrern seitens des Unternehmens die Angst vor Überfällen nehmen könne, verweist die ÖBB übrigens auf das Notfallinterventionsteam oder die Arbeitsmediziner und- psychologen, die die Fahrer im Anlassfall kontaktieren könnten. Ob das den Busfahrern reicht, sei dahingestellt. Denn das worum es ihnen geht, ist von ihrem Arbeitgeber gehört und gesehen zu werden. „Wir machen unsere Arbeit ja alle sehr gerne“.

(Quelle: SALZBURG24)

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