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5,1 Mio. Euro Schaden

Prozess wegen Millionenbetrugs mit Edelmetall

800 Anleger schließen sich Verfahren in Salzburg an

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Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft warf zwei Ex-Managern vor, sie hätten Hunderte Anleger um insgesamt 5,1 Millionen Euro geschädigt. (SYMBOLBILD)

Ein Schöffensenat am Landesgericht Salzburg befasst sich ab heute in einem mehrtägigen Prozess mit einem mutmaßlichen millionenschweren Anlagebetrug mit Edelmetall.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) warf zwei Ex-Managern der 2016 in den Konkurs geschlitterten Firma "Goldprofessionell Austria" mit Sitz in Salzburg vor, sie hätten Hunderte Anleger um insgesamt 5,1 Millionen Euro geschädigt. Die Angeklagten zeigten sich nicht geständig.

Über 800 Anleger schließen sich Verfahren an

Mehr als 800 Geschädigte, exakt sind es 848, schlossen sich dem Strafverfahren an. Laut Staatsanwältin Silvia Thaller reichte der Tatzeitraum von Juli 2010 bis März 2016. Für die Klein- und Kleinstanleger habe es wie im Märchen aus "Tausend und einer Nacht" begonnen. Der Ex-Geschäftsführer, ein 53-jähriger deutscher Staatsbürger, und der Ex-Prokurist, ein 58-jähriger Österreicher aus der Steiermark, sollen ihnen vorgespiegelt haben, mit dem anvertrauten Geld - monatlich wurden meist 30 bis 100 Euro überwiesen - Gold und Silber anzukaufen und zu verwahren. Nach dem Ablauf der sechsjährigen Laufzeit sollte den Anlegern das Edelmetall oder dessen Geldwert mit einem Bonus ausgeliefert werden.

Angeklagte sollen Geld privat verwendet haben

Mit diesen Versprechungen seien die Anleger angelockt worden. "In der Tat wurden die Edelmetalle nicht in dem vereinbarten Ausmaß angekauft", erklärte die Staatsanwältin. "Die Angeklagten fassten den Entschluss, das Geld auch für private Zwecke zu verwenden." Bei diesen Edelmetallsparplänen habe es sich um ein gut durchdachtes Schneeballsystem gehandelt. Den Kunden sei versprochen worden, die Veranlagung sei sicher wie ein staatlich geförderter Bausparvertrag.

"Es ist kein Edelmetall auffindbar"

Angeblich sei das Gold und Silber in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten laut den Angeklagten gelagert worden, doch "es ist kein Edelmetall auffindbar", sagte die Staatsanwältin. Bestätigungen über Lagerbestände seien "gefaked" worden. "Die Anleger sind um ihr angespartes Geld umgefallen." Ihr Geld sei beispielsweise für die laufenden Aufwendungen für ein Geschäft in der Salzburger Innenstadt verwendet worden, weiters für die Gehälter der beiden Angeklagten, für eine Privatwohnung in der Schweiz, für Leasingfahrzeuge, für die Entwicklung eines interaktiven, rund 1,4 Millionen Euro teuren Stadtführers und einer Schmucklinie.

WKStA sieht schweren Betrug

Konkret warf die WKStA den Beschuldigten gewerbsmäßig schweren Betrug, Veruntreuung, Vorenthalten von Dienstnehmerbeiträgen zur Sozialversicherung, betrügerische Krida und Fälschung eines Beweismittels vor. Der Krida-Vorwurf betrifft einen laut Anklage vorgegaukelten Raub von Edelmetallen in Ungarn.

Salzburger Firma am 1. April 2016 gelöscht

Die Salzburger Firma, eine Tochter der Schweizer Goldprofessionell, wurde per 1. April 2016 von Amts wegen gelöscht. 2016 schlitterte erst die Schweizer Goldprofessionell AG in die Pleite, nachdem ihr die Schweizer Finanzaufsicht die Konzession entzogen hatte, dann auch die Österreich-Tochter. Nach damaligen Berichten sollen mehr als 2.700 Anleger, viele aus Österreich, über zehn Millionen Euro verloren haben. Insgesamt sollen 17 Mio. Euro investiert worden sein.

Ermittlungen in der Schweiz gestartet

Die Ermittlungen nahmen ihren Anfang im Jahr 2014 in der Schweiz. Die eidgenössische Finanzmarktaufsicht leitete gegen die beiden Angeklagten und gegen die österreichische Tochtergesellschaft ein Verfahren ein. Es bestand der Verdacht der Verletzung der Schweizer Finanzmarktgesetze, weil offenbar eine Bankkonzession notwendig gewesen wäre. Nachdem die Sperre der Schweizer und Österreichischen Geschäftskonten veranlasst worden war, sollen die beiden Angeklagten den Firmensitz nach Berlin verlegt haben. In der Schweiz wird gegen einen Notar ermittelt, der den Beschuldigten mit gefälschten Prüfberichten geholfen haben soll.

Angeklagte beteuern Unschuld

Die Angeklagten beteuerten heute ihre Unschuld. Die Verteidigerin des bisher unbescholtenen 53-Jährigen erklärte, er sehe zwar ein, dass er aufgrund wechselnder Unternehmensstruktur Fehler gemacht und auch falsche Entscheidungen getroffen habe, die vorgeworfenen Taten aber nicht begangen habe. Er habe immer im Interesse der Kunden agiert und nichts Strafrechtswidriges getan.

Der Verteidiger des einschlägig vorbestraften 58-Jährigen forderte einen Freispruch. "Das Beweisverfahren wird ergeben, dass die Vorwürfe gegen den Angeklagten nicht haltbar sind." Der Mann habe den Angaben eines in Europa anerkannten Spezialisten im Edelmetallbereich vertraut, der im Jahr 2015 an einer schweren Krankheit gestorben ist.

58-jähriger Angeklagter sieht sich als Opfer

Wenn keine Lagerbestände über das Edelmetall vorhanden waren, sei das für den Angeklagten nicht begreiflich, erklärte der Verteidiger. Der 58-Jährige sehe sich nun als Opfer dieses Mannes. "Dem Angeklagten ist es immer um das Wohl der Kunden gegangen." Er habe ihnen keinen Schaden zugefügt und sich auch nicht bereichern wollen. "Die einzigen Auszahlungen waren Gehaltsauszahlungen. Und er hat sich auch seit Anbeginn der Ermittlungen gegenüber den Ermittlungsbehörden kooperativ gezeigt."

Ex-Manger im Oktober 2016 verhaftet

Die zwei Ex-Manager wurden im Oktober 2016 verhaftet. Der Ex-Geschäftsführer wurde Ende März 2017 gegen gelindere Mittel auf freien Fuß gesetzt. Nach einer erfolgreichen Beschwerde der WKStA beim Oberlandesgericht Wien wurde gegen ihn Anfang Mai abermals die U-Haft verhängt. Anfang Dezember 2017 wurden die beiden Männer gegen gelindere Mittel enthaftet.

Der Prozess wird am Dienstag und Mittwoch fortgesetzt. In der nächsten Woche sind noch zwei weitere Verhandlungstage anberaumt.

(Quelle: APA)

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