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Mögliche Abschaffung

Warum wir (noch) nicht ohne Bargeld wollen

Pro und Contra

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Die Österreicherinnen und Österreicher haben gerne Bargeld im Geldbörserl. (SYMBOLBILD)

Nur jeder Zehnte kann sich in Österreich vorstellen, komplett auf Bargeld zu verzichten. Scheine und Münzen haben hierzulande noch einen hohen Stellenwert, in anderen Ländern stehen sie kurz vor der Abschaffung. Wie realistisch ist ein Ende des Bargelds? Und welche Vor- und Nachteile würde das bringen? Wir verschaffen euch einen Überblick.

Neun von zehn Österreicherinnen und Österreichern besitzen laut einer Umfrage der Österreichischen Nationalbank eine Bankomatkarte, 16 Prozent bezahlen bereits einmal die Woche kontaktlos – also per NFC-Funktion (Near Field Communication). Die meisten davon sind unter 30 Jahre alt (40 Prozent). Im täglichen Leben spielt das Bargeld aber noch die größte Rolle. Sei es beim Einkauf von Lebensmitteln, im Gasthaus oder beim Frisör: Die Mehrheit zahlt hier bar.

Bargeld: Nur jeder achte Salzburger könnte verzichten

Wichtig ist den Österreicherinnen und Österreicherin beim Bezahlen, dass es einfach, schnell und praktisch ist. Dem komme das Bargeld laut Nationalbank wohl am nächsten, weshalb es bei der heimischen Bevölkerung auch so beliebt sei. So kann sich beispielsweise nur jeder achte Salzburger vorstellen, komplett auf Bargeld zu verzichten. Im EU-Schnitt ist es jeder Fünfte.

 

Schweden bis 2023 bargeldlos

In Nordeuropa sieht es ganz anders aus. Schweden und Dänemark etwa gelten als Vorreiter in Sachen bargeldloses Zahlen. Jeder noch so kleine Betrag kann in diesen Ländern mittlerweile per Karte oder mobil via App beglichen werden – ob in der Bäckerei oder in der Kirche. Teilweise wird Bargeld gar nicht mehr angenommen, bis 2023 will Schweden komplett ohne Scheine und Münzen auskommen. Der Grund: Bargeld rentiert sich nicht mehr, es wird zu wenig verwendet.

Was für digitales Bezahlen spricht

Befürworter der Bargeldabschaffung führen an, dass eine bargeldlose Gesellschaft transparenter und günstiger wäre. Laut Wirtschaftsexperte Guido Schäfer kostet etwa jede Bargeldzahlung in Österreich 40 Cent. Zudem fallen Personal-, Energie- und Produktionskosten an. Außerdem würde Bargeld die Finanzierung von Verbrechen begünstigen. Um illegale Geschäfte einzudämmen, wurde auch die Produktion des 500-Euro-Scheins letztes Jahr eingestellt. Eine Studie der Deutschen Bundesbank kommt jedoch zu dem Schluss, dass es keinen Nachweis dafür gebe, „dass durch Maßnahmen wie die Abschaffung von Banknoten mit hohem Nennwert oder die Einführung von Barzahlungsobergrenzen tatsächlich Steuerhinterziehung und andere kriminelle Aktivitäten effektiv bekämpft werden können.“

Was für Bargeld spricht

Ein ähnliches Argument führen jedoch auch die Befürworterinnen und Befürworter des Bargelds an: Man kann damit anonym bezahlen. Was elektronisch bezahlt wird, lasse sich – zumindest theoretisch – auch nachvollziehen. Zudem wäre eine Abschaffung ein Problem für jenen Teil der Bevölkerung, der technisch nicht so versiert ist bzw. keine Bankomatkarte besitzt oder nutzt. Und was, wenn längere Zeit Strom oder Internet ausfallen? Niemand würde mehr an sein Geld kommen, es käme zum Stillstand.

Österreich: Keine Abschaffung in nächsten zehn Jahren

In Österreich wird die Bargeld-Abschaffung nicht so schnell gehen, wenn überhaupt. Denn noch im Sommer plädierte die ÖVP dafür, das Recht auf Bargeld in der Verfassung zu verankern. Einen entsprechenden Antrag hat die FPÖ letzten Donnerstag bereits im Nationalrat eingebracht.

Wirtschaftsexperte Guido Schäfer erklärte gegenüber der Austria Presse Agentur (APA), dass eine Abschaffung des Bargelds in den nächsten zehn Jahren wohl nicht möglich sei. Nicht nur erfüllt es Funktionen, die kein anderes Zahlungsmittel erfüllen kann, auch ein Alleingang eines einzelnen Landes wäre bei einem solchen Schritt kaum möglich, sagte Schäfer. Er geht eher davon aus, dass sich sowohl das Bargeld, als auch die digitalen Alternativen dazu halten werden. Für eine komplette Abschaffung sei laut des Experten eine gesamteuropäische Entscheidung nötig. Wie sich das aber juristisch gestalte würde, sei höchst unklar, betont Schäfer.

(Quelle: SALZBURG24/APA)

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