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Historischer Höchststand

Corona bringt Arbeitslosen-Rekord in Österreich

Anstieg in Salzburg um 138 Prozent

Die Coronavirus-Pandemie hat die Arbeitslosenzahlen in Österreich auf einen historischen Höchststand seit 1946 nach oben schnellen lassen. Ende März gab es im Vergleich zum Vorjahresmonat um 52,5 Prozent mehr Personen ohne Job. Arbeitslose und Schulungsteilnehmer zusammengerechnet waren 562.522 (+193.543) ohne Beschäftigung. In Salzburg ist die Arbeitslosigkeit um 138,5 Prozent angestiegen.

Die Auswirkungen der Pandemie haben auf dem gesamten Salzburger Arbeitsmarkt tiefe Spuren hinterlassen. Trotz großen Zustroms zum Covid-Kurzarbeitsmodell gab es einen enormen Anstieg um 138,5 Prozent bei den Arbeitslosenzahlen.  

Aktuell sind 29.107 Menschen beim AMS Salzburg als arbeitslos registriert. Das sind 16.905 Personen beziehungsweise 138,5 Prozent mehr als vor einem Jahr. Zählt man die 1.970 Teilnahmen an Schulungen dazu, sind 31.077 Menschen ohne Beschäftigung. "Wir verzeichnen in diesem Monat einen einsamen, traurigen Rekord bei der Arbeitslosigkeit. Mit Stand Ende März mussten wir doppelt so viele Arbeitslose wie zur Zeit der schlimmsten Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 vormerken“, ordnet Jacqueline Beyer, Landesgeschäftsführerin des Arbeitsmarktservice Salzburg, die gegenwärtige Lage auf dem Salzburger Arbeitsmarkt ein. 

Arbeitslosigkeit trifft Salzburg hart

Liegt Salzburg mit seinen Arbeitsmarktdaten sonst stets deutlich besser als der bundesweite Schnitt, so ist diesmal das Gegenteil der Fall: "Durch den abrupten Abbruch der Tourismus-Wintersaison ist Salzburg von der Corona-Krise weit stärker betroffen als die anderen Bundesländer, ausgenommen Tirol", erklärt AMS-Chefin Beyer. In Österreich hat die Arbeitslosigkeit um 65,7 Prozent, in Salzburg um 138,5 Prozent, in Tirol um 199,0 Prozent und in der Steiermark um 90 Prozent zugenommen. In Wien gab es "lediglich" einen Zuwachs von 38,9 Prozent.

Viele Betroffene im Hotel- und Gastgewerbe

In Salzburg hat sich alleine im Hotel- und Gastgewerbe die Arbeitslosigkeit vervierfacht. Der Zuwachs um 7.343 Personen auf 9.704 Betroffene bedeutet ein Plus von 311,0 Prozent. Auch die Sparte Verkehr mit der Seilbahnwirtschaft wurde vom Saisonabbruch schwer getroffen: Hier hat sich die Arbeitslosigkeit mit einem Plus von 194,8 Prozent, bzw. um plus 1.391 auf 2.105 Vorgemerkte, verdreifacht. Zum massiven Gesamtanstieg hat auch das Bauwesen mit einem Plus von 125,8 Prozent oder 1.709 zusätzlichen Arbeitslosen deutlich beigetragen.

Arbeitslosenquote bei 10 Prozent

"Über die zu erwartende Arbeitslosenquote lässt sich noch nichts Genaues sagen, da noch keine Daten über die Beschäftigung vorliegen. Es ist aber zu befürchten, dass es mehr als zehn Prozent nach nationaler Berechnungsmethode werden“, erklärt AMS-Landesgeschäftsführerin Beyer. "Unter diesen Umständen fällt es mir schwer, es als Glück im Unglück zu bezeichnen, dass wenigstens die Altersarbeitslosigkeit erheblich geringer als die Gesamtarbeitslosigkeit gestiegen ist", so Beyer. Mit einem Zuwachs von 88,1 Prozent seien deutlich weniger Arbeitskräfte ab 50 Jahre gekündigt worden als unter 25-Jährige mit einem Plus von 181,9 Prozent. Bei Frauen ist die Arbeitslosigkeit mit plus 149,1 Prozent zwar stärker gestiegen als bei Männern (+130,6%), in absoluten Zahlen sind aber Männer mit einem Zuwachs von 9.069 auf 16.014 Personen stärker betroffen als Frauen (+7.836 auf 13.093 Personen).

Tourismusregionen mit stärksten Zuwächsen

Die regionale Betrachtung des Salzburger Arbeitsmarktes zeigt die massiven Auswirkungen der Krise in den Tourismusregionen. Mehr als die Hälfte aller Arbeitslosen stammen aus Innergebirg. Den stärksten Anstieg Vorgemerkter muss der Pinzgau mit einem Plus von 274,7 Prozent bzw. plus 4.986 auf 6.801 Arbeitslose verzeichnen. Dicht dahinter folgt der Pongau mit einer Steigerung um 256,2 Prozent bzw. plus 4.063 auf 5.649 Arbeitslose. Im Lungau hat sich die Arbeitslosigkeit mit plus 213,3 Prozent bzw. plus 881 auf 1.294 Betroffene mehr als verdreifacht. Mit Abstand folgt der Flachgau, wo 4.700 Arbeitslose ein Plus von 94,8 Prozent oder plus 2.287 Personen bedeuten. Der Tennengau verzeichnet einen Zuwachs um 89,5 Prozent bzw. plus 1.041 auf 2.204 Vorgemerkte. Mit 8.459 Betroffenen führt die Stadt Salzburg (aufgrund der Größe) die Statistik an, jedoch war hier der prozentuelle Zuwachs mit plus 75,8 Prozent oder plus 3.647 Personen der niedrigste.

Corona lässt Arbeitslosenzahlen steigen

Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition stieg um 4,7 Prozentpunkte auf 12,2 Prozent. Seit 16. März sind zur Virus-Eindämmung hierzulande Ausgangsbeschränkungen in Kraft, viele Dienstleistungsbetriebe mussten schließen. Die Coronavirus-Pandemie hat per Ende März am stärksten die Zahl der Arbeitslosen und AMS-Schulungsteilnehmer im Bereich Beherbergung und Gastronomie (+145,1 Prozent, +60.784 Personen), am Bau (+94,8 Prozent, +28.191 Personen) und im Verkehr und Lagerwesen (+83,8 Prozent +13.728 Personen) nach oben schnellen lassen.

Die Anzahl der Menschen ohne Job im Handel stieg österreichweit per Ende März im Vergleich zum Vorjahresmonat um 34,4 Prozent, bei der Herstellung von Waren (+34,2 Prozent), Arbeitskräfteüberlassung (+34,0 Prozent) und im Gesundheits- und Sozialwesen (+22,5 Prozent). Der Shutdown zur Viruseindämmung ließ in Österreich auch die Zahl der gemeldeten sofort verfügbaren Stellen um 20,5 Prozent auf 60.722 einbrechen.

AMS vor "noch nie dagewesener Belastungsprobe"

"Der extreme Anstieg der Arbeitslosigkeit ist nicht nur eine enorme Herausforderung für die so vielen von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen und deren Familien, sondern stellt auch das AMS und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor einen noch nie dagewesene Belastungsprobe", kommentierte AMS-Vorstand Johannes Kopf die aktuellen Zahlen. Mit dem aktuellen Anstieg sind die Arbeitslosenzahlen erstmals seit Anfang 2017 wieder gestiegen.

(Quelle: APA)

Aufgerufen am 18.01.2021 um 08:53 auf https://www.salzburg24.at/news/salzburg/trauriger-rekord-bei-arbeitslosigkeit-in-salzburg-85669300

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