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Ruf nach "Strategiewechsel"

Wie Salzburgs Autoverkehr weniger werden soll

Von Altstadt-Sperre bis zum Radnetz-Ausbau

Stau APA/BARBARA GINDL/Archiv
Die Bürgerliste will den Verkehr in der Landeshauptstadt grundlegend neu denken. (SYMBOLBILD)

Verkehrsberuhigung in Teilen der Salzburger Altstadt, weniger Autos sowie mehr Radler und Öffis. Das sind nur einige von insgesamt 22 Maßnahmen, die am Dienstag von der Bürgerliste (Grüne der Stadt Salzburg) vorgeschlagen wurden, um den motorisierten Verkehr in der Landeshauptstadt zu reduzieren. Wir geben euch einen Überblick.

Salzburg

Die Bürgerliste will den Verkehr in der Landeshauptstadt grundlegend neu denken – und zwar zugunsten der Fußgänger, Radfahrer und dem Öffentlichen Nahverkehr (Öffis). "Die Stadt Salzburg – auch Stau-Hauptstadt Österreichs genannt – steht in Sachen Verkehr unrühmlich da", stellte Verkehrsexperte Harald Frey von der TU Wien bei dem Medientermin in der Mozartstadt fest.

Im gleichen Atemzug fordert der Forscher einen "Strategiewechsel", der gemeinsam mit einem Kollegen im Auftrag der Bürgerliste die Mobilitäts-Situation in der Mozartstadt analysiert und klimagerechte Maßnahmen zur Lösung des Verkehrsproblems in der "Mobilitätsstrategie 2021+" zusammengefasst hat: Der motorisierte Verkehr soll dabei nicht abgeschafft, sondern drastisch reduziert werden. "Der Platz in einer Stadt ist knapp und begrenzt", so Frey und ergänzt: "Trotzdem müssen alle miteinander auskommen."

Anteil der Autos steigt auf Salzburgs Straßen

Aus diesem Grund soll der sogenannte "Modal Split" verändert werden – so wird die Verteilung des Transportaufkommens auf verschiedene Verkehrsträger oder Verkehrsmittel genannt. Im Jahr 2018 wurden 39 Prozent der Wege in der Stadt Salzburg im motorisierten Individualverkehr zurückgelegt, 21 Prozent mit dem Fahrrad, 19 Prozent zu Fuß und 15 Prozent mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Grüne Mobilitätsstrategie 2021: Maßnahmen Bürgerliste Salzburg
Der Anteil der Autofahrer soll nach den Plänen der Salzburger Bürgerliste bis 2030 reduziert werden.

Im Vergleich mit Daten aus dem Jahr 1995 ist der Anteil der Fußgänger mit damaligen 28 Prozent deutlich zurückgegangen. Ebenso rückläufig ist die Öffi-Nutzung der Salzburgerinnen und Salzburger. Jedoch konnte der Radverkehrsanteil von zwölf auf 21 Prozent gesteigert werden, genauso wie der motorisierte Individualverkehr (44 Prozent). Wenn es nach der Bürgerliste geht, dann soll der Anteil der Fußgänger, Fahrradfahrer und Öffis bis 2030 bei 70 Prozent liegen. 30 Prozent wären demnach für den motorisierten Verkehr vorbehalten.

"Pendler-Verkehr drückt in die Stadt"

Doch zurück in die Gegenwart: Im stadtgrenzenüberschreitenden Verkehr, der in der Landeshauptstadt mit knapp 60.000 Einpendlern und ca. 15.000 Auspendlern eine zentrale Rolle einnimmt, werden derzeit acht von zehn Wegen mit dem Pkw zurückgelegt. Frey: "Der Pendler-Verkehr drückt immer weiter in die Stadt rein." Dabei kritisiert er bisherige "Einzelmaßnahmen ohne Gesamtkonzept", von dem vor allem der motorisierte Verkehr profitieren würde. "Das Festhalten am Ausbau der Mönchsberggarage widerspricht der Zielsetzung einer Reduktion des Pkw-Verkehrs." Ein weiteres Beispiel sei der von der ÖVP forcierte Kreisverkehr am Museumsplatz, womit "der Durchzugsverkehr durch die Altstadt einzementiert wird". Bei 7.000 von 10.000 täglichen Fahrten in der linken Altstadthälfte handle es sich um Durchzugsverkehr, kritisiert die Bürgerliste.

Grüne Mobilitätsstrategie 2021: Maßnahmen Bürgerliste Salzburg
v.l.: Gemeinderat Lukas Uitz, Verkehrsforscher Harald Frey und Stadträtin Martina Berthold bei der Präsentation.

Dem Smart City Masterplan 2025 der Stadt Salzburg zufolge sind übrigens knapp ein Drittel der CO2-Emissionen in der Landeshauptstadt auf den Mobilitätssektor zurückzuführen.

Das ist die Mobilitätsstrategie 2021+

Insgesamt wurden nun 22 Maßnahmen vorlegt, die teilweise bereits in Planung, zum Teil aber auch nach Jahrzehnten nicht über das Stadium der Diskussion hinausgekommen sind und die in den kommenden Wochen und Monaten im Gemeinderat und auch auf Landesebene mit den anderen Parteien diskutiert werden sollen. "Das ist keine Beschlussvorlage, sondern soll als Diskussionsgrundlage dienen", erklärt Stadträtin Martina Berthold. "Ein Alleingang bei der gerechteren Verteilung des Straßenraums ist nicht möglich, dafür sind politische Mehrheiten nötig."

Grundsätzlich erwartet sie angesichts der aktuellen Haltung der ÖVP in Verkehrsfragen ein "Bohren harter Bretter. Aber wir werden nicht aufhören, beharrlich darauf zu drängen, dass diese zukunftsfitten Ideen umgesetzt werden." Gerade bei den jüngeren ÖVP-Mandataren gebe es durchaus das Bewusstsein über die Notwendigkeit dieser Maßnahmen. Und dann gebe es auch Verkehrslandesrat Stefan Schnöll (ÖVP), der bereits andere Aktivitäten setze, etwa den Ausbau des Öffentlichen Verkehrs.

Verkehrsberuhigung der linken Altstadthälfte

Die Maßnahme, die wohl die größten Folgen für den innerstädtischen Verkehr hätte, ist die geplante Verkehrsberuhigung der linken Altstadthälfte. Ausnahmen gibt es dann lediglich für Einsatzfahrzeuge, Lieferdienste und Anrainer. Möglich sei eine Neuverteilung nur, wenn auch der vorhandene Platz neu verteilt werde: "Die freigewordene Fläche kann so anders genutzt werden, etwa auch von der Wirtschaft", wirft Frey ein.

Autofreier Rudolfskai und Fahrradwege

Autos sollen auch vom Rudolfskai verbannt werden: "Denn wenn die Regionalstadtbahn in Richtung Süden fährt, dann wäre ebendort eine Station sinnvoll, die jetzt mitgeplant werden muss."

Grüne Mobilitätsstrategie 2021: Maßnahmen Bürgerliste Salzburg
Die Maßnahmen der Bürgerliste auf einem Blick.

Und nach den Plänen der Bürgerliste soll zudem eine Fuß- und Radverkehrsachse vom Hauptbahnhof ins Stadtzentrum geschaffen werden. Sichere Radverbindungen in die Altstadt sollen auch in den Stadtteilen Gnigl und Parsch geschaffen werden. Das Radhauptnetz soll weiter ausgebaut und Verbindungen in umliegende Gemeinden im Zentralraum umgesetzt werden. Das übergeordnete Ziel sei eine Stadt der kurzen Wege, in der man nicht auf ein Auto angewiesen ist.

 

Was sind eure Gedanken zum Verkehr in Salzburg? Stimmt ab im Meinungscheck!

(Quelle: SALZBURG24)

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