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Eigenen Öko-Strom produzieren

Wie steht's um Windenergie aus Salzburg?

Land bestimmt Zonen für Projekte in allen Bezirken

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Noch steht im Land Salzburg kein Windrad. Ändert sich das bald? (SYMBOLBILD)

Wind gibt es in Salzburg in Hülle und Fülle, dennoch dreht sich bis dato kein einziges Windrad im Bundesland. In den vergangenen Jahren scheiterten neue Versuche immer wieder an Bürgerinitiativen, Politiker:innen und Vereinen. Das könnte sich aber nun ändern.

Durch Russlands Angriffskrieg in der Ukraine und den damit verbundenen globalen Folgen wird das Wort "Energiewende" in Österreich immer häufiger in den Mund genommen. Um unabhängiger von Importen des russischen Öls und Gas zu werden, brauche es alternative Energien.

Ambitionierte Klima-Pläne

Dafür müsste laut Koalitionspakt der Strom aus Windkraft in Österreich fast verdreifacht werden. Jedoch hat die Windkraft-Infrastruktur ein drastisches Ost-West-Gefälle, denn das westlichste Windrad hierzulande steht am Plöckenpass in Kärnten. In den Bundesländern Salzburg, Tirol und Vorarlberg steht überhaupt kein Großwindrad. So teilen sich aktuell Niederösterreich und das Burgenland mit rund 85 Prozent den Löwenanteil der Stromerzeugung aus Wind.

Im Land Salzburg könnte sich das aber bald ändern, schließlich sollen sich bis 2030 insgesamt 25 Windräder drehen. Die Landesregierung zeigte sich zuletzt einig darüber, dass die Klimaziele – bis 2050 komplett klimaneutral und energieautonom zu sein – nur so zu erreichen seien. In den Monaten von Dezember bis Februar muss das Land Salzburg übrigens rund 40 Prozent des Strombedarfs importieren, gab Landesrat Heinrich Schellhorn (Grüne) kürzlich bekannt.

Wie funktioniert Windkraft?

Windkraft wird erzeugt, indem man die kinetische Energie der Luftströmungen der Atmosphäre nutzt. Weil die Windgeschwindigkeit mit der Höhe zunimmt, seien Großwindkraftanlagen deutlich effizienter als Kleinwindkraftanlagen. So sei die Leistung in 80 Metern Höhe bis zu sieben Mal größer als in zehn Metern Höhe. Hinzu kommt, dass die Leistung der Anlage mit dem Rotordurchmesser quadratisch steigt. Eine moderne Windkraftanlage mit etwa fünf Mega-Watt elektrischer Leistung könne derzeit jährlich so viel Strom erzeugen, die von rund 3.700 Haushalten im Jahr benötigt wird.

 

Was ein Windrad leisten kann

Ein typisches Windrad hat eine Nabenhöhe von 100 Metern und eine Leistung von drei Mega-Watt, um emissionsfrei Strom für etwa 1.800 Haushalte zu erzeugen. Wie das Land Salzburg informiert, würden dabei 4.500 Tonnen CO2-Emissionen von fossilen Kohlekraftwerken ersetzt und durch den Betrieb über drei Millionen Euro an heimischer Wertschöpfung generiert werden.

Wasserkraftwerk Pomwenger Josef Schwaiger Land Salzburg/Neumayr/Hofer
"Ohne Wasserkraft geht bei der heimischen Energieversorgung nichts", ist Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP, re, im Bild) überzeugt. Hier zu sehen beim Lokalaugenschein beim Kraftwerk POmwenger in Hallwang (Flachgau) mit Jakob Pomwenger. (ARCHIVBILD)

500 Wasserkraftwerke erzeugen Energie für Salzburg

500 Wasserkraftwerke – von sehr groß bis klein – gibt es im Bundesland Salzburg. Gemeinsam erzeugen sie Energie im Ausmaß von rund 4.000 Gigawattstunden (GWh). Umgerechnet kann damit mehr als eine …

Expert:innen zeigen sich davon überzeugt, dass Windkraftanlagen in den Bergen den Skigebieten auch die Chance eröffnen könnten, sich langfristig selbst mit kostengünstiger und klimaneutraler Energie zu versorgen. Argumentiert wird auch damit, dass die Wintersportgebiete ohnehin schon mit Liftanlagen verbaut sind.

Gescheiterte Projekte in Salzburg

Hierzulande scheiterten bis dato Versuche, neue Windkraftanlagen aus dem Boden zu stampfen, am Widerstand der Bürger:innen: So etwa der Samson-Windpark am Aineck in St. Margarethen im Lungau, wo der örtliche Tourismusverband Unterschriften gegen das Projekt gesammelt hat.

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(SYMBOLBILD)

Lungauer stimmen gegen Windkraft

Zwölf von insgesamt 15 Lungauer Gemeinden haben sich Samstagmittag bei einer Abstimmung des Regionalverbandes vorerst gegen die Windkraft ausgesprochen. Nur Weißpriach, Zederhaus und Unternberg sind …

Bei einer Bürgerbefragung in Thomatal (Lungau) im Herbst 2014 sprach sich die deutliche Mehrheit gegen Windenergie in der Nachbarschaft aus – 15 große Windräder hätten damals errichtet werden sollen. Argumentiert wurde in beiden Fällen mit dem Wert der unberührten Natur.

Erneuerbare Energien in Munderfing

Der von Salzburg aus gesehen nächste Windpark befindet sich in der oberösterreichischen Gemeinde Munderfing (Bezirk Braunau), in der sich seit 2014 fünf Windräder drehen. Die Anlagen produzieren jährlich 32 Millionen Kilowattstunden Strom für rund 10.000 Haushalte. Der Bau eines sechsten Windrades steht schon bevor.

Windvorrangzonen im Land

Um auch in Salzburg solche Anlagen zu errichten, wurden in allen Salzburger Bezirken im Herbst 2021 sogenannte Windvorrangzonen im neu geplanten Landesentwicklungsprogramm festgelegt. In diesen Zonen sollen schnellere Verfahren möglich sein, etwa weil in einer Strategischen Umweltprüfung (SUP) auf Umweltverträglichkeit vorgeprüft wurde. Ob das dann tatsächlich geschieht, entscheiden die Gemeinden mit Umwidmungen. Kritik wegen fehlender Einbindung in die Auswahl der Zonen wurde neben dem Alpenverein auch von der Landesumweltanwaltschaft geäußert.

Flachgau

  • Rannberg-Ebenholzspitz bei Faistenau und Hintersee
  • Lehmberg bei Thalgau, Henndorf und Neumarkt: Dafür braucht es jedoch noch die Genehmigung des Bundesheers, weil ein Bau das Luftradar am Kolomansberg behindern würde

Tennengau

  • Ofenauer Berg in Golling
  • Anzenberg in Hintersee-Krispl-Gaißau

Pongau

  • Windsfeld bei Flachau
  • Schneeberg in Mühlbach am Hochkönig
  • Sulzau bei Werfen

Pinzgau

  • Resterhöhe-Rossgruberkogel zwischen Mittersill und Bramberg
  • Hochalm in Saalbach-Hinterglemm
  • Hochegg in Dienten am Hochkönig

Lungau

  • Pirkegg in Ramingstein
  • Der Fanningberg soll laut Landesrat Schellhorn noch dazu kommen

Alpenverein stellt sich quer

Auch wenn es diesmal keinen Protest der Bürger:innen gab, steht der Salzburger Alpenverein wie schon in der Vergangenheit auf den Barrikaden. Argumentiert werden die Ablehnungen etwa mit der Beeinträchtigung des Landschaftsbilds oder der Gefährdung von Natur und Tieren. So sprach man sich lediglich für drei der elf möglichen Standorte aus, berichteten die Salzburger Nachrichten (SN) unter Berufung auf ein internes Papier: Diese seien Lehmberg und Rannberg (beides Flachgau) und Sulzau im Pongau.

Andere Expert:innen und Organisationen sprachen sich hingegen für die Windkraft aus, da es ohne diese Art der Energiegewinnung im Alpenraum künftig nicht weitergehen könne. Die Salzburg AG will eigenen Angaben zufolge vier Windkraftanlagen in jedem Bezirk errichten. Das sei machbar, sofern die Akzeptanz in der Bevölkerung gegeben sei.

Windenergie aus dem Pongau?

Das derzeit einzige konkrete Windkraft-Projekt bei uns im Bundesland ist jenes am Windsfeld in rund 2.000 Metern Seehöhe nahe dem Nordportal des Tauerntunnels der Tauernautobahn (A10). Die Gemeinde Flachau steht hinter dem Projekt, die Flächenwidmung läuft. Die Betreibergesellschaft peilt in der zweiten Jahreshälfte 2022 den Start der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) an. Die Anlage mit mindestens acht Windrädern könne bis zur Hälfte der Salzburger Windenergieziele bis 2030 abdecken, heißt es eigenen Angaben zufolge. Ein unabhängiger Gutachter habe keine erheblichen Umweltauswirkungen durch die Nutzung der Windkraft festgestellt. Der Umweltbericht im Landesentwicklungsprogramm weist hingegen für Biotope, Fauna und Landschaftsraum am Windsfeld "deutlich negative Auswirkungen" aus. Als vehementer Gegner tritt auch hier der Alpenverein auf. Der Bau einer Zufahrtsstraße und die notwendigen Manipulationsflächen für den Bau der Windräder seien ein schwerer Eingriff in die Natur.

Übrigens: Bei unseren Nachbarn in Deutschlands flächenmäßig größten Land Bayern, das die bundesweit strengsten Regeln zum Abstand von Windrädern zur Wohnbebauung hat, ging heuer noch kein neues Windrad ans Netz. Aktuell stehen im Freistaat rund 1.150 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 2,5 Giga-Watt. Medienberichten zufolge sollen im Freistaat heuer noch bis zu 500 weitere Windkraftanlagen errichtet werden.

Am Donnerstag will die österreichweite Interessenvertretung IG Windkraft in Salzburg präsentieren, wie das Bundesland seine Abhängigkeit von Erdgas und Erdöl überwinden und welchen Beitrag die Windenergie dafür leisten könne.

(Quelle: SALZBURG24/APA)

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